In seinem Wahlkampfbus tourt Franz Maget durch Oberbayern. Die geräumige Sitzgruppe im hinteren Teil des Fahrzeugs ist seine mobile Schaltzentrale. Häufige Handytelefonate während der Fahrt. Absprachen mit seiner Sekretärin, die ihn auf seinen Reisen ständig begleitet. Arbeiten am Labtop. Interviews mit Journalisten. Die Atmosphäre im Bus ist entspannt. Wer will, bedient sich an der Kaffeemaschine.
Mit welchem Gefühl er morgens die Zeitung aufschlage, will einer der mitfahrenden Journalisten von Maget wissen. „Mit einem guten“, sagt dieser, schaut von seinem Labtop auf und lächelt süffisant, fast strahlend. Er lese zuerst den Sportteil. Die ganze störende Begleitmusik aus Hessen, die ihm danach von einzelnen Seiten entgegen töne, er könne sie halt nicht abstellen. Nur nicht die gute Laune verderben lassen, ergänzt er. Dann wendet er sich wieder seiner Arbeit zu.
Als könne ihn nichts aus der Ruhe bringen, so wirkt er nach außen. 25 Prozent plus X und die politische Wende in Bayern herbei führen, das will der Spitzenkandidat der SPD erreichen. Er arbeitet ruhig. Keine Hektik. Was er denke, wenn er in der Zeitung lese, dass er noch mehr als drei Prozent von seinem Ziel entfernt sei, wird er gefragt. „Es wird noch eine große Anstrengung werden”, antwortet er. „Aber ich bin zuversichtlich”, fährt er fort, „die vielen freundschaftlichen Rückmeldungen aus der Bevölkerung signalisieren mir, dass die Bindungskraft der CSU nachgelassen hat.” Hier sieht er seine große Chance. Der Bus gleitet über die Autobahn. Linker Hand, der Chiemsee. Schönstes Reisewetter.
Mit Anfeindungen ist der politische Gegner nicht kleinlich. Machthunger wirft man ihm vor. Dass seine Beteuerungen, nicht mit der Linken zusammenzuarbeiten, keinen Pfifferling wert seien. Dass Bayern mit der von ihm angestrebten Koalition aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern keine Zukunft habe. „Es freut mich, dass sich die CSU so intensiv mit meiner Person beschäftigt. Zeigt es mir doch, wie verunsichert die Mehrheitspartei ist.” Ansonsten nehme er diese verbalen Angriffe nicht ernst. Machthungrig wirkt Franz Maget nicht, aber überzeugt davon, dass er den Wechsel in Bayern schaffen kann.
Vor fünf Jahren war er schon einmal Spitzenkandidat der SPD. Der Erfolg damals: weniger als mäßig. „Ich musste mich nach der Wahl damit trösten, dass ich die denkbar schlechtesten Ausgangsbedingungen hatte: eine total zerstrittenen Partei.” Wie ein Ladenbesitzer habe er sich damals gefühlt, dessen Verkäufer auf der Straße lamentieren, dass die eigenen Waren so schlecht seien. Seit damals sei es ihm und seinen Parteifreunden gelungen, der Bayern-SPD ein neues Gesicht zu geben. „Wir sind heute eine geschlossene und sehr diskussionsfreudige Partei. Der Umgang untereinander ist sehr solidarisch, die Zeichen stehen gut.”
Der Bus fährt jetzt auf einer Landstrasse und nähert sich ein paar Häusern. „Wer glaubt, die großen Bierzelte seien in Bayern die Höhle des Löwen im Wahlkampf, der irrt”, erklärt Maget. „Es sind dies die kleinen Bauerndörfer. Hier treffen die Wähler ihre Entscheidung oft noch aus jahrzehntelanger Tradition heraus.” Natürlich sei es ein großer Sprung von der CSU zur SPD, fügt er hinzu. An den Widerstandsgeist der Menschen auf dem Land wolle er appellieren und ihnen zeigen, dass die SPD ein gutes politisches Angebot sei. „Hier als Trommler für die SPD aufzutreten bringt gar nichts, sondern man muss den bisherigen CSU-Wählern eine Brücke bauen”, sagt Franz Maget und freut sich auf die Begegnungen mit den Bauern.
Klaus Wagner
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