Analyse

20 Jahre nach 9/11: Die angeschlagenen Staaten von Amerika

Knut Dethlefsen11. September 2021
20 Jahre und viele Tausend Tote nach dem 11. September: Die (vielleicht naive) Hoffnung, autoritäre und konfliktgeprägte Länder demokratisieren zu können, ist gescheitert.
20 Jahre und viele Tausend Tote nach dem 11. September: Die (vielleicht naive) Hoffnung, autoritäre und konfliktgeprägte Länder demokratisieren zu können, ist gescheitert.
Die Angriffe auf das World Trade Center wie auf das Pentagon am 11. September 2001 schockierten die Welt. Die USA wurden hart getroffen, denn sie hielten sich für unangreifbar. 20 Jahre später steckt das Land in einer Sinnkrise.

Zwei Jahrzehnte nach den Anschlägen am 11. September 2001 endet der Kriegseinsatz in Afghanistan in einer Niederlage. Genau diese sollte eigentlich verhindert werden, deswegen hatten die US-Truppen dort so lange ausgeharrt. Das Land sollte eben nicht wieder in die Hände der Taliban fallen.

Vier Präsidenten hatten die USA seit dem Schicksalstag 2001 und der Feldzug gegen Al Quaida und die Taliban, wurde vor 20 Jahren noch von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen. Was am Abend des 11. September noch ging, nämlich das gemeinsame – Republikaner und Demokraten – Singen der Nationalhymne auf den Stufen des Kongresses, wäre heute undenkbar. Sie waren geeint in dem Glauben, die Nation verteidigen zu müssen, es war ihre patriotische Pflicht und die Amerikaner*innen stimmten überwältigend zu.

Die USA überschätzten sich selbst

Doch der Regierung von George W. Bush fehlte es an Augenmaß, sie begann nach innen wie nach außen den überspannten Krieg gegen den Terrorismus. Das Unwort von der „Achse des Bösen“ wurde geschaffen. Es war der Versuch, die Welt in Gut und Böse einzuteilen und wurde der komplexen Gemengelage der internationalen Politik so gar nicht gerecht. Schlimmer noch: Die USA überschätzten sich selbst in Wirkung und Stärke. Der Versuch, Demokratie mit dem Schwert einzuführen, musste scheitern und brachte vielmehr Krieg, Folter und Menschenrechtsverletzungen im Dienste des vermeintlich Guten. Diese Politik destablisiert den Mittleren Osten bis heute.

Der Angriff auf den Irak war in der Bevölkerung der USA nicht populär und war letztendlich auf Lügen gebaut. Das vergiftete die Politik insgesamt. Sowohl Bush als auch Trump haben Vertrauen verspielt und gleichzeitig die Spaltung des Landes gefördert. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Regierung lag im September 2001 bei mehr als 50 Prozent. Seither ist es stetig weniger geworden und liegt heute laut Pew research center (Pew) bei 24 Prozent.

Der weltweite Ruf der USA ist angeschlagen

Für die USA ist die Ära des 11. Septembers zu Ende, denn in den vergangenen 20 Jahren ist eine Generation herangewachsen, die nur noch eine kollektive Erinnerung an die Anschläge hat, und nun wird auch Afghanistan aus dem täglichen Blick fallen. Die Vereinigten Staaten verloren wärend zwei Jahrzehnten Tausende von Soldaten und Billionen von Dollar –  ob im Irak, in Syrien oder Afghanistan. Die Versuche des Aufbaus von Nationen (nation building) scheiterten, und der weltweite Ruf der USA ist angeschlagen.

Die (vielleicht naive) Hoffnung, autoritäre und konfliktgeprägte Länder demokratisieren zu können, ist gescheitert. Alle Präsidenten seit George W. Bush haben versucht, diese Kriege zu beenden, sich aus dem Mittleren Osten zurückzuziehen und sich auf den Aufstieg Chinas zu konzentrieren. Mit dem Rückzug aus Afghanistan ist Joe Biden der erste, dem dies gelungen ist – aber nur mit enormen Kosten. Damit löste er ein Wahlversprechen ein. Die Bevölkerung und die US Politik selbst sind in ihrer Mehrheit der Kriege, die sie selbst begonnen haben, überdrüssig.

Was kann an die Stelle militärischer Macht treten?

Was daraus folgt ist weniger klar: Eine aktuelle Pew-Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Amerikaner*innen glaubt, dass sich durch 9/11 vieles zum Schlechteren verändert habe. Sie fühlen sich auch nicht unbedingt sicherer. Krieg als Instrument der Veränderung und als Mittel der Politik, wenn alles andere versagt, hat in den USA deutlich an Unterstützung verloren.

Jede zukünftige militärische Intervention wird nicht mehr leicht auf den Weg zu bringen sein. Doch die freie westliche Welt muss sich überlegen, was an die Stelle militärischer Macht treten kann, um einen Diktator am Einsatz von Chemiewaffen zu hindern oder um Minderheiten vor Völkermorden zu schützen.

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Kommentare

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Nicht vergessen

Nicht nur die USA haben in Afghanistan den Krieg veröoeren, denn mit ihnen waren ja die NATO-Verbündeten und ganz vorne weg auch die BRD. Noch im März wurde das Bundeswehrmandat verlängert - erinnert Euch ! Über 20 Jahre war nur 1 Partei gegen diese Kriegseinsätze, und das war nicht die SPD. Aber die werden jetzt gebasht, nscheinend weil sie es damals schon besser wussten. Die Interventionen der USA, der NATO, mit un ohne BRD Beteiligung, haben überall keinen Frieden gebracht, sondern nur das Anwachsen von Terrorgruppen - ist noch jemaqnd lernfähig ? Damals als es gegen die Sowjetunion ging, da waren die Islamisten die besten Verbündeten der USA/NATO/Wertewestens. Die Menschen- und Frauenrechtler von SaudiArabien kämpfen einen Stellvertreterkrieg gegen den Iran im Jemen (kein Wertewaestler sieht da die Dimension des Völkermords).
Dieser Artikel geht mir zu sehr auf Distanz zu denen die den ganzen kriegerischen Antiterrorfeldzug angeführt haben - jetzt wo man verloren hat. Größere Distanz zu denen wäre aber im Vorfeld angebrachter - das schaffte auch ein Helmut Schmitt.