Viele Berliner fragen sich: Was hat die Initiative „Pro Reli“ mit mir zu tun? Was kümmert mich der Religionsunterricht? Die Kampagne betrifft uns alle, denn langfristig soll sie unser aller Leben verändern. Das ist das eigentliche Ziel der Initiatoren.
Worum geht es konkret? „Pro Reli“ will, dass Religion ordentliches Lehrfach an Berlins Schulen wird. Was die Religiösen aller Konfessionen nicht wollen ist das Fach Ethik, weil dort über alle Religionen neutral aufgeklärt wird. Stattdessen wollen Katholiken, Protestanten und Muslime den Kindern lieber jeder für sich sagen, warum jede andere Religion schlecht ist, dass der Mensch als Adam und Eva erschaffen wurde und nicht vom Affen abstammt, dass außerehelicher Sex Sünde, Abtreibung Mord, Homosexualität ein Verbrechen ist und so weiter und so fort....
Egal ob Christen, Juden oder Moslems - alle Studien weltweit zeigen: Je überzeugter Menschen von ihrer Religion sind, umso schwerer fällt es ihnen, andere Weltanschauungen als gleichberechtigt zu akzeptieren. Ob in den USA, in Polen oder Russland, ob in Israel, dem Iran oder in Saudi-Arabien. Beispiele gibt es genug. Und nun soll den religiösen Eiferern auch in Berlin Schultür- und tor geöffnet werden, so will es "Pro Reli".
Was die Religiösen in der Welt anrichten, kann man jeden Tag in den Nachrichten sehen. Erst fordern sie Religionsunterricht, dann das Schulgebet, dann das Kopftuch und dann? Das Abtreibungsverbot? Strafen für Gotteslästerung? Am Ende vielleicht noch die Scharia? So weit sind wir zum Glück nicht. Noch nicht.
„Pro Reli“ argumentiert, man sei für die „Wahlfreiheit“ zwischen Religion und Ethik. Die Kirchen als Vorkämpfer der Freiheit? Das wäre neu. Und was heißt denn Wahlfreiheit? Wie kann man wählen zwischen Religionen, wenn man nur von einer einzigen indoktriniert und über die anderen gar nicht informiert wird? Genau das aber will „Pro Reli“ mit dem einseitigen, konfessionellen Religionsunterricht. Deshalb bekämpfen sie ja das Fach Ethik so verbissen. Das würde nämlich umfassende Information über alle Religionen und damit erst wirkliche Wahlfreiheit ermöglichen.
Niemand sollte sich täuschen lassen: Den Religiösen geht es eben nicht um Wahlfreiheit. Ihnen geht es um Macht. Erst in den Köpfen der Kinder und dann in der Gesellschaft. Sie sprechen selbst davon, „das gottlose Berlin zu missionieren“. Hätten sie damit Erfolg, die Menschen würden Berlin nicht wieder erkennen.
Wozu eine "erfolgreiche" Missionierung führen kann, zeigen auf erschreckende Weise die USA: In der 70er Jahren waren die Staaten gesellschaftspolitisch eines der fortschrittlichsten Länder der Welt. Aber was haben die religiösen Fundamentalisten unter Reagan und Bush daraus gemacht? Mit ihrer konservativ-christlichen Revolution haben sie das Land zurück in die 50er Jahre geführt. Soll das auch bei uns passieren?
Wie weit es in Berlin schon gekommen ist zeigt ein Vorfall vor Weihnachten. Da hatte der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber an Berlins Schulen Briefe an Religionsschüler verteilen lassen. Die Schüler sollten das Schreiben ihren Eltern vorlegen und unterschrieben wieder zurück in die Schule bringen. In dem Brief werden die Eltern zur Unterschrift für das Volksbegehrens „Pro Reli“ aufgefordert. Bischof Huber zeigte keine Scheu minderjährige Schüler als Träger seiner politischen Kampagne zu mißbrauchen.
Dabei haben Huber und seine frommen Freunde offensichtlich eines vergessen: Religionsfreiheit bedeutet nicht nur Freiheit für Religion, sie bedeutet auch Freiheit von Religion. Genau diese Freiheit wird aber zunehmend bedroht von religiösen Eiferern und Fundamentalisten, nicht nur in den USA und im Nahen Osten, auch bei uns, mitten in Deutschlands Hauptstadt.
Freiheit, das wissen Sozialdemokraten besser als viele andere, ist nicht selbstverständlich. Sie wurde und sie wird uns nicht geschenkt. Sie kann verloren gehen. Leider. Unsere Freiheit muss erkämpft werden. Jeden Tag neu. Beim Volksentscheid haben wir alle in Berlin dazu die Chance. Nutzen wir sie! Stoppen wir die religiösen Fundamentalisten von "Pro Reli"! Stimmen wir mit NEIN!
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* "Der Gotteswahn" ist der Titel eines Buchs des britischen Zoologen und Religionskritikers Richard Dawkins (englischer Originaltitel The God Delusion). Dawkins legt darin eine umfassende Kritik an theistischer Religion und ihrem Gottesbegriff dar. Die 2006 erschienene Originalausgabe war im Januar 2007 auf der Sachbuch-Bestsellerliste der New York Times auf Platz 4.[1] In Deutschland wurde das Buch am 10. September 2007 veröffentlicht und war am Tag danach in der Amazon-Bestsellerliste auf Platz 3. [2] Es wurde bis Ende 2007 in 31 Sprachen übersetzt. Quelle: wikipedia.de



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