Mitglied des Bundestags mit 34 Jahren

Mit 34 neu im Bundestag: Dietmar Nietan 1998, Sonja Eichwede 2021

Benedikt Dittrich22. Oktober 2021
Neu im Bundestag: Sonja Eichwede.
Neu im Bundestag: Sonja Eichwede.
Wir haben mit zwei Abgeordneten gesprochen, die 2021 der SPD-Fraktion angehören. Eine zieht als 34-Jährige ganz neu ein, der andere gehörte 1998 zu den „jungen Wilden“: Sonja Eichwede aus Brandenburg und Dietmar Nietan aus Nordrhein-Westfalen.

„Mein erster Bundestagstag war noch in Bonn, der Umzug fand erst im Sommer 1999 statt“, kann Nietan erzählen, „das war für mich als Rheinländer sehr angenehm, ich brauchte nach Bonn nämlich nur 60 Kilometer, nach Berlin sind es jetzt 600.“ Und so viele graue Haare hatte er damals auch noch nicht, erinnert sich Nietan, der 1998 erstmals in den Bundestag einzog, in dem die SPD unter Gerhard Schröder damals die erste Rot-Grüne Regierungskoalition formte.

Damals war es noch Bonn

2021 sitzt Nietan wieder im Bundestag, inzwischen 57 Jahre alt, während Sonja Eichwede dann als 34-Jährige erstmals dem Parlament angehören wird. So wie Nietan als Rheinländer es nach Bonn nicht weit hatte, so hat Eichwede es von ihrem Wohnort in West-Brandenburg auch nicht weit bis zum Reichstagsgebäude in Berlin.

Doch die beiden verbindet noch mehr: Sowohl im Rheinland als auch in Brandenburg ist der Strukturwandel im Gange. Für Nietan ist die Gestaltung des Wandels seit über zehn Jahre zentraler Teil seines politischen Engagements, Eichwede, in Bremen geboren und aufgewachsen, meint: Westdeutsche können von Ostdeutschen einiges lernen was den Umgang mit dem Wandel angeht. Die Richterin möchte Strukturbrüche und gebrochene Biografien vermeiden, wie es sie nach der Wende gab, denselben Anspruch hat Nietan im Rheinland auch.

Aber es gibt auch die Unterschiede – das wird bei Erzählungen von den ersten Tagen nach der Wahl deutlich: Eichwede kennt als ehemalige Mitarbeiterin der SPD-Abgeordneten Dagmar Ziegler die Bundestagsgebäude noch, aber: „Das Gefühl, mit allen Abgeordneten den Plenarsaal zu betreten, das war überwältigend.“ Eine große Ehre. Dem stimmt Dietmar Nietan zu, allerdings: Während im Jahr 2021 viele der gewählten Abgeordneten schon Kontakt untereinander hatten, sich über digitale Medien bereits näher stehen, lief die Kommunikation 1998 dann doch etwas anders. „Das Internet lernte gerade laufen“, erinnert er, „da gab es noch keine Social Media.“

Wahlkreis steht an erster Stelle

Seine Erinnerung an seinen Start in der Bundespolitik: Auf einmal konnte er mit Menschen sprechen, die er sonst bisher nur aus dem Fernsehen kannte – von Rudolf Scharping über Oskar Lafontaine bis hin zum später gewählten Bundeskanzler Gerhard Schröder. „Damals machte man noch keine Selfies, man musste erst mal jemanden finden, um ein Foto zusammen mit dem Bundeskanzler machen zu können.“

Beide, Eichwede und Nietan, eint ihr grundsätzliches politisches Engagement, obwohl sie in unterschiedlichen Bereichen aktiv waren und sind: Eichwede engagierte sich früh parteipolitisch, Nietan indes in der Kommunal- und Bildungspolitik vor Ort in Düren, am Rande der Eifel. Für beide steht die Verantwortung für ihre Wahlkreise an erster Stelle in ihrer Arbeit vor Ort und im Parlament.

weiterführender Artikel