Ronald Barnabas Schill? Nicht-Hamburger werden schon Mühe haben, sich überhaupt zu erinnern. War das nicht… richtig, das war der „Richter Gnadenlos“, der mit seiner rechtspopulistischen „Partei Rechtsstaatliche Offensive“ – kräftig unterstützt von der Springer-Presse der Hansestadt – den CDU-Kandidaten Ole von Beust nach den Bürgerschaftswahlen 2001 auf den Bürgermeistersessel hievte.
Zwar hatte die CDU mit 26,2 Prozent das zweitschlechteste Ergebnis aller Zeiten eingefahren, zusammen mit der FDP mit ihren 5,1 Prozent und den 19,4 Prozent Schills reichte es aber, um die SPD trotz deren 36,5 Prozent auf die Oppositionsbänke zu verweisen. Nach Skandalen und unappetitlichen Affären musste Schill den Innensenatorposten räumen. Bei der folgenden Wahl 2004 erreichte die „Rechtsstaatliche Offensive“, wie sich der Haufen politischer Wandervögel, die zumeist vorher schon in mindestens einer, manchmal auch in zwei oder drei Parteien Mitglied waren, ohne ihren schillernden Frontmann Schill lediglich 0,4 Prozent der Wählerstimmen und zerfiel. Einige Parteiobere kamen wieder mal in anderen Parteien – vorwiegend der CDU – unter. Jetzt in der Vorbereitung auf die nächsten Hamburger Wahlen 2008 tauchen einige dieser politischen Glücksritter überraschend als Wiedergänger in der Stadt auf.
Die Rückkehr der Untoten
Ronald Barnabas Schill genießt sein Leben als Politrentner am Strand der Copacabana in Brasilien, wie die Boulevardpresse vermelden kann. Doch sein ehemaliger Intimus, Büroleiter und kurzzeitiger Nachfolger Dirk Nockemann und der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Schill-Partei Norbert Frühauf machen sich in Hamburg daran, am trüben rechten Rand der bürgerlichen Gesellschaft nach Wählerstimmen zu fischen. Zuvor waren sie noch kurz mal wieder bei der CDU zwischengelagert. Blutauffrischung erhoffen sich diese politischen Untoten von einer besonders dubiosen Figur: Dr. Udo Ulfkotte, ehemals Redakteur der „FAZ“, ehemals Mitglied im Planungsstab der Konrad-Adenauer-Stiftung, Buchautor und derzeit Dozent an der Universität Lüneburg. Er will die beiden Erben Schills bei den kommenden Bürgerschaftswahlen unterstützen. „Wir werden gemeinsam in Hamburg kämpfen“, verriet er der „Welt Online“. „Wir sind sehr froh, dass wir Herrn Ulfkotte für uns gewinnen konnten“, so Zentrumsvorsitzender und Spitzenkandidat Nockemann. „Mit Herrn Dr. Ulfkotte haben wir eine hervorragende Chance, den Einzug in die Bürgerschaft zu schaffen.“
Ulfkotte ist Gründer des Vereins „Pax Europa“. Auf seiner Internetseite erklärt der Verein, worum es ihm geht: „Für Europa – gegen Eurabien“ und kommt nach wenigen Zeilen zur Sache: „Jetzt neu im Buchhandel, die Hintergründe über die schleichende Islamisierung Europas …“. Dann folgt die Abbildung des Titels von Ulfkottes neustem Werk: „Udo Ulfkotte, Heiliger Krieg. Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht.“ Der selbsternannte „Terrorismusexperte“ der, wie die „Zeit“ schon anlässlich seines früheren Buches „Der Krieg in unseren Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern“ schrieb, „die Sprachen seiner Feinde nicht beherrscht“, trägt daher ungeniert aus allen erdenklichen Quellen zusammen, was in sein Weltbild passen könnte. Notfalls wird es ein wenig passend gemacht.
Ein christlicher Gotteskrieger
Eine Auswahl aus dem Archiv der Web-Site von „Pax Europa“ vom März 2007 macht deutlich, nach welchen Kriterien Meldungen dort gesammelt werden,: „Deutsche Muslime formieren sich“, „Muslime verüben im Irak Genozid an Mandäern/Sabäern“, „Der Islam könnte vorherrschende Religion in Europa werden“, „Benin: Muslime zerstören christliche Kirche drei Tage nach der Eröffnung“, „Kopenhagen: ‚Der Islam muss Bestandteil des öffentlichen Lebens werden’“, „Paris: Kranzniederlegung im Gedenken an ums Leben gekommene muslimische Rechtsbrecher“, „Belgien: Konvertitin wird depressiv und schneidet fünf Kindern die Kehle durch“, „Berlin: ‚Wir schlitzen euch deutsche Schweine auf’“.
Das ist schon ein sehr schmaler Sehschlitz, durch den Udo Ulfkotte die Welt wahrnimmt. Hier wird deutlich, dass es ihm keineswegs um eine differenzierte Unterscheidung von radikalen Islamisten und gläubigen Muslims geht, von säkularen Muslimen, die ihren Glauben eher nachlässig bis gar nicht praktizieren, ganz zu schweigen. „Akte Islam“ heißt folgerichtig die Web-Site. Sie stellt den Islam insgesamt unter Generalanklage.
Dass Ulfkotte zu politischen Desperados wie Nockemann oder Frühauf perfekt passt, verwundert kaum. Dass auf seiner persönlichen Web-Site, auf der er auch Sicherheitsmanagement für Unternehmen anpreist, neben eine ganzen Reihe ehrenwerter Unternehmen auch die Friedrich-Ebert-Stiftung als Referenz angibt, das verwundert dann doch.
Hallo, Ebert-Stiftung! Aufwachen!


