Joachim Jakobs: Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohung

Die digitale Gesellschaft demokratisch steuern

Gerold Reichenbach18. Januar 2016
Ob bei Facebook, in Behörden oder im Gesundheitswesen: Überall werden Daten erhoben und in Beziehung zueinander gebracht. Das bietet Chancen, beinhaltet aber auch Risiken. Der Journalist und Datenschutzaktivist Joachim Jakobs hat ein erhellendes Buch darüber geschrieben.
Cover Jakobs

In seinem breit recherchierten und mit einer schier endlosen Fülle von Beispielen angereicherten Buch „Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohung“ beschreibt Joachim Jakobs, wie die Digitalisierung und Vernetzung immer tiefer und immer breiter in all unsere Lebensbereiche vordringt. Zwar verliert er auch die Chancen nicht aus dem Auge, die die umfassende Digitalisierung und Vernetzung für mehr Komfort, für optimierte Dienstleistungen oder auch für die Verbesserung von Medizin, Wissenschaft und Forschung bieten, er fokussiert jedoch stärker auf die Rückseite dieser Medaille.

Die Freiheit des Individuums ist in Gefahr

Da wir immer mehr Daten über uns preisgeben, wir immer abhängiger von Dienstleistungen werden, die auf vernetzter Kommunikation und Internet aufsetzen, laufen wir zunehmend Gefahr, die Kontrolle über unser Leben und unsere Entscheidungsfreiheit an große Wirtschaftsgiganten abzugeben. Und wir geben damit auch dem Staat immer mehr Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten in die Hand. Gleichzeitig steigt die Verwundbarkeit einer so vernetzten Gesellschaft gegenüber Cyberangriffen und auch die Freiheit des Individuums gerät zunehmend in Gefahr.

Sein Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, die Entwicklung der digitalen Gesellschaft gemeinschaftlich und demokratisch zu steuern und diese Steuerung nicht bloßen Wirtschaftsinteressen oder den Überwachungsinteressen von
Sicherheitsdiensten alleine zu überlassen.

Joachim Jakobs „Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohungen. Wie uns die künstliche Intelligenz herausfordert“, cividale-Verlag 2015, ISBN: 978-3-945219-16-4, 21,90 Euro

Wer schützt unsere Daten?

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