Zwei Wochen nach der Gründung, am 21. Oktober 1949 hielt der damals noch junge SPD Abgeordnete Herbert Wehner seine erste Rede vor dem ersten Deutschen Bundestag. Zwar unterstützten Wehner, und mit ihm die SPD-Fraktion, damals den Kurs der Bundesregierung, sich einer Anerkennung der DDR und ihrer Institutionen prinzipiell zu verweigern, doch machte Wehner auch klar, dass die unionsgeführte Bundesregierung früher und entschiedener auf die als Provokation empfundene Gründung der DDR hätte reagieren sollen.
Gebannt lauschten die Teilnehmer der Veranstaltung, unter ihnen auch Greta Wehner, einer Originalaufnahme der Rede, die glücklicherweise erhalten geblieben ist. Anschließend gab es Gelegenheit, das Dokument mit dem Leiter des Herbert-Wehner-Bildungswerks, dem Historiker und Wehner-Biographen Dr. Christoph Meyer zu diskutieren.
In Wehners Rede, die selbst von konservativen Historikern wie dem Bonner Zeitgeschichtler Hans-Peter Schwarz als bedeutend eingestuft wird, verurteilt Wehner nicht nur die „Staatsakte in Sowjetpreußen“, wie er die Gründung der DDR tituliert, sondern er fordert eine baldige Wiedervereinigung und demokratische Wahlen in ganz Deutschland. Schon damals verwies Wehner weitsichtig auf das Unrecht, das selbst jenen Bürgern der DDR widerfährt die den Satz Rosa Luxemburgs öffentlich aussprechen, Freiheit sei immer „die Freiheit der Andersdenkenden“. Zu fünfundzwanzig Jahren Zuchthaus, so berichtet Wehner in seiner Rede, seien vier junge Berliner verurteilt worden. Vierzig Jahre später sollte dieser Satz trotzdem wieder populär werden: zum Ende des von Wehner so bezeichneten „Sowjetpreußen“ vor zwanzig Jahren.
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