In stillem Gedenken

von Nikolai Czugunow-Schmitt - 05.02.2009
Der Anlass war traurig. Zum Internationalen Holocaustgedenktag am 27. Januar gedachten in Bamberg die Katholische Hochschulgemeinde, die Evangelischen Studierenden Gemeinde sowie die Willy-Aron-Gesellschaft gemeinsam der ermordeten Juden Europas. Unter den rund 70 Gästen in der St. Martinskirche waren auch viele Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde.

Der 27. Januar 1945 markiert den Befreiungstag des Vernichtungslagers Auschwitz durch die  heranrückende  sowjetische Armee. Auf Vorschlag des früheren  Bundespräsidenten Roman Herzog wurde dieser Tag erst in Deutschland und dann  von den Vereinten Nationen für die  ganze Welt dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und eines  jeden Völkermords gewidmet.

Besonders soll an die  6 Millionen Juden erinnert werden, die in den Vernichtungslagern ungebracht wurden, an die Millionen von Kriegsgefangenen, Russen, Polen, Ukrainern und  Angehörige anderer osteuropäischer Völker, die durch Hunger und unmenschliche Arbeitsbedingungen  absichtlich getötet wurden; auch an die Millionen von Zwangsarbeitern, die  aus den besetzten Gebieten deportiert und in  Arbeitslagern zur Sklavenarbeit unter erniedrigenden Umständen gezwungen wurden; ebenso an die ermordeten Sinti und Roma und an  andere Personen, die aus politischen oder anderen  Gründen vom NS-Regime ermordet wurden.

Trauer und Mahnung

So mahnte Nikolai Czugunow-Schmitt von der Willy-Aron-Gesellschaft in seiner Begrüßungsansprache auch: „Wir stehen mit Trauer, Achtung und Respekt  vor den Opfern, damit ein Rückfall in eine solche Barbarei sich nicht wiederholt.“ Isaak Lewin, Vorstandsmitglied in der Israelitischen Kultusgemeinde Bambergs erinnerte daran, dass die bittere Einmaligkeit der Verbrechen der Nationalsozialisten darin liege, dass der NS-Staat die Vernichtung der Juden durch eine  kaltblütig geplante Tötungsmaschinerie technisch-industriell organisierte. Tragik der Geschichte sei es, dass die Nationalsozialisten mit diesen Verbrechen das  deutsche Volk befleckten, dessen Kultur und dessen schönes Land überall anerkannt gewesen sei.

Lewin zitierte ein Gebet sowie ein Streitgespräch zwischen einem jüdischen KZ-Häftling und seinem Gott. Im  Anlehnung an das Streitgespräch zwischen Hiob und Gott im Alten Testament, bei dem sich Hiob darüber beschwerte, dass er trotz gottesfürchtig  geführtem Leben so viel Elend  und Unglück habe erleiden müssen, beklagt sich auch der jüdische KZ-Häftling  bei seinem Gott, dass er Grund und Sinn des unerträglichen Schicksals für sich und seine  jüdischen Mithäftlinge nicht verstehe. Er verzweifelt  zunächst an seinem  Gott um sich am Ende  doch wieder mit unendlichem Vertrauen  und Treue an Gott zu wenden.

Zum Abschluss verlasen Studenten der Bamberger Universität die Namen der Opfergruppen des Holocaust und auch der modernen Genozide, die seit dem  Ende des zweiten Weltkriegs stattgefunden haben. Nach einigen Schweigeminuten sprach Arieh Rudolph von  der Israelitischen Kultusgemeinde den Kaddisch. Ein muslimisches Friedensgebet und christliche Bitten um Frieden und Versöhnung zwischen  allen Völkern und Nationen folgten. Den musikalischen Rahmen der würdigen Gedenkveranstaltung gestaltete Helmut Mayerbuch mit einem meisterhaften Spiel auf der Violine.

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Bundesland: Bayern  
AutorIn: Nikolai Czugunow-Schmitt  

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