Zum 103. bleibt reichlich zu tun

Sarah Schönewolf11. März 2013

Haben die internationalen Proteste gegen sexuelle Gewalt und Alltagssexismen die Lebenswirklichkeit von Frauen verbessert? Dieser Frage widmete sich die Friedrich-Ebert-Stiftung anlässlich des 102. Frauentags mit der Veranstaltung #Aufschrei.

„102. Frauentag – same procedure as every year?“, Die  Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen Elke Ferner verneinte dies am Donnerstagabend entschieden. „Der diesjährige Frauentag findet unter anderen Vorzeichen statt“, sagte sie.

Die aktuelle Sexismusdebatte lässt die SPD-Politikerin auf nachhaltige Verbesserung der gesellschaftlichen Strukturen hoffen. Politisch seien zur Gleichstellung die gleiche Entlohnung für gleichwertige Arbeit und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf notwendig, forderte die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion. Dies seien Mittel zur Modernisierung der Gesellschaft, die die SPD auch im Wahlprogramm verabschieden werde.

Weltweit Proteste

Ferner bedankte sich  bei den Initiatorinnen des #Aufschrei‘, eines Twitter-Hashtags über den Mitte Januar hunderte von Frauen von ihren Erfahrungen mit sexueller Belästigungen und Sexismus berichtet hatten. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit protestieren aktuell Menschen lautstark gegen Frauenfeindlichkeit und sexualisierte Gewalt. International hatte die brutale Massenvergewaltigung einer Studentin in New Delhi im Dezember letzten Jahres für Empörung gesorgt.

Dass diese mediale Aufmerksamkeit auch koloniale Mechanismen bedient, machte die indische Verlegerin und Autorin Urvashi Butalia deutlich. In Ihrem Vortrag strich sie die Stärke der indischen Frauenbewegung hervor, die international nicht wahrgenommen werde. Stattdessen belehrten Harvard-Studentinnen die indische Regierung über Gesetzesverbesserung. „ Wir haben uns für die Beratung bedankt und vorgeschlagen, dass wir das nächste Mal Obama beraten“, sagte Butalia.
 
Auf der Podiumsdiskussion plädierte Butalia ebenso wie die englische Feministin Laurie Penny und die Bloggerin Merle Stöver für eine weltweite Verknüpfung der Frauenbewegung. Penny, Autorin des Buches „Fleischmarkt“, trat für ein stärkeres Aufbegehren der Frauen ein, die die Ursachen ihrer Benachteiligung vielfach bei sich selbst suchten. Statt sich selbst infrage zu stellen, sollten Frauen sich eine neue Realität schaffen, forderte Penny. „Der Kapitalismus ist Motor des Sexismus wird durch die Ausbeutung von Frauen am Laufen gehalten“, betonte sie. Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler bleibt für die reale Gleichstellung viel zu tun, so das Fazit der Veranstaltung.

Interview mit Urvashi Butalie über Frauenrechte in Indien

Interview mit Laurie Penny

weiterführender Artikel