SPD-Frauenpreis für CSU-Landrätin

von Stefan Grönebaum - 19.03.2007
Die Frauen des SPD-Unterbezirks Frankfurt und des SPD-Bezirks Hessen-Süd verliehen Gabriele Pauli, CSU-Landrätin aus Fürth, den Olympe de Gouges-Preis. Dies bot zwei Journalisten bürgerlicher Zeitungen die Gelegenheit, alle fälligen Klischees über engagierte Frauen abzuarbeiten. Ein Nachtrag zum Frauentag von Stefan Grönebaum.

Deutsche Gleichstellungswirklichkeit anno 2007. Der Anlass: Die resolute Führter Landrätin Dr. Gabriele Pauli (CSU) hatte dem alternden Monarchen Edmund Stoiber die Frage gestellt, die niemand vorher zu stellen wagte. Zuerst wurde sie nicht ernst genommen, dann polterte der Koloss vom Sockel und Pauli zog sich den wütenden Haß der Granden zu, die "Ede" gern allein beerben wollen. Aber auch den Zorn der bierunseligen CSU-Basis, die sich nicht über Paulis Wahrheitsliebe freute, sondern über den "Königsmord" an ihrem längst heilig gesprochenen "Edi" maßlos erregt hatte.

Daraufhin entschieden die SPD-Frauen im Unterbezirk Frankfurt und im Unterbezirk Hessen, Frau Pauli den Olympe-de-Gouges-Preis zu verleihen. Sie erhielt ihn am Sonntagvormittag im Frankfurter Presseclub, die frühere Leiterin des Deutschen Frauenrates, Inge von Bönninghausen, laudierte auf die mutige Politikerin, die Vorsitzende der ASF-Frauen Südhessen, Uli Nissen, ehrte "die Frau, nicht die CSU-Frau" und Frau Pauli bedankte sich mit einer Rede, nach der Frauen Einfluss brauchen und nicht davor scheuen sollten. So weit, so gut.

Was machen die Herren Journalisten in zwei führenden bürgerlichen Zeitungen daraus? Erst einmal berichten beide, was Frau Pauli getragen hat (hätten sie das auch getan, wenn Herr Stoiber endlich die verdiente silberne Zitrone bekommen hätte?) Übrigens hat sie bei der "SZ" einen weißen Hosenanzug angehabt und bei der "FAZ" trägt die schwarze Landrätin eine "rote Bluse" - eine gelungene Anspielung auf ihre Nähe zu den SPD-Schwestern ("FAZ"). Beide Autoren verhehlen nicht, dass die CSU-Frau - horribile dictu - in die linkeste Ecke der SPD gegangen ist ("Linker geht es kaum in diese Parrtei", "SZ"). Klar ist auch beiden, wofür sie sich das verdient hat: Sie ist "die politische Mörderin Stoibers" ("FAZ") oder etwas liberaler: "sie hat vielen in der SPD eine Freude gemacht, indem sie den Sturz des MP Edmund Stoiber...einleitete" "SZ").

Vor allem aber sind beide einig, was solchen Frauen eigentlich zukommt oder wenigsten früher passiert wäre: "Hätte Frau Pauli wie Olympe de Gogues im 18. Jahrhundert gelebt, es wäre ihr wohl ergangen wie der Namensgeberin des Preises: Sie wäre um einen Kopf kürzer gemacht worden." ("FAZ"). Intellektuell anspruchsvoller die liberalere Variante: Von Olympe de Gogues, heißt es da, sei überliefert, sie sei "den Törichten entgegengetreten" und habe "die Niederträchtigen angegriffen." "Kurz darauf wurde sie guillotiniert", schließt Christoph Hickmann seinen Artikel mit diesen warnenden (?) Worten. Das letzte Wort behält aber die Zeitung, hinter der immer ein kluger (Männer-)Kopf steckt: Frau Pauli, schließt "rieb" messerscharf, fehle der "Killerinstinkt". Sonst hätte sie sich mit Andrea Ypsilanti ablichten lassen: "Was wäre das für ein schönes Foto gewesen: Frau Pauli, die Mörderin von Stoiber, neben Frau Ypsilanti, die im Frühjahr bei den Landtagswahlen den CDU-MP Roland Koch köpfen möchte."

Also geht es nicht um zwei couragierte Frauen, die selbstverständliche demokratische Rechte wahrnehmen, sondern um Mörderinnen, Köpferinnen (!) verdienter Politiker. Man muss wohl kein Psychologe sein, um hinter diesen Artikeln einen ganzen Berg an unverdauten Ängsten und Aggressionen zu wittern. Hübsches Feld für einen Therapeuten, für einen Zeitungsbeitrag im Jahre der Gleichstellung der Frau Anno 2007 gänzlich ungenügend.

Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung vom 19. März

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AutorIn: Stefan Grönebaum  

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