Die Idee entstand spontan, auf der Straße, für die Straße:
Auf meinem Heimweg vom Kaffee-Trinken in der Hamburger Innenstadt begegnete mir Uwe - am Sonntag, den 25.01.2009. Uwe hat Geburtstag und fragt mich nach Geld. Für seinen Ehrentag wünscht sich Uwe einen Schlafplatz und mag mich deshalb auch gern um etwas mehr bitten.
Da kommt mir die Idee: Warum sollte ich immer nur über Online-Fundraising lesen oder schreiben? Warum nicht einfach: Machen?!
Kurzerhand sitzen Uwe und ich im nächstliegenden Café und machen gemeinsam ein erstes "Strategie-Gespräch". Ungefähr so muss es ausgesehen haben, als vor kurzem noch Thorsten Schäfer-Gümbel den Einsatz von Youtube, Twitter & Co in Hessen erfolgreich geplant und vorbereitet hat. Bis auf den Unterschied, dass TSG ein Dach über dem Kopf hat und seine Berater Profis sind.
Hier geht es nun also um Grassroots-Arbeit im warsten Sinne des Wortes. Uwe und ich entschließen uns also, gemeinsam für ihn eine Online-Aktion zu starten. Auf der Straße ist Uwe anonym. Kaum einer bleibt stehen und unterhält sich mit ihm. Manche werfen ihm ein paar Cent in den Becher und laufen weiter, für die meisten aber ist er unsichtbar.
Dabei ist Uwe ein Mensch wie jeder von uns. Sein Leben auf der Straße war keine freie Entscheidung, und schon gar keine einfache. Seine Rechte auf eine Unterkunft und Sozialhilfe heißen in der Praxis noch nicht, dass es einfach ist, diese auch einzufordern und umzusetzen.
Doch Uwe will kämpfen. Seine Augen leuchten, als ich ihm von den Möglichkeiten des Internets erzähle und versuche, ihn zu einer Online-Aktion zu ermutigen. Erstmals darf er jemandem frei heraus von seinen Träumen erzählen: Ein Nachtcafé wünscht er sich. Ein Café, das Unterschlupf für Obdachlose bietet, besonders im Winter. Draußen frieren viele, manche erfrieren gar. In seinem Nachtcafé soll es ein paar Snacks, warme Suppen, kein Alkohol, dafür aber jede Menge Tee, Kakao und vor allem Austausch geben.
Wir machen also Nägel mit Köpfen: Seit nunmehr zwei Tagen läuft Uwe's Aktion auf meinem Blog socialblogger.de. Das Feedback ist überwältigend, bislang.
Doch auch die erste Skepsis macht sich breit. Bei Uwe, bei manchen Besuchern und nicht zuletzt auch bei mir. Was, wenn der Support abebbt? Was, wenn das neue Medium und die Möglichkeiten des so genannten "Social Webs" so sozial gar nicht sind? Haben wir es hier möglicherweise mit einer zwar schnellen Erregung von Öffentlichkeit, dafür aber mit eher kurzfristiger Aufmerksamkeit zu tun?
Es bleibt ein spannendes Experiment. Uwe und ich wollen nicht aufgeben, denn wie wir an Obama's und TSG's Wahlkampf gesehen haben, lässt sich im Netz eine Menge bewegen. Es kommt allerdings darauf an, die Sprache der Wähler, die Sprache der Unterstützer zu sprechen und ihnen auch Feedback zu geben, sowie Kritik anzunehmen. Das Web 2.0 ist keine Einbahnstraße, und auch Uwe und ich werden uns möglicherweise Kritik und klare Worte anhören müssen im Verlauf des Projektes, sobald der Zauber des Anfangs nicht mehr genügt, um Förderer und Helfer zu begeistern.
Dennoch: Es ist einen Versuch wert, soziale Arbeit mit dem sozialen Web zu verknüpfen. Uwe bekommt nun ein Gesicht, eine Plattform, einen Namen. Und nicht zuletzt: Die Aufmerksamkeit, die ihm zusteht, als ein Mensch unter vielen, eine Seele und ein Wille unter Gleichen.
Für weitere Informationen schaut vorbei auf www.socialblogger.de/aktion-uwe/
Danke!



Auf beta.vorwaerts.de können Sie sich schon mal die neue Seite von vorwaerts.de anschauen.