Unterstützung durch Ehrenamtliche

200.000 Ukraine-Flüchtlinge: Wie ihre Verteilung funktioniert

Jonas Jordan18. März 2022
Sozialdemokrat Christian Hörbelt am Berliner Hauptbahnhof mit einer Verwandten, die aus dem umkämpften Kiew geflohen ist.
Sozialdemokrat Christian Hörbelt am Berliner Hauptbahnhof mit einer Verwandten, die aus dem umkämpften Kiew geflohen ist.
Circa 200.000 Flüchtlinge aus der Ukraine sind inzwischen in Deutschland registriert worden. Ihre Verteilung und Unterbringung funktioniert auch dank der Unterstützung zahlreicher freiwilliger Helfer*innen.

Fast 200.000 Flüchtlinge aus der Ukraine sind inzwischen in Deutschland registriert worden, die meisten von ihnen sind Frauen, Kinder und ältere Menschen. Ihre Verteilung unter den 16 Bundesländern läuft inzwischen über den Königsteiner Schlüssel. Und dennoch kommen in Städten mit guter Bahnanbindung aus Richtung Osten wie zum Beispiel Berlin aktuell besonders viele Menschen an, die dort erst einmal versorgt werden. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) machte sich im Gespräch mit Helfer*innen im Ankunftszentrum Berlin-Reinickendorf am Freitag ein Bild vor Ort.

Bundesweit sind zurzeit mehr als 3.500 Hilfskräfte allein des Technischen Hilfs-Werkes (THW) im Einsatz, die für Hilfsgüter vor Ort sorgen, um die schnelle Versorgung der Menschen zu ermöglichen. Das Engagement der vielen Helfer*innen thematisierte am Donnerstag auch die Staatsministerin für Integration, Migration und Flüchtlinge, Reem Alabali-Radovan (SPD), während einer aktuellen Stunde im Bundestag: „Was in diesen Tagen geleistet wird, ist herausragend. Ich danke den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Deutschland steht zusammen. Die Menschen legen einfach los.“

Einer auf den das zutrifft, ist Christian Hörbelt. Der Sozialdemokrat aus dem Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat selbst zwei Jahre lang in der Ukraine gelebt und für die Friedrich-Ebert-Stiftung gearbeitet. Seine Frau ist Ukrainerin. Nach dem russischen Überfall auf das Nachbarland habe er ein „Ohnmachtsgefühl“ empfunden und den Wunsch verspürt, Helfen zu wollen. „Ich bin dann einfach zum Hauptbahnhof gefahren, habe mir eine Weste angezogen und nach einer Einweisung mitangepackt.“

Lob für Franziska Giffey

Hörbelt spricht fließend polnisch und russisch. Dadurch kann er als Ansprechpartner fungieren. Er hebt Kinder aus einem Sonderzug, beantwortet an einem Info-Point Fragen zu SIM-Karten, Bahntickets oder Übernachtungsmöglichkeiten. Derweil brechen Menschen am Bahnsteig vor Erschöpfung zusammen. Hörbelt erlebt die Situation als erdrückend. „Es war ein Mix aus Adrenalin, Stress und Überforderung“, berichtet er. Zugleich zeigt er sich stolz in Bezug auf die funktionierenden ehrenamtlichen Strukturen in der Bundeshauptstadt: „Berlin hat eine sehr wehrhafte Zivilgesellschaft.“ Auch die Regierende Bürgermeisterin lobt er: „Franziska Giffey hat einen super Job gemacht und Flagge gezeigt.“

Am Donnerstagabend war er wieder am Hauptbahnhof, diesmal aus privaten Gründen. Verwandte seiner Frau sind aus dem umkämpften Kiew geflohen und kamen in Berlin an. Sie werden erst einmal privat bei Hörbelt und seiner Frau unterkommen. Für Menschen mit ukrainischem Pass ist es möglich, bis zu 90 Tage ohne Visum nach Deutschland einzureisen. Erst danach müssten sie für einen längeren Aufenthalt einen Asylantrag stellen, weswegen davon auszugehen ist, dass sich bereits mehr als die eingangs erwähnten 200.000 Menschen aus der Ukraine in Deutschland befinden.

Alabali-Radovan: „Länder und Kommunen können sich auf den Bund verlassen“

Das erwähnte auch Alabali-Radovan am Donnerstag im Bundestag. Der Bund koordiniere inzwischen die Ankünfte von Zügen und Bussen. Dadurch sollen auch Städte wie Berlin entlastet werden. „Länder und Kommunen können sich auf den Bund verlassen. Denn weder Berlin noch Brandenburg oder Bayern können das alleine schaffen“, sagte sie und versprach: „Wir geben allen Menschen Sicherheit, die Schutz brauchen, weil sie Menschen sind.“

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