Gesine Schwan beim Neujahresempfang der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid

Eine ungewöhnliche Zusammenkunft war das am Mittwoch in der Historischen Stadthalle Wuppertal. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Wuppertal-Solingen-Remscheid hatte zum Neujahresempfang geladen, und die Festrede hielt die SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan.

Ungewöhnlich schon, aber ebenso interessant. Über 1.000 Gäste kamen, ein Besucherrekord wurde verzeichnet. Es gibt großes Interesse an der SPD und ihrer Kandidatin, auch auf Seiten der Unternehmerinnen und Unternehmer.

Die wichtigsten Begriffe, von denen Gesine Schwan spricht, sind Vertrauen und Hoffnung. Sie betonte die Bedeutung der Hoffnung, von der auch US-Präsident Obama in seiner Antrittsrede gesprochen hat. Die Krise sei gemeinsam zu meistern, jeder einzelne sei verantwortlich. Sie betont die Freiheit, verwies aber auch auf die notwendige Solidarität. Diese setze Vertrauen voraus, das offensichtlich in die Politik und Wirtschaft verloren gegangen sei. "Vertrauen erwächst aus persönlichem Verhalten." Es müsse "verlässlich, wahrhaftig, gerecht und kompetent" sein. Die „linke Schwan“ wünscht sich wieder mehr Unternehmertum und zeigt, dass sie „etwas von Wirtschaft versteht“.

Auch IHK-Präsident Friedhelm Sträter mahnt in seiner Begrüßung, „die Spielregeln der sozialen Marktwirtschaft“ stärker zu beachten. Gleichzeitig kritisiert er das Streben nach „Riesen-Renditen“. Sträter und Schwan sind näher als gedacht.

Der Remscheider General-Anzeiger lobte Gesine Schwan: „Als Festrednerin bewies sie, warum ihre Karriere als Politikwissenschaftlerin sie unter anderem auf den Präsidentenstuhl der Europa-Universität "Viadrina" in Frankfurt/Oder und in die Funktion der Regierungs-Koordinatorin für die deutsch-polnische Zusammenarbeit gebracht hat.“

Interessant ist das Verhalten der CDU vor dem Jahresempfang. Mehrere Vertreter, darunter auch einige Landtagsabgeordnete, bleiben der Veranstaltung aus Protest fern.  Der Wuppertaler CDU-Ratsfraktionschef Bernhard Simon verließ während der Rede den Saal. Einer inhaltlichen Auseinandersetzung geht die CDU aus dem Weg. Das ist schade, muss aber so akzeptiert werden. Peinlich wird es jedoch, wenn eine demokratische Bewerberin boykottiert wird, nur weil sie gegen den Amtsinhaber antritt. Für eine demokratische Partei ist dies ein ziemliches Armutszeugnis, man kommt sich vor wie im Kindergarten. "Es entspricht dem Demokratieverständnis unserer IHK, sich mehrere - auch andere - Meinungen anzuhören“ sagte Sträter dazu in seiner Begrüßung.

Dass es auch anders geht, zeigt Fabian Magerl, Geschäftsführer der Wuppertaler CDU-Ratsfraktion. Er plant ein Buch mit dem Titel "Einsatz für die Demokratie" in dem sich rund 20 Politiker äußern. Magerl hat vor kurzem Gesine Schwan um einen Gastbeitrag gebeten und bekommt diesen auch.

Weitere Informationen:
- Homepage von Gesine Schwan
- Gesine Schwan bei Facebook
- Video der Westdeutschen Zeitung
- Zum Verhalten der CDU

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Bundesland: Nordrhein-Westfalen  

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