Bürgerdialog mit Alleinerziehenden

„Der Bedarf an Unterstützung ist da“

Marisa Strobel14. Juni 2015
In persönlichen Gesprächen sammelte Familienministerin Manuela Schwesig Anregungen, wie die Politik Alleinerziehende besser unterstützen kann. „Alleinerziehende leisten jeden Tag enorm viel. Sie gehören zu den wahren Leistungsträgerinnen und -trägern unserer Gesellschaft“, so die Familienministerin.
In persönlichen Gesprächen sammelte Familienministerin Manuela Schwesig Anregungen für eine gerechtere und moderne Familienpolitik.
Wie kann die Politik Alleinerziehende besser unterstützen? Dieser Frage gingen die Familienministerin Manuela Schwesig und SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi am Samstag im gemeinsamen Gespräch mit 40 Alleinerziehenden aus ganz Deutschland nach.

„Alleinerziehende sind die Heldinnen und Helden des Alltags.“ Mit einer deutlichen Botschaft ruft die SPD seit Mitte März Alleinerziehende dazu auf, ihre persönlichen Erfahrungsberichte und politischen Verbesserungsvorschläge auf einer eigens eingerichteten Online-Plattform zu veröffentlichen. Binnen weniger Wochen kamen knapp 330 Beiträge zusammen – weit mehr als erwartet. Kurzerhand beschlossen deshalb die Familienministerin Manuela Schwesig und die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, den Bürgerdialog auch im persönlichen Gespräch zu führen. 

„Die Problematik ist eigentlich recht ähnlich, auch wenn jeder seine eigene Geschichte hat“, stellt Saskia Wollenberg aus Köln fest. Die junge Mutter ist eine von 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die auf Einladung der SPD an diesem Samstag in einem Berliner Café über die Bedürfnisse Alleinerziehender diskutierten. In mehreren Gruppen von je sechs Personen gingen die alleinerziehenden Eltern zwei Leitfragen nach: „Vor welche Herausforderungen stehen wir im Alltag?“ und „Welche politischen Maßnahmen würden unseren Familienalltag erleichtern?“. 

20 Prozent der Familien in Deutschland gelten als alleinerziehend

„Es ist sehr deutlich geworden, dass der Bedarf an Unterstützung da ist“, fasst Natalia Koch aus dem Raum Bremerhaven die Ergebnisse ihres Tisches zusammen. Seit sechs Jahren ist sie vom Vater ihrer zwei Kinder getrennt, der die Kinder alle zwei Wochen am Wochenende übernimmt. In einem Dorf lebend hat sie anfangs eine deutliche Stigmatisierung erlebt. „Das hat sich inzwischen gebessert“, so Koch. Als Familie gleichwertig anerkannt fühlen sich viele der Anwesenden dennoch nicht und fordern eine neue Definition von Familie in der Öffentlichkeit.

Dass Familie für die SPD nicht nur aus Vater, Mutter, Kind besteht, stellte Familienministerin Manuela Schwesig gleich zu Beginn des Treffens klar: „Unser Familienbild ist ein sehr modernes und freiheitliches. Jeder sollte seinen Lebensweg gehen können, ohne Wertung“, so Schwesig. Und auch Fahimi betonte: „Wir wollen den Leuten nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben, sondern wollen ihnen ermöglichen so zu leben, wie sie es wollen und wie sie es manchmal eben auch müssen“, so die Generalsekretärin. 

Entgegen gängiger Vorurteile sehen viele Alleinerziehende ihre Lebenssituation überwiegend positiv – trotz zahlreicher Barrieren wie unzureichende Kinderbetreuungszeiten, Vorbehalte seitens der Arbeitgeber und finanzielle Engpässe, die nicht selten zu mangelnder Altersvorsorge führen. 

Mehr Unterstützung für Alleinerziehende

Mit 1,6 Millionen Haushalten stellen Alleinerziehende mittlerweile ein Fünftel aller Familien in Deutschland dar, Tendenz steigend. Zwei Drittel der Alleinziehenden sind erwerbstätig, davon gut 40 Prozent in Vollzeit. Doch ausgerechnet die Mütter und Väter, die am meisten zu leisten haben, um ihren Alltag zu organisieren, werden steuerlich gegenüber verheirateten Paaren benachteiligt. So genossen verheiratete Paare mit einem Kind durch das Ehegattensplitting bislang bis zu fünfmal höhere Steuerersparnisse als Alleinerziehende. Das ändert sich nun. In diesem Jahr wird der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende erstmals seit der Einführung 2004 angehoben und steigt um 300 Euro auf 1.608 Euro. 2016 kommen noch einmal 300 Euro dazu. Auch der Kinderfreibetrag sowie das Kindergeld sollen erhöht werden.

Im Mai hat der SPD-Parteivorstand zudem eine Resolution als Leitantrag für den Parteikonvent am 20. Juni in Berlin beschlossen, indem sich die Partei für flexiblere Betreuungsangebote und familienorientierte Arbeitszeiten ausspricht – Maßnahmen, die auch aus Sicht der Teilnehmer am Bürgerdialog dringend notwendig sind. Für Alleinerziehende will die SPD darüber hinaus einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung durchsetzen.

Auch die Anregungen aus dem Bürgerdialog sollen in den Prozess für eine moderne Familienpolitik einfließen. Schwesig versprach den Anwesenden, ihre Eindrücke aus den Gesprächen in ihre Arbeit im Familienministerium einzubringen. „Die Ergebnisse tragen wir weiter“, so Schwesig. Und auch Fahimi versicherte: „Unser Ziel ist es, Familien zu unterstützen, wie sie nun mal sind, auch und gerade Alleinerziehende. Wir werden daher im Gespräch bleiben und die Situation von Alleinerziehenden hoffentlich weiter verbessern“, so die Generalsekretärin der SPD.

Weitere Bilder vom Tag finden Sie hier im Flickr-Album der SPD.

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Kommentare

bedarf-unterstützung

Liebe Frau Schwesig,
als Nicht-nur-Frauenministerin sondern auch Kinder-und-Jugendlichenministerin vermisse ich die Perspektive auf diese Hauptbetroffenen in diesem Artikel.
Erste Wahl zur Unterstützung sollte sein, da wo irgend möglich, den getrennt lebenden Elternteil in die tätige Betreuung der Kinder einzubinden.
Beide Elternteile sollten, wie Sie selbst festgestellt hatten, durch Beratung und/oder Mediation befähigt werden von "Alleinerziehend" zum gemeinsam "Getrennterziehend" zu gelangen.
Kinder profitieren in erster Linie von einem gesunden, gleich verteilten Kontakt zu beiden Eltern.
Ich würde mich sehr freuen in dieser Richtung von Ihnen eine Stellungnahme zu lesen.
Herzliche Grüße
Elmar Riedel

Alleinerziehende, Bedarf an Unterstützung ist da

In der Tat, brauchen Alleinerziehende (ganz gleich ob sie offiziell alleinerziehend sind, oder sie in der offiziellen Statistik nicht auftauchen, da das Kind nicht bei Ihnen gemeldet sein darf) mehr Unterstützung. Dabei geht es aber nicht nur um die finanzielle Unterstützung, sondern auch um die Akzeptanz in Gesellschaft und Politik. Insbesondere die Eltern ohne Aufenthaltsbestimmungsrecht für Ihr Kind und Eltern von Kindern, die nicht im Wechselmodell (das obligatorisch sein sollte) leben dürfen, erziehen Ihr Kind. Insofern ist der Begriff "Alleinerziehend" ohnehin irreführend. Besser wäre "temporär allein erziehend". Aber das ist ein anderes Thema.

Und wenn Frau Schwesig (und ihr Kollege Maas) wirklich ernst meinen, was sie (Ministerin Schwesig) sagen "„Unser Familienbild ist ein sehr modernes und freiheitliches. Jeder sollte seinen Lebensweg gehen können, ohne Wertung“, dann sollten auch (meist) Väter die Betreuung ihres Kindes im Wechselmodell verwährt und denen das Aufenthaltsbestimmungsrecht (auch nicht anteilig) verweigert wird, ebenso in den Fokus genommen werden, wie die so genannten "alleinerziehnden" Mütter.

Oliver Wendenkampf, Vorsitzender des Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Landesverband Sachsen - Anhalt e.V.

Unterstützung ich bin Hauptschüler Hilfe

Also irgendwie macht es für mich den Eindruck, dass an den wichtigen Stellen das Geld fehlt, und das Naturgesetz, dass Geld motiviert. (Was Angst vor Verlust auslöst wenn man einfach ein Business aufgebaut hat)
Und da es einfach unüberschaubar ist, wo mann sparen sollte und Millionen und Milliarden sind irgendwie jetzt nicht die Zahlen mit denen man bisschen rumrechnen kann....

Unterstützung

Ich denke von den meisten Müttern wird man als feedback solche schwammigen Antwort wie "Es ist freilich nicht leicht, und ja- wenn was passiert könnte es besser gehen" - Aber dann ists egal ob Politikerin oder nicht - Das ganze wird von Mutter zu Mutter vermittelt und mit einem lächeln, dass man einfach so stehen lassen muss. Läuft eben, und wenn ich die Kinder in der dritten Welt mal als Vergleich raushole, haben wir es weder gut noch schlecht sondern kennen einfach diesen Standard und der Rest ist Fantasie