Jahrbuch von Klaus Stuttmann

2019 in Karikaturen: Wenn der Brexit zum ewigen Begleiter wird

Kai Doering28. Dezember 2019
Für Karikaturist Klaus Stuttmann war das Jahr 2019 vor allem eins: irre.
Für Karikaturist Klaus Stuttmann war das Jahr 2019 vor allem eins: irre.
Was wird in Erinnerung bleiben vom Jahr 2019? Geht es nach den Zeichnungen des Karikaturisten Klaus Stuttmann wohl am ehesten die Wendungen des Brexit. Doch auch sonst hat sein Jahresrückblick einiges zu bieten.

Der Brexit. Immer wieder der Brexit. Ob im Frühling, Sommer, Herbst oder jetzt im Winter: Der (vermutlich) bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU war auch 2019 das Thema, das nahezu durchgehend politische Diskussionen und mediale Berichterstattung bestimmt hat.

Wird der Brexit hart, mittel oder doch verhältnismäßig weich vollzogen? Wird es eine echte Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland geben? Und kommt es tatsächlich zum Austritt ausgerechnet am 31. Oktober, also an Halloween? Das waren einige der Fragen, die die Politik über Monate beschäftigt haben – und zumindest zum Teil wohl auch weiter beschäftigen werden, auch wenn der 31. Januar 2020 als Austrittstermin nach dem Wahlsieg Boris Johnsons inzwischen festzustehen scheint.

Der Brexit als bestimmendes Thema

Da ist es fast erstaunlich, dass Karikaturisten wie Klaus Stuttmann immer wieder einen neuen Dreh finden, die britische Tragödie so mit spitzer Feder aufs (Zeitungs)papier zu bringen, dass den Leserinnen und Lesern nicht der Spaß vergeht – auch wenn es das Lachen schon lange ist. Mehr als 20 der 200 Karikaturen in Stuttmanns Jahresband drehen sich um den Brexit: zunächst noch mit Theresa May als Hauptfigur, ab Juni dann mit Boris Johnson (den Stuttmann von dessen „Zwilling“, US-Präsident Donald Trump, ernennen lässt).

Doch auch sonst ist dem scharfen Blick und der spitzen Feder des Karikaturisten im vergangenen Jahr nichts entgangen. Wie immer beginnt Stuttmanns Rückblick, der 2019 unter dem schlichten wie passenden Titel „irre“ steht, bereits im November 2019 mit einer Gelbwesten-Variante des berühmten Delacroix-Gemäldes „Die Freiheit führt das Volk“ zur Pariser Juli-Revolution 1830.

Wenn Trump seine Mauer mit Lego baut

Während die Gelbwesten auch ein Jahr später noch demonstrieren, sind andere Ereignisse aus Stuttmanns Jahresrückblick – wie die diskriminierenden Karnevalswitze von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer oder der Linkspartei-Vorschlag, die erste Klasse in Regionalzügen abzuschaffen – heute nahezu vergessen. Kontinuität verspricht da US-Präsident Donald Trump, der sich mal seinen Traum einer Mauer mit Legosteinen erfüllt, mal seinem chinesischen Amtskollegen am Verhandlungstisch eine Tasse Kaffee ins Gesicht schleudert.

Manchmal grüßt dabei das Murmeltier wie bei der Gaspipeline „Nordstream 2“, die bei Stuttmann bereits im Februar hoffnungslos verknotet ist und deren Fertigstellung aktuell durch US-Sanktionen verzögert wird, oder der immer wieder aufkommenden Diskussion über ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen.

Auch wenn Klaus Stuttmann, dessen Karikaturen täglich in unzähligen Zeitungen bundesweit erscheinen, meist mit voller Absicht überzeichnet, verletzt er nie. Sein Blick auf Politik und Gesellschaft ist scharf, aber stets den Menschen zugewandt. Stuttmann macht sich über die Mächtigen lustig, nicht über die – mal mehr, mal weniger – Ohnmächtigen. Dass sie nicht an den Verhältnissen verzweifeln müssen, verdanken sie nicht zuletzt dem Ventil, das Stuttmann ihnen mit seinen Zeichnungen bietet.

Klaus Stuttmann: Irre!! – politische  Karikaturen 2019, schaltzeit-Verlag 2019, ISBN 978-3-946972-37-2, 19,90 Euro

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