Manfred Stolpe feiert heute seinen 70. Geburtstag. Am 16. Mai 1936 wurde der langjährige sozialdemokratische Spitzenpolitiker in Stettin-Hökendorf geboren.
Heute wird Stople in Potsdam von der brandenburgischen Landesregierung und Landtag gefeiert. Nach einem Gottesdienst geben Regierung und Parlament einen feierlichen Empfang für den 70-jährigen.
Nach einer Ausbildung zum Diplom-Juristen arbeitete er ab 1959 für die Evangelische Kirche in der DDR. Stolpe galt als planender und gestaltender Kopf der Kirche, der sich zur Mitverantwortung der Christen auch für die Fragen der Welt und der DDR-Gesellschaft bekannte. Im Wendejahr 1989 gewährte Stolpe Ausreisewilligen, Bürgerrechtlern und Friedensgruppen den Schutz der Kirche.
Im Juni 1990 wurde er Mitglied der SPD. Als deren Spitzenkandidat trat er im Oktober 1990 zur ersten brandenburgischen Landtagswahl an. Die SPD wurde mit 38,9 Prozent stärkste Partei. Stolpe führte als Ministerpräsident ab November 1990 eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90.
1994 siegte die SPD unter Führung von Stolpe mit einem Erdrutschsieg: 54,1 Prozent der Stimmen ermöglichten die Bildung einer SPD-Alleinregierung. 1999 verlor die SPD die absolute Mehrheit und bildete mit 39,3 Prozent der Stimmen eine Große Koalition mit der CDU. Stolpe blieb Ministerpräsident bis zum Juni 2002, als er sein Amt überraschend an Mattias Platzeck übergab.
Im Oktober 2002 ließ sich Stolpe von Bundeskanzler Gerhard Schröder „als Preuße in die Pflicht nehmen“ und wurde Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen sowie den Aufbau Ost. Nach Bildung der Großen Koalition im November 2005 schied Stolpe aus der Bundesregierung aus.
Nach seinem Ausscheiden aus der ersten Reihe der Politik kümmert er sich um den Erhalt historischer Baudenkmäler in Berlin und Brandenburg. Unter anderem setzt sich Stolpe für den zügigen Wiederaufbau des 1950 zerstörten Berliner Stadtschlosses ein.
Jahrelange Diskussionen gab es um eine angebliche Stasi-Mitarbeit Stolpes, die dieser stets bestritt. Nach vielen juristischen Auseinandersetzungen setzen sich Stolpe weitgehend durch: Ein Untersuchungsausschuss des Landtages entlastete ihn 1994 vom Vorwurf der Stasi-Mitarbeit. 1995 erklärte die Evangelische Kirche nach einem Disziplinarverfahren, Stolpe sei „ein Mann der Kirche und nicht der Stasi“ gewesen. 2005 entschied der Bundesgerichtshof, dass Stolpe nicht mehr als Stasi-Mitarbeiter bezeichnet werden darf.
Von Lars Haferkamp
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