
Umfragen spiegeln eigentlich nur die Meinung Derer wieder, die gefragt wurden und je mehr Bürger gefragt werden, umso genauer sind sie. Es ist natürlich auch abhängig davon, in welchem Umfeld ich die Fragen stelle, um einen repräsentativen Querschnitt zu erhalten. Ob ich nun im Altersheim meine Fragen stelle oder bei einem Parteitag der NPD, ich denke, zwischen dem Ergebnis der gleichen Fragen dürften Welten klaffen. Und sicherlich ist es auch davon abhängig, welches Medium die Befragung durchführt. Auch zwischen Bild oder Frankfurter Allgemeine dürfte eine Ungleichheit bestehen. Doch bezogen auf das Bild-Zeitungs-Ergebnis stellt sich die Frage: Hatten Westerwelle und Sarrazin mit ihren als Pöbeleien gewerteten Kommentaren zu Hartz IV doch nicht so ganz Unrecht? Wurden die Kommentare nur deshalb von der Gesellschaft abgelehnt, weil man sie als Selbstdarstellung einschätzte und der Bürger grundsätzlich auf Abwehr ging? Oder waren Westerwelle und Sarrazin einfach nur zu dumm ihre Gedankenansätze anschaulich der Bevölkerung zu vermitteln indem sie sich in den Ton vergriffen und eine Gruppe pauschal abwerteten? Oder könnte auch sein, dass die Abwehrhaltung einiger Zehn- oder Hunderttausende schon ausreichte, um die Gesamtgesellschaftliche Meinung der Bevölkerung anzunehmen? Ich denke, dass hier ein Ergebnis von Bild präsentiert wurde, das wiederum eine Gruppe pauschalisiert und abwertet. Jeder Hartz IV-Empfänger, der sich in den 84% wiederfindet dürfte erzürnt sein, denn: In diesen 84% sind nicht die vielen Menschen erwähnt, die nichts lieber täten, als rechtschaffen zu arbeiten. Nur, man lässt sie nicht! Doch was sollte die allgemeine Arbeitspflicht beinhalten? Soll der arbeitslose Facharbeiter etwa den Dreck Anderer aufsammeln...? Entwürdigender geht es doch gar nicht!! In unserem Ort traf sich vor längerer Zeit allmorgendlich eine Gruppe mit gelben Öljacken ausgerüsteten Personen, die den Unrat von Straßen und Beeten entfernten. Wann immer über diese Menschen in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis gesprochen wurde, bestand die einheitlich abwertende Meinung, dass jene „Stütze-Empfänger“ auch etwas für ihr Geld tun sollten. Es war das offensichtliche Lustempfinden der Gesellschaft, die ihre Freude daran hatte, jene gelben „Ölmännchen“ arbeiten zu sehen.
Und irgendwann ist fast jeder von uns mal dran. Früher oder später wird immer eine Zeit kommen, in der es einen schlechter geht. Zwar muss es nicht gleich so gravieren sein, dass man Arbeit, Haus und Hof verliert, doch zumindest könnte sich die Position ändern, in der man sich gerade befindet und von der aus man momentan wertet! Gibt es überhaupt Arbeitsprogramme, die der Würde und der Qualifikation angemessen sind? Natürlich muss man in einer Situation Abstriche machen, wenn man auf das Geld Anderer angewiesen ist, um seine Familie überleben zu lassen. Doch darf es nicht mit Maßnahmen verbunden sein, die den Betroffenen das Gefühl geben, sich gesellschaftlich als Aussatz zu fühlen! Ich denke, bevor man überhaupt damit anfängt darüber nachzudenken, Hartz IV-Empfänger arbeiten zu lassen, sollte man erstmal Plätze schaffen, in der sie mit Würde und Perspektiven einer angemessenen Tätigkeit nachgehen können. Hier sollten die hohen Damen und Herren ansetzen, auch wenn es für manchen Politiker noch so verlockend ist, eine Mehrheit und damit eigene Vorteile für sich selbst zu verbuchen. Eine mit Öljacken ausgerüstete Gruppe, die Dreck aufsammelt wäre eher für Betrüger und Gierbanker angebracht. Ich glaube, das wäre auch etwas für mein eigenes Lustempfinden...