Politisches Buch

„Alte Säcke Politik“: Wolfgang Gründinger erhält Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung

Paul Starzmann10. Mai 2017
Wolfgang Gründinger
Wolfgang Gründinger hat den Preis „Das politische Buch 2017“ der Friedrich-Ebert-Stiftung erhalten.
Die „Alten Säcke“ ruinieren unser Land, sagt der Autor Wolfgang Gründinger in seinem neuen Buch. Die Jugend werde vergessen. Dafür hat er jetzt den Buchpreis der Friedrich-Ebert-Stiftung erhalten.

Sie sitzen in Aufsichtsräten und Parteizentralen, auf Lehrstühlen, in Amtsstuben und Verbänden – die „Alten Säcke“. In diesen einflussreichen Positionen bestimmen die „Babyboomer“ – also die Jahrgänge von 1955 bis 1970 – die Geschicke der Bundesrepublik. Die Interessen der Jungen haben sie dabei nur selten im Blick, bei den wichtigen Zukunftsfragen fehlen ihnen meist die Antworten. Zu dieser These gelangt der Sozialwissenschaftler und Publizist Wolfgang Gründinger in seinem Buch „Alte Säcke Politik“. Am Mittwoch ist er dafür von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Berlin mit dem Preis „Das politische Buch 2017“ ausgezeichnet worden.

Wolfgang Gründinger: ein „echter hedonistischer Linker“

Der Jury sei die Entscheidung nicht schwer gefallen, sagte der Vorsitzende des neunköpfigen Gremiums, der Historiker Klaus Hohlfeld. Wie der Titel sei das gesamte Buch provokant formuliert und rege die Leser zum Nachdenken und Handeln an. Gründingers Tonfall beschrieb er als den eines „echten hedonistischen Linken“. „Das Buch ist ein geistvoller, streitbarer und brillant geschriebener Beitrag zur notwendigen Debatte um einen zukunftsfähigen, generationenübergreifenden Gesellschaftsentwurf“, heißt es in der Begründung der Jury.

Wolfgang Gründinger rechnet in seinem Buch gnadenlos mit den sogenannten älteren Semestern ab. „Die ebenso reiche wie zahlreiche Babyboomer-Generation hält die Geschicke des Landes in ihren Händen und tut dabei vor allem eins: protestieren gegen Veränderungen, damit alles so bleibt, wie es ist“, heißt es im ersten Kapitel. „Die Jungen werden dabei gern übersehen“.

„Alte Säcke“: Angela Merkel und Alice Schwarzer

Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel stehe für diese „Alte Säcke Politik“, sagte Gründinger vor der Preisverleihung. Keine einzige wichtige Reform habe sie in den vergangenen Jahren angestoßen – stattdessen habe sie mit ihrem Regierungsstil die „Entpolitisierung der Gesellschaft“ vorangetrieben. Eine Folge davon sei der aktuelle Rechtsruck, der sich in den jüngsten Landtagswahlen in Deutschland zeigt. „Diese Politik kritisiere ich in diesem Buch“, so Gründinger.

Auffallend sei, dass es sich vor allem die alten Männer bequem gemacht haben in ihrer einflussreichen gesellschaftlichen Stellung. „Es sind meistens die Männer, die ich als Negativbeispiele zitiere“, sagte Gründinger. Neben Angela Merkel hat er allerdings noch eine zweite Frau als weibliches Negativbeispiel ausgemacht: die Aktivistin und Publizistin Alice Schwarzer, „die jetzt auch so ein ‚alter Sack‘ geworden ist“. Schwarzers Ansichten seien „über-konservativ“ und inzwischen ganz schön in die Jahre gekommen, kritisierte Gründinger, der als „Lobbyist für die Belange der jungen Generation“ auf vorwärts.de den Blog „Opakratie“ betreibt.

Jury: Die Politik kann von Gründinger lernen

Gründinger will zum Nutzen der jungen Menschen „die Dinge einmal anders machen“. In seinem Buch bietet er dafür eine Reihe an Reformvorschlägen – darunter moderate Ideen wie die Wiedereinführung der Erbschaftssteuer, aber auch radikalere Konzepte wie das Wahlrecht für Kinder ab der Geburt. Anstatt ständig über Altersarmut zu reden, müsse mehr über Kinderarmut gesprochen werden, forderte er. Außerdem wünscht er sich „das gesamte Bildungssystem auf den Prüfstand“. Der Jury gefallen diese Ansätze. Das Buch behandle „ganz wichtige, ernste Themen, die in einer lockeren, fast jungenhaften Sprache zusammengefasst werden“, lobte Klaus Hohlfeld. Die politischen Parteien könnten daraus vieles lernen: Wie Gründinger sollten Politiker stets über den Zeitraum einer Legislaturperiode hinausschauen und „die langfristigen Perspektiven im Auge haben“.

Bei aller Kritik an den „Alten Säcke“ will Gründinger mit seinem Buch aber keineswegs falsch verstanden werden. Dieses sei „gar keine Kriegserklärungen an die Älteren, ohne die wir es auch gar nicht schaffen würden, das Land zu reformieren“, betonte er. Viel lieber wünscht er sich die Alten als „unsere wichtigsten Bündnispartner“ – eine „Opa-APO“, die zusammen mit den Jungen für eine bessere Zukunft kämpft.

Wolfgang Gründinger: Alte Säcke Politik. Wie wir unsere Zukunft verspielen, Gütersloher Verlagshaus, ISBN: 978-3579086262, 19,99 zu bestellen u.a. in der vorwärts-Buchhandlung

 

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