Letztere kann Hildegard Schneller vorweisen, die als 14-Jährige in die Sozialistische Arbeiter-Jugend (SAJ) eintrat und der Sozialdemokratie bis heute treu geblieben ist. Und obwohl die 94-Jährige viele Höhen und Tiefen erlebt hat, fällt ihr sofort ein, welches für sie das schönste Erlebnis in der SPD gewesen ist. „Das waren die 50er Jahre, denn da hatte die SPD noch die absolute Mehrheit in Berlin.“
Lächelnd nahm sie die Ehrenbrosche aus den Händen des ehemaligen Parteivorsitzenden Franz Müntefering entgegen, der sich bereit erklärt hatte, die Mitgliederehrung der Kreuzberger Abteilung zu übernehmen. „In den ersten hundert Jahren unserer Parteigeschichte war die SPD fünf Jahre an der Regierung“, erinnerte er. „Nach 1966 waren es 27 Jahre.“ Müntefering nahm die Genossen mit auf einen Streifzug durch die sozialdemokratische Geschichte und verband bedeutende Ereignisse mit den Eintrittsdaten der Jubilare. So sei etwa 1959 das Godesberger Programm beschlossen worden. 1969 hielt Willy Brandt seine berühmt gewordene Rede, in der er forderte, mehr Demokratie zu wagen.
"Bleibt ganz lange dabei!"
„Wir müssen kämpfen“, rief Müntefering die Genossen auf. Es sei zwar eine schwierige Zeit für die Volksparteien im Allgemeinen und die SPD im Besonderen, doch zeige sich derzeit deutlich, dass der Kapitalismus sozialdemokratische Antworten brauche. Um diese zu geben, seien vor allem die Mitglieder gefragt und an die appellierte Müntefering: „Bleibt ganz lange dabei!“
Dass es sich lohnen kann, für die sozialdemokratischen Werte einzutreten zeigte nicht nur das Jubiläum von Hildegard Schneller, sondern auch das von Gerhard Seifert, der für sein 50-jährige Mitgliedschaft geehrte wurde, Hannelore und Helmut Borchardt, die seit 40 Jahren in der Partei sind, sowie Marc Drögemöller, Arap Ulutürk , Nicole Groß, Martin Jungmann und Zlatan Sambol, die für ihre zehnjährige Mitgliedschaft geehrt wurden.
Und dass man auch nach 80 Jahren noch nicht zum alten Parteieisen gehören muss, bewies Hildegard Schneller schließlich auch noch. Mit einem Verbesserungsvorschlag wandte sie sich an die Abteilungsvorsitzende Martina Hartleib: Sie fände es schön, wenn einmal im Jahr jemand von der SPD sie besuchen würde. Und Hartleib versprach: „Diesen guten Vorschlag nehmen wir gerne an.“
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