Generaldebatte im Bundestag

Nach Antifa-Artikel: Rechte Hetze gegen „vorwärts“-Autorin

Jonas Jordan13. September 2018
Bundestag
Die Anfeindungen gegen „vorwärts“-Autorin Angela Marquardt erlebten ihren bisherigen Höhepunkt am Mittwoch im Bundestag.
Die„vorwärts“-Autorin Angela Marquardt hatte in einem Artikel dafür plädiert, die SPD müsse im Kampf gegen rechts auch mit der Antifa zusammenarbeiten. Seit der Veröffentlichung sieht sich Marquardt rechter Hetze ausgesetzt. Der bisherige Höhepunkt folgte am Mittwoch im Bundestag.

Angela Marquardt sieht sich momentan rechter Hetze und persönlicher Diffamierungen ausgesetzt. Ausgangspunkt dafür war ein Artikel für den „vorwärts“. In diesem hatte Marquardt geschrieben: „Ich habe in den vielen Jahren meiner Auseinandersetzung mit Neonazis und der dazu oft schweigenden Mehrheit viel Gewalt erfahren müssen, ohne dass es je für mich im Umkehrschluss in Frage gekommen wäre, Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu akzeptieren. Bevor ich also weiter ausführe und damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich lehne jede Form von Gewalt ab.“ Mit Gewalt und Hass könnten Menschen weder überzeugt noch für eine solidarische Gesellschaft gewonnen werden.

Dennoch sieht sich Marquardt seit der Veröffentlichung des Artikels in der vergangenen Woche mit einer Vielzahl persönlicher Anfeindungen konfrontiert. Mehrere rechte Internetportale nutzten frühere Zitate Marquardts, um sie damit zu diskreditieren. Angela Marquardt selbst sagte am Donnerstag im Gespräch mit dem „vorwärts“: „Ich werde mich nicht einschüchtern lassen. Vor allem verwahre ich mich dagegen, mich zu instrumentalisieren, um Andrea Nahles anzugreifen. Wenn die Leute ein Problem mit mir und meiner Geschichte haben, sollen sie sich mit mir persönlich auseinandersetzen.“

Grünen-Abgeordneter verteidigt Marquardts Artikel

Ihren bisherigen Höhepunkt erreichten die Anfeindungen am Mittwoch. Während ihrer Rede in der Generaldebatte des Bundestags richtete sich die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel an die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. Weidel kritisierte, wie es sein könne, dass eine Mitarbeiterin von Andrea Nahles dazu aufrufe, gemeinsam mit der Antifa gegen die AfD zu demonstrieren. Diesen Appell kritisierte Weidel mit den Worten: „Das ist wirklich eine Schande für die Demokratie.“

Der Grünen-Abgeordnete Sven-Christian Kindler verteidigte Marquardts Beitrag in einer Zwischenbemerkung zu Weidels Rede: „Sie haben gerade einen Vorwurf gegenüber Angela Marquardt erhoben, den ich aufs Allerschärfste zurückweisen möchte. Angela Marquardt hat in ihrem Artikel im „vorwärts“ klar gemacht, dass es notwendig ist, gewaltfrei gegen Nazis, Rassismus und Antisemitismus auf die Straße zu gehen.“

Der Grünen-Abgeordnete Sven-Christian Kindler verteidigte Angela Marquardt in einer Zwischenbemerkung.

Gerade in Ostdeutschland gebe es wichtige antifaschistische Bündnisarbeit, die deswegen wichtig sei, weil Menschen von Nazis, Rassisten und gewaltbereiten Rechtsextremen angegriffen würden. „Das sind übrigens Leute, mit denen Sie beispielsweise in Chemnitz auf die Straße gegangen sind“, sagte Kindler an die Adresse der AfD. „Deswegen bitte ich Sie, diesen unglaublichen Angriff auf Angela Marquardt zurückzunehmen. Es ist sehr wichtig, geschlossen und gewaltfrei gegen Rassisten und Nazis auf die Straße zu gehen. Das hat Angela Marquardt sehr klar gemacht.“

weiterführender Artikel

Kommentare

wer austeilt

muss auch einstecken können.

Alles andere vergrandet Weidel in völlig unnötiger Weise

Kein Feind, kein Ehr - viel Feind, viel Ehr!

Nach der Sprechakttheorie sind das Beschreiben von Sachverhalten oder auch das Äußern von Meinungen selbst Handlungen. Und Angela Marquardt tat gut daran über gerechtfertigte ideologische Grenzen hinweg, denkbare Brücken zu beschreiben und damit zu öffnen. Sie verharmloste nicht, sie rief zu keiner Gewalt auf. Sie lud die in vielfältiger Weise sich in der Antifa bewegenden Menschen dazu auf, die Schnittmenge gemeinsamen Handelns auszuloten. Diese sind also aufgefordert, darauf zu reagieren, eben angesichts einer gemeinsamen gesellschaftlichen Gefahr. Sie verurteilt Rechts- wie Linksextremismus, aber sie verurteilt nicht die Menschen. Das eine Gesellschaft bunt, sozial und föderal ist und nicht "frei, sozial und national", wird im Detail die Antifa vielleicht anderes verstanden als von Marquardt. Dennoch sind "nationalbefreite Zonen" der Ungeist heutiger Zeit, wofür es sich ein gewaltfreies aber doch ein gewaltiges gemeinsames Auftreten lohnt. Im Bundestag von Antidemokraten für Deutschland [AfD] zitiert zu werden, ist Marquardts Ritterschlag. Die AfD konnte an einem so dichten Treffer nicht wortlos ihre Schmerzen verbergen.

Hier kann ich nur auffordern: Weiter so, vorwärts so!