US-Wahlen

Wie die AfD Donald Trump nacheifern will

Rainer Roeser11. November 2016

Eine Kooperation mit bnr.de

Der Wahlerfolg des „Klartextredners“ Donald Trump wird von den Oberen der „Alternative für Deutschland“ einhellig begrüßt.

Bei der Berliner AfD konnte man sich vor Begeisterung kaum halten. „Wir sind Präsident!“, tippte der für den Twitter-Account Verantwortliche überschwänglich in die Tasten, als Donald Trump am Mittwochmorgen zur Dankesrede vor die TV-Kameras trat. Ganz so weit wie ihr Berliner Parteifreund will die Spitze der rechtspopulistischen AfD zwar nicht gehen. Aber auch für sie scheint zumindest zu gelten: Von Trump lernen heißt siegen lernen.

Von einem „grandiosen Wahlsieg“ und einer „Zeitenwende“ sprach AfD-Chef Jörg Meuthen. Am Tag zuvor hatte er noch per Interview wissen lassen, dass die US-Republikaner seiner Meinung nach besser einen anderen Kandidaten ins Rennen geschickt hätten. Nun, nach dem Erfolg, beeilte er sich, flugs eine Verbindungslinie zwischen seiner Partei und dem künftigen Präsidenten herzustellen: „Genauso wie die AfD in Deutschland hat Trump es im US-Wahlkampf verstanden, die Sorgen und Nöte der Menschen aufzugreifen und klar und mutig die Missstände im Establishment anzuprangern.“ Trump sei für seinen Mut belohnt worden, „sich gegen das System aufzulehnen und unbequeme Wahrheiten anzusprechen“.

„Sieg über die zerstörerischen Kräfte des Systems“

Die Anti-System-Rhetorik bediente auch Thüringens Fraktionschef Björn Höcke, bei dem es freilich immer eine Spur martialischer klingen muss: „Donald Trumps Wahlerfolg ist ein Sieg der Demokratie über die zerstörerischen Kräfte des Systems.“

In der Tat ähneln nicht wenige der Trumpschen „Wahrheiten“, die im Wahlkampf nicht selten ohne jede Faktenbasis auskommen mussten, den Parolen der rechtspopulistischen AfD. Ein Politiker, der gegen Migranten polemisiert und eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen lassen will, muss geradezu AfDlern sympathisch erscheinen. Meuthens Ko-Vorsitzende Frauke Petry nennt denn auch das Wahlergebnis „eine Botschaft an die Nationalstaatsrealisten, dass die One-World-Phantasten und Grenzenniederreißer sich künftig für die Folgen ihres Tuns zu verantworten haben werden“.

Trumps nationalistische, antiislamische und rassistische Tonlage in der Innenpolitik, seine nicht minder nationalistischen und protektionistischen Parolen in der Wirtschaftspolitik, sein Beharren auf den Segnungen des Nationalstaats mit möglichst wenigen internationalen Bindungen? Uwe Junge, Fraktionschef in Rheinland-Pfalz, spricht von einem „deutlichen Zeichen für die bewusste Abkehr von Globalismus und Multikulturalismus“, Höcke von einem „großen Zeichen gegen eine One-World-Ideologie“.

„Die Political Correctness ist am Ende“

Dass die Vereinigten Staaten unter einer Spaltung leiden, räumt auch Petry ein. Schuld sind aber im Sinne einer Täter-Opfer-Umkehr immer die anderen. Petry: „Nicht Trump hat diese Spaltung vorangetrieben, sondern die Eliten in Washington und in der Wall Street und die Lautsprecher des Zeitgeistes in Hollywood, in den Medien und an den Universitäten taten es.“ Womit die AfD-Chefin auch schon bei ihrer Standardklage über eine „politische Korrektheit“ angelangt ist, die „den verordneten Konsens zur neuen Doktrin zu erheben scheint“. Die Wahl Trumps lässt sie jubeln: „Der Zeitgeist dreht sich. Das Pendel schwingt zurück.“

Der Erfolg des „Klartextredners“, zu dem sie Trump adelt, habe gezeigt: „Die Political Correctness ist am Ende.“ Und die AfD gehöre zu denen, „die dafür sorgen, dass das Pendel auch hierzulande zurückschwingt“. Mit einer politischen Agenda, die beide Seiten teilen – auch wenn man bei der AfD das allzu Krawallige hierzulande lieber anderen überlässt.

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