Georg "Schorsch" Leber wird 90

"Bauarbeiter der Nation"

Die Redaktion06. Oktober 2010

Der
IG BAU-Bundesvorsitzende Klaus Wiesehügel würdigte den Jubilar als "eine absolute Ausnahmeerscheinung als Gewerkschafter und Politiker - und
vor allem als Mensch." Er sei fintenreich und populär. Ein treuer Kollege, der schon zu seiner Zeit als Vorsitzender ein moderner Gewerkschaftsführer gewesen sei, sagte Wiesehügel.

Georg Leber war auf vielen Baustellen aktiv: Willy Brandt holte ihn 1966 als Bundesverkehrsminister ins Kabinett der Großen Koalition von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Leber zögerte
aber, seinen Vorsitz bei der IG BSE aufzugeben. Brandt hielt ihm entgegen: "Ich bin auch nicht auf Arbeitssuche, sondern bin Regierender Bürgermeister von Berlin. Und es geht schließlich darum,
Verantwortung im Staat zu übernehmen."

Genau das tat Leber. In der sozial-liberalen Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt blieb er Bundesverkehrsminister und übernahm zusätzlich das Bundesministerium für das Post- und
Fernmeldewesen. Als Helmut Schmidt 1972 Bundeskanzler wurde, trat er dessen Nachfolge als Bundesverteidigungsminister an.

Alt-Kanzler Helmut Schmidt würdigte "sein klares Urteil und seine Tatkraft". Die Soldaten der Bundeswehr hätten ihn als Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber hoch geschätzt, erklärte
Schmidt. "Und ich selbst schätze ihn noch heute genauso hoch. Denn er ist ein Mann, auf dessen Wort man sich immer verlassen kann."

Am Abend des 11. September 1972 - bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in München - stand Georg Leber vor der schweren Entscheidung, ob er den Befehl geben sollte, ein
unidentifiziertes Flugzeug abschießen zu lassen. Es flog auf das

Münchener Olympiastadion zu. Tage zuvor hatte es dort einen Anschlag auf israelische Sportler gegeben. Bundesverteidigungsminister Georg Leber wartete ab - und handelte damit richtig. Es
stellte sich heraus, dass es sich nicht um ein von Terroristen entführtes Flugzeug, sondern ein mit über 100 Passagieren besetztes finnisches Verkehrsflugzeug handelte, dessen Bordelektronik
ausgefallen war.

Das Wirken als Bundesverteidigungsminister hob auch
SPD-Chef Sigmar Gabriel in seiner Gratulation hervor. Dabie hatte Leber die "schwierige Aufgabe zu bewältigen, Helmut Schmidt in diesem Amt zu folgen. Du konntest
in Deiner Amtszeit bedeutende sicherheitspolitische Entscheidungen vorantreiben und die Verankerung der Bundesrepublik im westlichen Bündnis trotz mancher Widerstände stärken", so Gabriel.

Die Medien bescheinigten Georg Leber "ein Talent für mittelfristige Utopien". Dazu gehörte auch der sogenannte "Leber-Plan": Er sah vor, dass kein Deutscher mehr als 20 Kilometer von einer
Autobahnauffahrt entfernt wohnen sollte. Eins zu eins umgesetzt wurde der Plan allerdings nicht - auch wenn in den 70er-Jahren viele neue Autobahnen gebaut wurden.

Georg Lebers Karriere startete nach dem Krieg. Sein erlernter Beruf - er war kaufmännischer Angestellter - gab wenig her. Schorsch Leber ging deshalb zum Bau. Er wurde Maurer, trat in die
Gewerkschaft ein und wurde Vorsitzender der IG Bau-Steine-Erden (1957 bis 1966). Dem Deutschen Bundestag hat Georg Leber 26 Jahre als Abgeordneter der SPD-Fraktion angehört (1957 bis 1983),
zuletzt als dessen Vizepräsident. Als gläubiger Katholik war Georg Leber Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). 16 Jahre lang war er Vorsitzender des Internationalen Bundes
für Sozialarbeit (IB). Heute ist er dessen Ehrenvorsitzender. 1980 bekam Georg Leber die Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen.

Quelle und weitere Informationen unter
www.igbau.de

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