Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Landesorganisation Hamburg,
Kreis 7 Harburg,
Herbert-Wehner-Haus
Julius-Ludowieg-Straße 9
Mehr als 60 Besucher füllten am Dienstagabend, den 19. Januar 2010 den Sitzungsraum des SPD-Kreisbüros im Herbert-Wehner-Haus, Julius-Ludowieg-Straße 9. Sie waren der Einladung der Harburger SPD zu einer Veranstaltung aus Anlass des 20. Todestages des am 19. Januar 1990 verstorbenen langjährigen Harburger Bundestagsabgeordneten Herbert Wehner gefolgt.
Sie zeichneten ein Bild von Herbert Wehner, das in vielen Details nicht mit den gängigen Vorstellungen Wehners als raubeinigem und in der politischen Auseinandersetzung häufig grob wirkendem Fraktionsvorsitzenden übereinstimmt. Insbesondere Neumann erinnerte daran, dass Wehner das Wohl von Menschen sehr am Herzen lag und er vielen, insbesondere bei der Ermöglichung der Ausreise aus der damaligen DDR aber auch in seinem Wahlkreis, sehr konkret geholfen hatte, ohne dass dies zu seinen Lebzeiten öffentlich bekannt geworden wäre. Auch Selzer hob hervor, dass Wehner bei aller Härte im politischen Alltag ein humorvoller und sensibler Mensch gewesen ist. Einer, der aus der Ferne unnahbar und verschlossen wirkte, aber eine große menschliche Wärme ausstrahlte, wenn man ihm näher kam.
Doch auch der Politiker Wehner und sein politisches Wirken kamen in der Runde nicht zu kurz. Meyer, der eine Biographie über Herbert Wehner verfasst hat, wies darauf hin, dass Wehner ein Kind seiner Zeit war. Prägend war die frühe Zeit seiner politischen Arbeit, die in der Weimarer Republik begann, deren Ende von heftigen, teils gewalttätigen Auseinandersetzungen geprägt war. Aus dieser Zeit kam die rüde Art des Umgangs in der parlamentarischen Debatte, die Wehner zeit seines politischen Lebens nicht ablegte. Die bitteren Erfahrungen dieser frühen Jahre führten bei Wehner allerdings in schwedischer Gefangenschaft in den vierziger Jahren auch zum Umdenken. Aus der Erkenntnis der politischen Fehler jener Zeit wurde er Sozialdemokrat und einer der vehementesten Verfechter der parlamentarischen Demokratie. Den Blick für das Wohl des Ganzen verlor er bei aller Parteilichkeit nie. Auch aus diesem Grund war Wehner einer der Architekten der großen Koalition 1966. Die Enttäuschung Wehners darüber, dass andere nicht ebenfalls über ihren parteilichen Schatten zu springen vermochten, trug dann allerdings auch zu den politischen Verwerfungen zwischen SPD und CDU in den siebziger Jahren und zur politischen Härte Wehners in dieser Zeit bei.
Für viele Besucher an diesem Abend ist die Zeit Wehners als Harburger Bundestagsabgeordneter ein Stück ihres eigenen Lebens und in einigen Anekdoten und Geschichten aus dem Publikum wurde auch dieser Harburger Teil des politischen Lebens Herbert Wehners wieder lebendig.
Wehner war ein „Jahrhundertpolitiker“, der von 1923 bis 1983 politisch aktiv war und in seiner Person die Widersprüchlichkeit der deutschen Geschichte in diesen Jahren widerspiegelte. Sein Weg vom Kommunisten zum überzeugten Kämpfer für Freiheit und Demokratie ist der Weg Deutschlands im 20. Jahrhundert hin zu einer stabilen demokratischen Gesellschaft. Hieran nach 1949 entscheidend mitgewirkt zu haben, ist die historische Leistung Herbert Wehners.
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