Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2017

Das bedeutet der Erdrutschsieg François Fillons in Frankreich

Christine Longin28. November 2016
François Fillon hat die Vorwahlen der französischen Konservativen haushoch gewonnen. Die regierenden Sozialisten streiten dagegen immer erbitterter, wer der beste Kandidat ist. Der Front National macht bereits mobil.

Ist das der nächste Präsident Frankreichs, der am Sonntagabend um 21.09 Uhr die Bühne im Haus der Chemie in Paris betritt? „Der Sieg gehört mir und es ist ein grundsätzlicher Sieg, der auf Überzeugungen beruht“, sagt François Fillon vor seinen jubelnden Anhängern. Der Ex-Regierungschef, der Frankreich eine liberale Rosskur verpassen will, hat die Vorwahlen der Konservativen mit 66 Prozent der Stimmen haushoch gegen seinen Rivalen Alain Juppé gewonnen. Der lange als „Mister Nobody“ gehandelte Fillon hatte bereits in der ersten Runde überraschend Ex-Präsident Nicolas Sarkozy aus dem Rennen geworfen und auch den lange in Umfragen führenden Juppé mit 15 Prozentpunkten Vorsprung abgehängt.

Fillon als ideale Synthese von Juppé und Sarkozy

„Fillon verkörpert die ideale Synthese zwischen Juppé und Sarkozy: Er hat die präsidialen Fähigkeiten des einen und das radikale Programm des anderen“, bemerkt Jérôme Fourquet vom Meinungsforschungsinstitut IFOP in der Zeitung „Le Monde“. Der praktizierende Katholik will das Adoptionsrecht für Homosexuelle beschneiden, in Schulen die Uniform einführen und schon in der Grundschule eine „nationale Erzählung“ im Geschichtsunterricht vermitteln.

Dazu kommt eine liberale Wirtschaftspolitik, die den 62-Jährigen zum „Thatcher Frankreichs“ macht. Fillon plant, 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst zu streichen, die 35-Stunden-Woche abzuschaffen, die Sozialversicherung stark einzuschränken und das Rentenalter heraufzusetzen. Mit diesem Programm aus Blut, Schweiß und Tränen scharte er die Anhänger der Konservativen und der Parteien der Mitte massiv hinter sich. Doch ob er damit auch die anderen Franzosen erreicht, ist fraglich. „Er hat sein Lager geeint, wird aber morgen das Land spalten“, sagt die linke Zeitung „Libération“ voraus. Eine im Oktober veröffentlichte Umfrage ergab, dass 60 Prozent der Franzosen ein höheres Rentenalter und ein Ende der 35-Stunden-Woche ablehnen.

Regierungschef Valls bringt sich in Stellung

Der rechtspopulistische Front National (FN) begann am Sonntagabend bereits, Wahlkampf gegen Fillon zu machen. „Das ist das schlimmste Programm des Sozialabbaus, das je existiert hat“, kritisierte FN-Chefin Marine Le Pen. „Kein Kandidat ist je so weit gegangen bei der Unterwerfung unter das ultraliberale Diktat Europas“, ätzte die Anwältin, die im Falle eines Wahlsiegs Frankreich aus der EU führen will. Die 48-Jährige, die sich in den vergangenen Monaten selten in den Medien äußerte, ging aus der Deckung, weil Fillon mit seinem stramm rechten Programm dem FN Wähler wegnehmen könnte. Laut einer Umfrage des Instituts Harris Interactive vom Sonntagabend würde der Konservative schon die erste Runde der Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr mit 26 Prozent der Stimmen gegen Le Pen mit 24 Prozent gewinnen. Der sozialistische Präsident François Hollande käme auf neun Prozent, ebenso wie sein Regierungschef Manuel Valls. Der Premier hatte sich am Sonntag als möglicher Präsidentschaftskandidat der Sozialisten für die Vorwahlen im Januar in Stellung gebracht.

„Unsere Vorwahlen dürfen sich nicht auf kleinkarierte Parteipolitik beschränken. Sie müssen neuen Schwung geben und Hoffnung. Man muss sich auf eine Auseinandersetzung von Angesicht zu Angesicht vorbereiten. Ich bin bereit“, sagte Valls dem „Journal du Dimanche“. Der 54-Jährige war auf Distanz zu Hollande gegangen, nachdem der Staatschef in einem im Oktober veröffentlichten Buch haltlos über Freund und Feind hergezogen war. Der extrem unbeliebte Hollande hat bis zum 15. Dezember Zeit, sich zu erklären.

Sozialisten sind weit abgeschlagen

Die französische Linke, die 2012 sowohl die Präsidentschafts- als auch die Parlamentswahlen gewonnen hatte, geht gespalten in das Wahljahr. Der Chef der Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, tritt ebenso an wie der sozialliberale frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron. Beide liegen in Umfragen noch vor den Kandidaten der Sozialisten. Für die Stichwahl reicht es aber keinem von ihnen.

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