Der 27. Januar 1945 markiert den Befreiungstag des Vernichtungslagers Auschwitz durch die heranrückende sowjetische Armee. Auf Vorschlag des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog wurde dieser Tag erst in Deutschland und dann von den Vereinten Nationen für die ganze Welt dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und eines jeden Völkermords gewidmet.
Besonders soll an die 6 Millionen Juden erinnert werden, die in den Vernichtungslagern ungebracht wurden, an die Millionen von Kriegsgefangenen, Russen, Polen, Ukrainern und Angehörige anderer osteuropäischer Völker, die durch Hunger und unmenschliche Arbeitsbedingungen absichtlich getötet wurden; auch an die Millionen von Zwangsarbeitern, die aus den besetzten Gebieten deportiert und in Arbeitslagern zur Sklavenarbeit unter erniedrigenden Umständen gezwungen wurden; ebenso an die ermordeten Sinti und Roma und an andere Personen, die aus politischen oder anderen Gründen vom NS-Regime ermordet wurden.
Trauer und Mahnung
So mahnte Nikolai Czugunow-Schmitt von der Willy-Aron-Gesellschaft in seiner Begrüßungsansprache auch: „Wir stehen mit Trauer, Achtung und Respekt vor den Opfern, damit ein Rückfall in eine solche Barbarei sich nicht wiederholt.“ Isaak Lewin, Vorstandsmitglied in der Israelitischen Kultusgemeinde Bambergs erinnerte daran, dass die bittere Einmaligkeit der Verbrechen der Nationalsozialisten darin liege, dass der NS-Staat die Vernichtung der Juden durch eine kaltblütig geplante Tötungsmaschinerie technisch-industriell organisierte. Tragik der Geschichte sei es, dass die Nationalsozialisten mit diesen Verbrechen das deutsche Volk befleckten, dessen Kultur und dessen schönes Land überall anerkannt gewesen sei.
Lewin zitierte ein Gebet sowie ein Streitgespräch zwischen einem jüdischen KZ-Häftling und seinem Gott. Im Anlehnung an das Streitgespräch zwischen Hiob und Gott im Alten Testament, bei dem sich Hiob darüber beschwerte, dass er trotz gottesfürchtig geführtem Leben so viel Elend und Unglück habe erleiden müssen, beklagt sich auch der jüdische KZ-Häftling bei seinem Gott, dass er Grund und Sinn des unerträglichen Schicksals für sich und seine jüdischen Mithäftlinge nicht verstehe. Er verzweifelt zunächst an seinem Gott um sich am Ende doch wieder mit unendlichem Vertrauen und Treue an Gott zu wenden.
Zum Abschluss verlasen Studenten der Bamberger Universität die Namen der Opfergruppen des Holocaust und auch der modernen Genozide, die seit dem Ende des zweiten Weltkriegs stattgefunden haben. Nach einigen Schweigeminuten sprach Arieh Rudolph von der Israelitischen Kultusgemeinde den Kaddisch. Ein muslimisches Friedensgebet und christliche Bitten um Frieden und Versöhnung zwischen allen Völkern und Nationen folgten. Den musikalischen Rahmen der würdigen Gedenkveranstaltung gestaltete Helmut Mayerbuch mit einem meisterhaften Spiel auf der Violine.
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