Rechtsextremismus

Antifa-Kongress: Rechte drohen Teilnehmern mit Bezug zum NSU

Robert Kiesel06. November 2017

Eine Kooperation mit bnr.de

Pegida-Chef Heinz Meyer neben dem Droh-Gedicht gegen Teilnehmer des Antifa-Kongresses in München.
Bereits im Vorfeld hatte der Antifa-Kongress in München für Schlagzeilen gesorgt. Im Nachhinein wird deutlich: Die Befürchtungen waren berechtigt, allerdings unter komplett umgekehrten Vorzeichen.

Auf den Tag genau sechs Jahre nach Selbstenttarnung der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) haben Anhänger von Pegida in München Teilnehmer eines Antifa-Kongresses mit Bezug zum NSU bedroht. Bebildert mit der im Bekennervideo des NSU aufgetauchten Comic-Figur „Paulchen Panther“ formulierten sie die Drohung: „Von jetzt ab, da ist eines klar: Paulchen jagt bald die Antifa.“ An anderer Stelle hieß es in einem auf Leinwand projezierten Text: „Von Wies'n bis ins DGB Haus ist's nicht weit“. Ein klarer Bezug zum Attentat vor dem Haupteingang des Münchener Oktoberfests im Jahr 1980. Damals waren 12 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Haupttäter war der bei dem Anschlag ebenfalls getötete Rechtsextremist Gundolf Köhler, ehemals Mitglied der „Wehrsportgruppe Hoffmann“.

Fast erfolgreich: Rechte Kampagne gegen den Antifa-Kongress

Perfide bis zynisch sind die Drohungen nicht nur wegen der zeitlichen Überschneidung zum Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU, sondern auch vor dem Hintergrund der Diskussionen, derer sich die Organisatoren des von rechter Seite als „Terrorkongress“ verunglimpften Antifa-Kongresses im Vorfeld der Veranstaltung erwehren musste. Nach einer durch rechte Webseiten initiierten und schließlich durch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen aufgenommenen Kampagne hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) als Gastgeber des Kongresses seine Zusage für die Räume zunächst zurückgezogen. Die Veranstalter standen von einem Tag auf den nächsten ohne Räume da. Erst nachdem zahlreiche Medien berichtet und massive Kritik auch aus den Reihen der Gewerkschaften laut geworden war, nahm der DGB seine Entscheidung zurück und gestattete den Organisatoren die Nutzung der Räume. 

Bei Teilnehmern des Kongresses und in den sozialen Netzwerken sorgten die Drohungen am Rande des mit etwa 600 Teilnehmern erfolgreichen Vernetzungstreffen für massive Kritik. Besonders das Nicht-Handeln der Polizeibeamten, denen der Bezug zum NSU ebenfalls nicht verborgen geblieben sein dürfte, warf Fragen auf.

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