20. Todestag Herbert Wehners – Gedenken in vier Städten Helfen – Arbeiten – Nicht verzweifeln!

von Christoph Meyer - 29.01.2010
Dresden-Schneeberg-Hamburg-Bonn. Zweimal West und zweimal Ost: In vier deutschen Städten wurde in besonderer Weise an die 20. Wiederkehr des Todestags von Herbert Wehner am 19. Januar 1990 erinnert. Wie schon 1906 am 11. Juli im Haus Spenerstraße 13 machte Sachsens Landeshauptstadt den Beginn.

Dresdens SPD-Vorsitzende Sabine Friedel begrüßte Greta Wehner und weitere etwa 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Erinnerungstafel an der Stelle des Geburtshauses. Dann zogen die Versammelten zwei Straßenecken weiter zum Herbert-Wehner-Denkmal. Ines Vogel, Vorsitzende des SPD-Landesparteirats Sachsen, sprach Worte des Erinnerns und Gedenkens: „Herbert Wehner hat gesagt, wozu Politik da ist: Den Menschen helfen.“ Der heutigen Sozialdemokratie hätte Wehner geraten, nicht zu resignieren. Da, wo infolge schwarz-gelber Regierungspolitik das Soziale massiv unter Druck gerät, „sind wir doch gehalten zu kämpfen. Das“, so schloss die Historikerin Vogel, „ist ein Vermächtnis dieses Jahrhundertpolitikers.“

Über 60 Gäste in Hamburg-Harburg

Am Nachmittag des 19. Januar legten SPD-Parteivorstand, Bundestagsfraktion und Friedrich-Ebert-Stiftung auf dem Burgfriedhof in Bonn-Bad Godesberg Kränze am Grab von Herbert Wehner nieder. An die dreißig Personen, teils alte Weggefährten und Freunde von Wehner, trafen sich dort – an ihrer Spitze SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und der Sprecher des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk, Peter Struck. An Herbert Wehners langjähriger parlamentarischer Wirkungsstätte – wen wundert’s? – wurde so manche Anekdote aus seiner fast 34jährigen Abgeordnetenzeit erzählt.

Über 60 Gäste konnte dann am Abend Frank Richter, Kreisvorsitzender der SPD in Hamburg-Harburg, im neuen „Herbert-Wehner-Haus“ begrüßen. Herbert Wehner war 1946 in Hamburg der SPD beigetreten, und in Harburg wurde er von 1949 bis 1980 neunmal hintereinander direkt in den Bundestag gewählt. Biograf Christoph Meyer führte durch ein Podiumsgespräch mit zwei Zeitzeugen: Rolf Selzer, ehemaliger SPD-Landesgeschäftsführer Schleswig-Holstein, und Paul Neumann aus Stelle (Landkreis Harburg), Bundestagsabgeordneter von 1965 bis 1983. Der 80jährige betonte, dass Wehner vielen Menschen sehr konkret geholfen hat, insbesondere bei der Ermöglichung der Ausreise aus der damaligen DDR aber auch bei alltäglichen Problemen im Wahlkreis.

Mit dem Wehner-Volvo nach Schneeberg

Tags darauf fuhr Meyer den alten Wehner-Volvo nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder einmal nach Schneeberg. Herbert und Greta Wehner hatten die sehenswerte Stadt im Erzgebirge zuletzt im Jahr 1986 besucht. Sie war Wohnort der Familie Wehner von 1911 bis 1913. Am Abend des 20. Januar erinnerte Meyer im Kulturzentrum „Goldne Sonne“ daran, dass der kleine Herbert hier die „wahrscheinlich glücklichsten Tage seiner Kindheit“ verlebt hatte. Wiederum waren etwa 25 Interessierte gekommen, darunter auch einige Jugendliche. Seinen Vortrag stellte Meyer, wie es – ohne Absprache! – schon beim Gedenken in Dresden und Hamburg der Fall gewesen war, unter das Wehner’sche Motto: „Helfen. Und arbeiten. Und nicht verzweifeln.“
Herbert Wehner, so das Fazit, war ein gesamtdeutscher Jahrhundertpolitiker. „Besonders freut es mich“, so Christoph Meyer, „dass es diesmal nicht das Herbert-Wehner-Bildungswerk war, welches das Gedenken organisiert hat, sondern dass die SPD selbst und – im Fall Schneeberg – eine kulturelle Einrichtung hier aktiv geworden sind. Denn das Gedenken an und Lernen von Herbert Wehner sollten Sache der gesamten Sozialdemokratie und weiter Kreise unserer Gesellschaft sein.“
Weitere Infos: www.wehnerwerk.de
 

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Channel: Geschichte  
Bundesland: Sachsen  
AutorIn: Christoph Meyer  

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