Namens-Streit ums Bier „Neger“ soll in Bayern verboten werden

von Martina Plötz - 05.08.2009
Der „Neger“ ist in Bayern sehr beliebt. Auf den ersten Blick mag das irritieren, denn Ausländerfreundlichkeit sagt man den bayerischen Südländern nun wirklich nicht als erstes nach. Aber wenn man weiß, dass „Neger“ etwas mit Bier zu tun hat, dann ahnt auch das nördlichste Nordlicht, dass ihm in Bayern die Sympathien entgegenschlagen. Umso erstaunlicher ist es, dass jetzt die FDP plant, den „Neger“ in Bayern zu verbieten. Manche dachten sich bei dieser Meldung, was soll denn das Thema bei der FDP, für Ausländerfeindlichkeit sind doch die anderen zuständig. Aber es ist ganz anders, als man denkt.

 

Denn der „Neger“ ist in Bayern auch das Biermischgetränk aus Weißbier und Cola. Aufgrund seiner bräunlichen Farbe hat der Bayer dieses Getränk mit der rassistischen Bezeichnung „Neger“ belegt. Es mag Zeiten im Freistaat gegeben haben, da hat dies niemanden sonderlich gestört, zumal sich auch die CSU stolz als die „Schwarzen“ bezeichnet hat. Aber es muss dunkelhäutige Menschen durchzucken, wenn sie in bayerischen Gaststätten die Getränkekarte aufschlagen. Viele Gastronomen haben sich deshalb schon auf die Formulierung „Cola-Weißbier“ anstelle von „Neger“ verständigt, aber eben noch nicht alle.
 

„Kein Neger mehr in Bayern“

 
Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) schrieb deshalb an seine Justizkollegin Beate Merk (CSU), sie möge sich dafür einsetzen, dass der Begriff „Neger“ aus dem „öffentlichen Raum“ verbannt werde. Denn nach Zeils Ansicht habe der Begriff „Neger“ auf Getränkekarten nichts zu suchen. Die Forderung des Wirtschaftsministers geht auf einen Beschluss des Arbeitskreises Panafrikanismus zurück, der schon seit längerem fordert, einen neutralen Begriff zu verwenden. Manche mutmaßen im Vorgehen des Liberalen freilich bloßen Populismus, denn dem Wirtschaftminister hätte klar sein müssen, dass die Medien bundesweit mit Schlagzeilen wie „Herr Ober, bitte keinen Neger!“ oder „Kein Neger mehr in Bayern“ titeln.
 

„Neger“ bald verboten? „Ruß“ und „Zigeunerschnitzel“ nicht?

 
Der FDPler Zeil muss sich der Doppeldeutigkeit wohl bewusst und darf zugleich hoch erfreut gewesen sein. Hat doch die FDP in Bayern damit erstmals ein gewisses Alleinstellungsmerkmal bei politischen Forderungen erlangt. Ob Martin Zeil an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus in der Sprache interessiert ist, mag man bezweifeln dürfen. Denn für die Forderung nach einem konsequenten Verbot auch von Bezeichnungen wie „Ruße“ für das Weißbier-Limo-Mischgetränk oder das „Zigeunerschnitzel“, hat es dann doch nicht gereicht. Schon jetzt witzeln die Zeitungen man möge doch statt eines „Negers“ einen „Schwarzafrikaner“ und anstelle eines „Rußen“ in Zukunft einen „Osteuropäer“ in der Wirtschaft bestellen. Dabei sollte man das Thema durchaus ernst angehen.

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Channel: Inland  
Bundesland: Bayern  
AutorIn: Martina Plötz  
Tags: Rassismus  FDP  Bier  Bayern  

Orwell lässt grüssen

Bild von Schorsch

Ein Wort ist nie rassistisch, rassistisch ist derjenige, der dem Wort eine rassistische Bedeutung beimisst - und dies ist leider meist der "politisch korrekte".

Dahinter steckt die Absicht durch das Verbot von Worten die Gedanken zu kontrollieren - Orwell in Reinform.

Richtig gruselig an der "Political Correctness" finde ich jedoch, wie viele Menschen kein Problem mit faschistischen Methoden haben, und dass es noch mehr Dummköpfe gibt die gar nicht merken, dass man ihnen das Denken verbieten will.

Die Antworten hier zeigen

Bild von Christian Soeder

Die Antworten hier zeigen übrigens, wie dringend notwendig solche Maßnahmen sind.

Political Correctness

Bild von HerrVorragend

Mann kann es auch übertreiben. "Neger" ist ein uraltes deutsches Wort, das sich aus "Negroid", also "schwarzer Mensch" ableitet. Was ist daran rassistisch? Verschiedene Hautfarben kann jeder sehende Mensch erkennen. Man muss halt aufpassen, dass man vor lauter political correctness nicht auch Meinungen, Ansichten und dergleichen unterdrückt, weil sie einem nicht in den Kram passen. Was haben wir nämlich dann? Sehr richtig: Faschismus, nur aus anderen Richtungen und Motiven.

Rückwärts in Sachen Rechtschreibung?

Bild von mrt_bln

Schön, wenn vorwärts nicht rückwärtsgewandt wäre: Russen genießen mittlerweile dank der "neuen" Rechtsschreibung eine orthografische Ferne vom Ruß, die ihnen hier nicht gewährt wird. Schade!

Politisch korrekt...

Bild von Olaf Dudek

könnte man ja in Anlehnung an Afro.Amerikaner ( die sich selbst und mit Stolz Schwarz nennen) Afro-bajuwarische Mischgetränke aus amerikanische dunkler Limonade ( Koffeinhaltig) und Weiß( hmm ist dann nicht wieder rassitisch, denn weiß darf bleiben, schwarz nicht) also nicht dunklem obergärigen Bier aus Weizen. Und wenn man schon dabei ist, dann bitte weitere Umbenennungen: Ernst Neger, der Mainzer Fastnachtssänger und Komponist, die Oper Neger von Salieri, den Nebenfluß der Ruhr und den Stadtteil von Olpe auch. Letztendlich ist Neger nur die eingedeutschte Form des franz. Negré bzw des Spanischen negro für schwarz. Küchenlatein eben, die Urform ist niger.
Ich bin auch dafür, dass konsequenter Weise Kant aus den Uni-Bibiotheken verschwindet, war er es doch der Neger als erster in Deutschland abwertend gebraucht hat.

Olaf Dudek

Während "Neger" ein

Bild von Christian Soeder

Während "Neger" ein Schimpfwort ist, gilt dies für "Russ" und "Zigeuner" nicht. Insofern: Martin Zeil hat völlig Recht mit seiner Forderung.

Zigeunerschnitzel

Bild von Klaus

Ich esse immer Sinti- und Roma-Schnitzel ;-)

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