Hauptstädtischer Kulturmarathonlauf geht in die zweite Runde Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da

von Christian Janssen - 19.04.2010
Die Bretter, die bekanntlich die Welt bedeuten, öffneten sich in Berlin am 10. April 2010 nach der vorjährigen Premiere erneut einem breiten Publikum. Unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, organisierte die Kulturprojekte Berlin GmbH die Veranstaltung „2. LANGE NACHT DER OPERN UND THEATER“, woran sich achtundsechzig Berliner Spielstätten – dreiundzwanzig davon erstmalig – beteiligten.

Zwischen 19.00 Uhr und 1.00 Uhr boten die Spielstätten dem interessierten Publikum in der Regel stündlich eine rund halbstündige Kostprobe ihres Kulturschaffens an. Um es dem Publikum zu erleichtern, sich einen Überblick über die vielen Facetten der Berliner Theaterszene zu verschaffen, verband ein über Berlin gespanntes Netz besonders eingerichteter Omnibuslinien die meisten Spielstätten miteinander.

Das Staatsballett Berlin ging diesmal dezentral vor und präsentierte sich an mehreren Orten, um noch mehr Interessierten einen Einblick in die Arbeit der Compagnie in Gestalt von „Lecture Demonstrations“ zu ermöglichen. Die Spielstätte für das junge Theater „THEATER AN DER PARKAUE“ war für die Ballettinszenierung „Schneewittchen“ reserviert. Die Kostüme hatte der für seine extravaganten Kreationen berühmte Pariser Modeschöpfer Jean-Paul Gaultier entworfen; das auch für eine Domina oder einen modernen Vampir geeignete Kleid in Form einer schwarzen gitterartigen Korsage oben und eines schwarz-roten Rockes unten nebst schwarzen Abendhandschuhen und langen Strümpfen hatte der Hexe – von der Ersten Solotänzerin Beatrice Knop in exzellenter Weise lasziv dargestellt – eine diabolisch-erotische Anziehungskraft verliehen.

Auf die Bühne des Hauses „THEATER AM KURFÜRSTENDAMM“ strahlte schon die für den 24. April 2010 in der Staatsoper Unter den Linden angesetzte Uraufführung des Ballettes „Symphony of Sorrowful Songs“ voraus; es handelt sich um ein Auftragswerk, das der slowenische Theaterregisseur Tomaz Pandur inszeniert. Die Komische Oper Berlin war in der Hand junger Choreographen des Staatsballettes Berlin, die sich mit ihrer gemeinsamen Arbeit „Shut up and dance! Reloaded“ vorstellten. Den Schlußpunkt bildete das Konzerthaus Berlin, wo der Intendant und Erste Solotänzer Vladimir Malakhov in die tänzerischen Vorbereitungen zur aktuellen Inszenierung des Ballettes „La Péri“ einführte und nebenbei das Publikum „enttäuschen“ mußte, indem er erklärte, es gebe infolge der regen Nachfrage für die restlichen Aufführungstermine keine Karten mehr.

Die Staatsoper Unter den Linden stellte bei dieser Gelegenheit auch ihre für die Phase der Gebäudesanierung vorgesehene Ersatzspielstätte „SCHILLER THEATER“ vor, wo unter anderem der neue Intendant Jürgen Flimm in einer Diskussion mit Sängern und Orchestermusikern sowie die junge Sopranistin Anna Prohaska mit Liedern des englischen Barockkomponisten Henry Purcell zu hören waren, während das Stammhaus einen Umbau auf offener Bühne erlebte. Wegen ihrer „musikalisch und intellektuell gleichermaßen herausragenden Interpretationen“ wird Anna Prohaska übrigens im Mai 2010 mit der renommierten Auszeichnung „Schneider-Schott-Musikpreis“ bedacht werden.

Vor dem Revuetheater „FRIEDRICHSTADT PALAST“ mit der größten Theaterbühne der Welt bildete sich die wohl längste Warteschlange der Veranstaltung; drinnen ließ sich das Publikum von den Gesangs-, Tanz- und akrobatischen Einlagen des Stückes „Qi“ bezaubern. Mit einer Party nach Mitternacht im Theater „VOLKSBÜHNE“ klang die Veranstaltung aus.

Bei der Recherche erwies es sich manchmal als unpraktisch, den Journalisten und Pressephotographen nur eine „Ehrenkarte“ und keinen leicht erkennbaren Akkreditierungsausweis ausgehändigt zu haben, denn beispielsweise sprachen nahezu minütlich etliche Mitarbeiter des Konzerthauses Berlin nacheinander an, Bildaufnahmen im Gebäude seien nicht gestattet, woraufhin man mehr damit beschäftigt war, sich gebetsmühlenhaft zu rechtfertigen, als der eigentlichen Arbeit nachzugehen.

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