Berliner Oktoberfest Oktoberfest-Bier verursacht Streit zwischen Berlin und München

von Martina Plötz - 07.09.2009
Beim Bier hört der Spaß auf, vor allem beim Münchner. In kaum einer anderen Stadt erregen sich die Gemüter so regelmäßig, wie beim Thema rund um die Hopfenkaltschale. Anlass ist das Oktoberfest, das von Ende September bis Anfang Oktober die bayerische Landeshauptstadt zur unangefochtenen Biermetropole werden lässt. Doch jetzt erregt das Thema auch die Gemüter in Berlin und zwischen Berlin und München.

 Seit vielen Jahren veranstaltet die Bayerische Landesvertretung in Berlin ihr damit traditionelles Berliner Oktoberfest. Auch wenn das in Berlin feilgebotene Bier von Münchnern als „Lätschnbräu“ bezeichneten wird, weil es von Löwenbräu gebraut wird und diese noch den Ruf eines wenig geschmackvollen Bieres haben, erfreuen sich in Berlin Prominente und weniger wichtige Menschen des bayerischen Bierfestablegers.

Skandal I: Oktoberfest-Bier vor dem Start in Berlin

 Dieses Jahr ist der Festwirt vor dem Roten Rathaus kein geringerer als Sepp Krätz, der während der Wiesn, also dem Oktoberfest in München, das Schickimicki Zelt Hippodrom betreibt. Festwirte gelten beim Bayern als die „Großkopferten“, also jene, die, so meint der Volksmund, wie Politiker das Geld nicht immer auf redliche Art und Weise verdienen. Dieser Sepp Krätz ist jetzt also in Berlin angekommen und verkauft dort, unerhörter Weise, Oktoberfest-Bier, obwohl das Fest in München doch erst am 19. September beginnt. Ein Skandal, findet die Münchner Boulevard Presse. Denn das Bier, das auf der Theresienwiese an die Massen ausgegeben wird, ist ein speziell gebrautes Bier, das nur auf dem Oktoberfest zum Einsatz kommt.

 

Skandal II: Mass-Bier ist in Berlin billiger

 Was den Münchner aber wirklich zum Kochen bringt, ist der Bierpreis. Schon Monarchien waren in Bayern bedroht, weil die Bayern mehr für den Gerstensaft zahlen sollten. Bier hat seit jeher in Bayern den Ruf des Grundnahrungsmittels und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es den bierseeligen Münchnern sauer aufstößt, wenn sein Brot, seine Mass in Berlin einen Euro billiger ist. Und das beim gleichen Bier und beim gleichen Wirt.

 

Bayerische Staatsregierung muss sich rechtfertigen

 Da muss sich dann auch die bayerische Staatskanzlei rechtfertigen. Sie weiß ob des sensiblen Themas Bierpreis. Für die Preisgestaltung sei die Brauerei zuständig, weist der Sprecher des Ministerpräsidenten jede Schuld von sich. Doch auch die Brauerei möchte den schwarzen Peter nicht und erklärt: „Die Preisgestaltung liegt generell beim Festwirt. Der entscheidet nach Angebot und Nachfrage. Und auf der Wiesn ist die Nachfrage halt viel größer als in Berlin.“

 

Verein gegen betrügerisches Einschenken

 Das sieht wiederum eine ganz besonders bayerische Institution als Beleg für die oft gegeißelte „Abzocke“ auf dem Münchner Oktoberfest. Der Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V., gilt als Schrecken der Festwirte und kämpft seit 1899 für einen fairen Bierpreis in Bayern. Die Wiesn sei „wirteoptimiert“, habe aber nichts mehr mit einem Volksfest zu tun, tönen die Kämpfer für die volle Mass und bringen ein Bürgerbegehren für eine Bierpreisobergrenze ins Gespräch.

 

Skandal III: Berliner sind über 0,5-Liter-Krüge sauer

 Während sich der Münchner über den Bierpreis echauviert, findet der Berliner es als eine sagenhafte Ungleichbehandlung, dass man ihm das Trinken aus einem 1-Liter-Bierkrug nicht zutraut. Wirt Sepp Krätz tritt also unten wie oben in ein Fettnäpfchen nach dem anderen. Hatte er es doch nur gut damit gemeint, dass er auch 0,5-Liter-Krüge anbietet, falls der Hauptstädter das Maul nicht ganz so voll bekommt, wie es ihm immer nachgesagt wird. Manchmal kann man schon verzweifeln als „Großkopferter“. Aber sind wir mal ehrlich, nach der ersten Mass, oder den ersten zwei 0,5-Liter-Mass, ist das doch dann alles irgendwie egal.

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Channel: Inland  
Bundesland: Bayern  
AutorIn: Martina Plötz  

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