Partnerschaftliche Vereinbarkeit

Beruf und Familie: Auf die Betriebe kommt es an

Yvonne Holl24. Januar 2017
	Mehr von beiden: Viele Väter wünschen sich eine gleichberechtigte Aufteilung von Beruf und Familienarbeit.
Mehr von beidem: Viele Väter wünschen sich eine gleichberechtigte Aufteilung von Beruf und Familienarbeit.
Väter wünschen sich mehr Zeit für Familie, haben aber Angst vor beruflichen Nachteilen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Bundesfamilienministerin Schwesig appelliert deshalb an die Betriebe, Familien besser zu unterstützen. Auch sie würden davon profitieren.

Vor allem Väter wünschen sich mehr Gleichberechtigung bei der Aufteilung von beruflichen und familiären Aufgaben. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Im Auftrag des Bundesfamilienministeriums wurde untersucht, welche Rolle betriebliche Rahmenbedingungen für junge Familien spielen. Demnach drückt vor allem Väter der Schuh: Vier von zehn Vätern (42 Prozent der Befragten) und jede dritte Mutter (35 Prozent) wünschen sich eine ausgeglichenere Aufteilung der Erwerbsarbeit.

„In den letzten zehn Jahren lag der Fokus sehr stark auf einer besseren Vereinbarkeit für Frauen“, sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung der Studie. Nun sei es an der Zeit, mehr für Väter zu tun. Denn: „Sie sind die Motoren des Wandels, auf sie kommt es an, wenn es um mehr Partnerschaftlichkeit geht.“

Betriebe müssen Eltern bessere Angebote machen

Für die Studie hat das WZB erstmals nicht Mütter und Väter getrennt voneinander, sondern Paare befragt: 878 zusammenlebende Paare mit gemeinsamen kleinen Kindern (bis zwölf Jahre) nahmen an der Untersuchung teil. Zusätzlich wurden 51 Elternpaare ausführlicher befragt. Laut WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger zeigt die aktuelle Untersuchung,  dass sich „viele Eltern vom überholten Konzept einer klaren Arbeitsteilung zwischen Müttern und Vätern verabschiedet“ haben.

Besonders Väter seien unzufrieden mit überlangen Arbeitszeiten und wollten etwas verändern. Damit dieser Wandel möglich werde, sei aber nicht nur die Politik gefragt, glaubt die Bundesfamilienministerin. Auch die Betriebe spielten eine zentrale Rolle. Sie müssten Müttern und Vätern gleichermaßen bessere Angebote machen – insbesondere, was die Arbeitszeiten angeht. Dürften sie sich etwas aussuchen, würden viele Eltern eine Teilzeitbeschäftigung für beide wählen: Er und sie arbeiten jeweils zwischen 28 und 36 Stunden pro Woche. Das sei die Traumvorstellung von jeder fünften Mutter und jedem vierten Vater.

Väter haben keine Nachteile nach Elternzeit

Für Männer haben Rechtsansprüche und finanzielle Anreize eine hohe Bedeutung: Gäbe es ein Rückkehrrecht aus der Teilzeit, wie es Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles gerade plant, würden sie ihre eigene Wunscharbeitszeit sogar noch niedriger als 35 Stunden ansetzen, aber nur dann.

Allerdings zählt gerade für Väter nicht nur das Regelwerk. Auch das Betriebsklima hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Vorbilder in der Geschäftsführung spielten eine große Rolle und entschieden mit darüber, ob sich der einzelne Vater entschließe, eine Zeit lang weniger zu arbeiten und mehr Familienarbeit zu übernehmen. Deutlich wird das beim Thema Elternzeit. Die Mehrheit der befragten Männer fürchtet einen Karriereknick durch genommene Vätermonate. „Wenn sie sich aber entscheiden, Elternzeit zu nehmen – passiert gar nichts“, sagt Manuela Schwesig. 90 Prozent der Befragten hätten keinerlei Nachteil durch genommene Elternzeit im Betrieb gespürt.

Familie und Beruf schließen sicht nicht aus

Schwesig und Allmendinger plädieren daher für einen Wandel in der Unternehmenskultur hin zu einem Klima, das Mütter und Väter spüren lässt, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und gleichzeitig berufliches Vorankommen möglich sind.

Firmen müssten keineswegs darunter leiden, wenn Sie junge Familien darin unterstützen, berufliche und familiäre Aufgaben gerechter zu teilen. Denn 80 Prozent der Männer, die hinsichtlich der Vereinbarkeit Defizite in ihrem Betrieb sehen, würden gerne den Job wechseln. Wer hingegen zufrieden mit seinem Arbeitgeber bei diesem Thema ist, der bleibt auch gerne im Betrieb. „Mehr Rücksichten auf junge Familien zu nehmen, ist also nicht nur eine Frage der gesellschaftlichen Einstellung, sondern es bedeutet auch ein Unternehmensrisiko, keine Rücksicht zu nehmen“, so Schwesig.

Die Ministerin appelliert an Unternehmen, flexibler zu werden. Nur bei 20 Prozent der Firmen herrschten bereits ideale Bedingungen für Familien. „Da ist noch viel Luft nach oben“, erklärte die Ministerin. Übrigens ergab die Befragung keine Unterschiede hinsichtlich Branchen oder Firmengröße. Für WZB-Chefin Allmendinger bedeutet das: „Es geht überall, jeder Betrieb kann familienfreundlicher werden, wenn er es will.“

Die Studie

Die Studie „Partnerschaftliche Vereinbarkeit – Die Rolle der Betriebe“ kann in einer Kurzfassung und einer Langfassung auf der Internetseite des Bundesfamilienministeriums bzw. des WZB heruntergeladen werden.

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