Neben Ehrenurkunde und -nadel hatte Scholz eine deutsche Chronik des 20. Jahrhunderts für den 96-Jährigen dabei – handsigniert von SPD-Chef Sigmar Gabriel. Für jemanden, der das Jahrhundert fast vollständig selbst miterlebt hat, ein passendes Geschenk. Bereits 1926 im Alter von 13 Jahren wurde Albert Schäfer, dessen Vater Kommunist war, Mitglied bei den Kinderfreunden. Später wechselte er zu den Falken und war als Orgaleiter Funktionär der SAJ (bis 1933 offizielle Nachwuchsorganisation der SPD).
Während der Naziherrschaft wurde Schäfer mehrfach verhaftet und zwangsweise vorgeführt. Da die Festnahmen meist willkürlich waren und man Schäfer nichts nachweisen konnte, wurde er jedoch stets nach kurzer Zeit wieder freigelassen. Dennoch stieg er 1936 aus - ihm war der Boden zu heiß geworden.
Ein Parteiaustritt kam nie infrage
Lebhaft erinnert sich Schäfer noch heute an die illegalen Treffen und an die für die überall herum schnüffelnden Nazischergen unverdächtig scheinenden Wanderungen durch Hamburgs Wälder, auf denen weitere Aktionen wie die Verteilung von Flugblättern besprochen werden konnten.
Im Krieg war Albert in der Vorausabteilung der Radfahrkompanie in Russland und Frankreich eingesetzt. Er heiratete , wurde glücklicher Vater von drei Kindern. Mit 63 Jahren ging er in den damals noch inoffiziellen Vorruhestand.
Ob er jemals erwogen hat, aus Unmut aus der Partei auszutreten? Seine Antwort ist klar: „Niemals. SPD wählen ist doch erste Genossenpflicht!“
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