Rechtsextremismus

Anders Breivik: Schon die ersten Seiten dieses Buchs sind belastend

Paul Starzmann26. April 2018
Åsne Seierstad
Åsne Seierstad hat den „Leipziger Buchpreis 2018“ erhalten.
Die Geschichte eines Massenmörders: Die Autorin Åsne Seierstad ­versucht in ihrem dokumentarischen Roman „Einer von uns“, den Attentäter Anders Breivik zu verstehen.

Keines ihrer Bücher sei so schwer zu schreiben gewesen wie dieses, sagt die norwegische Schrift­stellerin Åsne Seierstad über den dokumentarischen Roman „Einer von uns“. Ihr Buch handelt von dem Rechtsextremisten Anders Breivik, der im Juli 2011 in Norwegen 77 Menschen ermordete.

Kugel in den Kopf

Die Autorin Seierstad hat in ihrem Leben schon viel Gewalt gesehen, etwa als Korrespondentin in den Kriegsgebieten Afghanistan und Irak. Doch was sie in „Einer von uns“ beschreibt, ist in der Tat schwer zu ertragen. Akribisch zeichnet sie Breiviks unvorstellbare Gewalttat nach – schon die ersten Seiten sind eine Belastung. Seierstad nimmt die Leser mit auf die Insel Utøya, wo die Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten ein Sommercamp veranstaltet. Dort tötet Breivik innerhalb von 90 Minuten 69 Menschen. „Ihr werdet alle sterben, ihr Marxisten“, brüllt er. Dann jagt er einem Jugendlichen nach dem anderen kaltblütig eine Kugel in den Kopf.

Einer von uns

In ihrem Buch versucht Seierstad, die Tat zu verstehen. Sie rekonstruiert dazu Breiviks Leben – von seiner Kindheit bei der alleinerziehenden, psychisch labilen Mutter bis zu seinem zurückgezogenen, verwahrlosten Leben als Erwachsener.

Gefahren von Rechts

Für das Buch hat Seierstad unzählige Dokumente ausgewertet und Interviews geführt. Sie beschreibt, wie sich Breivik zum Fanatiker entwickelt, der den Islam sowie Migranten und Sozialdemokraten hasst.

Das Motiv hinter seiner Tat hat er in einem Manifest gegen den „Kulturmarxismus“ festgehalten. Darin finden sich Thesen, wie sie auch in Deutschland von radikalen Rechten vertreten werden. Deshalb ist Seierstads hervorragend geschriebenes Buch ein wichtiger Beitrag zur Debatte über die Gefahren von Rechts. Nicht umsonst hat die Norwegerin, eine Meisterin im Geschichtenerzählen, für „Einer von uns“ im März den mit 20.000 Euro dotierten „Leipziger Buchpreis 2018“ erhalten.

Åsne Seierstad: Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders, Verlag Kein & Aber, 544 Seiten, 26 Euro, ISBN 978-3-0369-5740-1