Eine weiß lackierte, rot beschriftete, mit Sternen, Gewehr, Flasche und Garben geschmückte Holztafel bestimmt das Leben des Gruppenführers Wu Dawang, als er ins Haus seines Divisionskommandeur abkommandiert wird. Treu dem soldatischen Prinzip „Sag nichts, frag nichts und tu nichts, was dir nicht zukommt!“ ordnet sich der brave Soldat dem Befehl der Tafelaufschrift „Dem Volke dienen!“ unter. In dem Bewusstsein, dass sein Dienst beim Kommandeur zugleich sein Dienst am Volke ist.
So vergeht für den Soldaten Wu unmerklich die Zeit. Bis eines Tages, während einer langen Abwesenheit des Kommandeurs, dessen junge Frau Liu Lian Ansprüche anderer Art an ihn stellt. Ihre sinnlichen Reize genügen zunächst nicht, um ihn zum Liebhaber zu gewinnen - seine Angst vor dem Kommandeur und vor der Partei ist größer als sein Begehren. Als sie ihm befiehlt: „Zieh dich aus, um dem Volke zu dienen,“ gehorcht der Soldat.
Eine leidenschaftliche Liebesorgie beginnt. Nach einer Zeit „paradiesischer Nacktheit“ wirft Wu aus Versehen die Gipsstatuette des Großen Vorsitzenden Mao Zedong um. Sie zerbricht in viele Stücke und für einen Augenblick scheint das Ende der Liebensgeschichte nah. Doch weit gefehlt: Den Leser erwartet eine von Besessenheit geprägte Vernichtung der symbolischen Ordnung, in deren Verlauf Mao-Porträts, die Ausgewählten Schriften und andere Gegenstände mit dem Konterfei des Großen Vorsitzenden in rasender Leidenschaft zerstört werden.
Wer nun ein böses Erwachen für die Protagonisten erwartet, irrt. Der Autor, der seine Geschichte stets mit ironischen Kommentaren begleitet, hält für das Ende seines Romans weitere Überraschungen bereit.
Yan Lianke: Dem Volke dienen, 208 Seiten, 16,90 Euro, Ullstein, August 2007




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