Mehrere Fälle in Deutschland

Affenpocken: Wie Gesundheitsminister Lauterbach sie bekämpfen will

Jonas Jordan24. Mai 2022
Gesundheitsminister Karl Lauterbach will mit harten und schnellen Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Affenpocken vorgehen.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach will mit harten und schnellen Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Affenpocken vorgehen.
Mindestens fünf Fälle von Affenpocken sind bereits in Deutschland aufgetreten. Gesundheitsminister Karl Lauterbach will die Krankheit durch gezielte Maßnahmen eindämmen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Erst einmal gibt der Gesundheitsminister Entwarnung: „Was wir mit den Affenpocken gerade erleben, ist nicht der Beginn einer neuen Pandemie“, sagt Karl Lauterbach, als er am Dienstagmittag gemeinsam mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, und dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, Auskunft über die zuletzt gehäuften Krankheitsfälle gibt. Es habe schon häufiger Ausbrüche gegeben, sagt Lauterbach. Diese seien gut in den Griff zu bekommen. Denn sie beträfen einen bekannten Erreger, „bei dem wir wissen, wie wir ihn bekämpfen können“. Um das zu schaffen, soll es schnelle Maßnahmen geben.

Was sind Affenpocken?

Affenpocken sind eine seltene Viruserkrankung, die vor allem von Nagetieren auf den Menschen übertragen wird. Bekannt ist das Virus seit 1958, erstmals bei einem Menschen wurde 1970 ein Fall in der Demokratischen Republik Kongo festgestellt. Außerhalb Zentralafrikas gab es erst vor knapp 20 Jahren den ersten Fall, nämlich 2003 in den USA. Aktuell sind laut RKI-Präsident Wieler 177 Fälle in 16 europäischen Ländern bekannt, davon fünf in Deutschland, wo der erste Fall am 22. Mai in München aufgetreten ist.

Welche Maßnahmen sind jetzt geplant?

„Bei der Reaktion gilt das Gesetz: In den frühen Phasen einer Epidemie muss man hart und schnell reagieren“, sagt Karl Lauterbach. Deswegen sollen sich diejenigen, die von einer Affenpockenerkrankung betroffen sind sich für mindestens 21 Tage isolieren. Eine entsprechende Isolationsanordnung will der Minister auf den Weg bringen. Die Voraussetzung für das Ende der Quarantäne soll die Symptomfreiheit sein. Ebenso soll es eine strenge Empfehlung für Kontaktpersonen für ebenfalls 21 Tage geben, „damit wir das frühe Infektionsgeschehen in den Griff bekommen können“, sagt Lauterbach.

Wer sind die Risikogruppen?

Die Hauptrisikogruppe stellen zum jetzigen Zeitpunkt Männer dar, die Sex mit anderen Männern hatten, erläutert Lauterbach. Dies sei keine Stigmatisierung, sondern eine Ansprache der Risikogruppe, führt der Minister aus. Er schränkt jedoch ein, dass der Erreger grundsätzlich alle Menschen betreffen könne: „Der Erreger kann auch Kinder betreffen. Er kann alle Geschlechter betreffen, Kinder, Erwachsene, Jugendliche.“ Laut RKI-Präsident Wieler sei das Ansteckungsrisiko für die Gesamtbevölkerung jedoch gering, lediglich für Menschen mit mehreren Sexualpartner*innen sei es hoch.

Sind Impfungen geplant?

Nach Angaben von Karl Lauterbach bereitet sich das Gesundheitsministerium auf mögliche Ringimpfungen vor. Dies würde bedeuten, dass Betroffene sowie Kontaktpersonen geimpft würden. Dafür seien bereits 40.000 Impfstoffdosen bestellt worden. Der Impfstoff könne eine Ansteckung verhindern oder den Ausbruch der Krankheit bei Betroffenen verzögern beziehungsweise die Symptome mildern. „Es ist noch nicht klar, ob wir den Impfstoff einsetzen müssen“, schränkt Lauterbach ein.

Wer besitzt bereits Immunität?

Das menschliche Pocken-Virus gilt weltweit als ausgerottet. Das Affenpockenvirus gilt zwar als verwandt, ist jedoch eine andere Erkrankung. Trotzdem könnten laut dem Gesundheitsminister diejenigen, die bis in die 70er- oder 80er-Jahre noch gegen das menschliche Pocken-Virus  geimpft wurden, auch gegen das Affenpockenvirus eine gewisse Immunität besitzen.

Wie geht es jetzt weiter?

„Wir befinden uns in frühem Stadium des Ausbruchs. Vieles ist noch unbekannt“, sagt RKI-Präsident Wieler. Trotzdem sei bereits jetzt klar, dass es weitere Erkrankungen in Deutschland geben werde. Das Ziel sei, das Virus möglichst schnell einzudämmen. Was das angeht, ist Karl Lauterbach guter Dinge: „Ich glaube, dass wir noch sehr gute Chancen haben, den Erreger in ganz Europa zu stoppen. Deswegen reagieren wir hart und schnell.“

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Kommentare

jetzt mal bitte nicht in Panik verfallen,

es sei denn, man gehört zur Risikogruppe. Bei der ist Vorsicht geboten, wie seinerzeit beim AIDS Ausbruch. Der zeigt ja an, worauf es abgesehen davon auch ankommt, Vorsicht bei Blutspenden, insbesondere- die Bluter hat es seinerzeit schwer getroffen

Ist Herr Lauterbach jetzt der 1. Arzt im Staat?

Es gibt in Deutschland einige Fachkliniken und Fachinstitute [Tropeninstitut ...] sowie Gesundheitsämter, die sich mit der Erkennung, Bekämpfung und Behandlung von 'exotischen' Krankheiten befassen.

Die dort tätigen Ärzte sind hochqualifiziert, spezialisiert und berufserfahren. Vielleicht lässt man besser diese Personen ihre Arbeit machen, anstelle ihnen ins Handwerk zu pfuschen.

Der Bundesgesundheitsminister und andere aufmerksamkeitsheischenden Personen und Einrichtungen sollten anstelle dessen ihre eigentlichen Aufgaben erfüllen.