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Kranke Zähne machen krank

Menschen mit Pflegebedarf können ihre Zähne oft nicht in der Praxis behandeln lassen.
Menschen mit Pflegebedarf können ihre Zähne oft nicht in der Praxis behandeln lassen.
Schlechte Mundhygiene ist ein unterschätztes Risiko. Vor allem Senioren mit Pflegebedarf brauchen hier Unterstützung.

Die Menschen in Deutschland haben immer gesündere Zähne – dank Fortschritten in der Medizin und umfassender Prävention. Doch nicht alle Bevölkerungsgruppen profitieren von dieser Entwicklung. Bei älteren Menschen mit Pflegebedarf und/oder mit Behinderung sind Mund und Zähne in einer deutlich schlechteren Verfassung als beim Durchschnitt der gleichaltrigen Bevölkerung, hat die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) ergeben.

Jeder zweite Pflegebedürftige zwischen 75 und 100 Jahren hat demnach keine eigenen Zähne mehr. In der Vergleichsgruppe der Senioren ohne Pflegebedarf ist es nur ein Drittel. Wer noch eigene Zähne hat, leidet häufig unter Karies oder Zahnfleischbluten. Gerade Menschen mit Pflegebedarf können ihre Zähne aber häufig nicht mehr in einer Praxis behandeln lassen. 60 Prozent von ihnen sind der repräsentativen Studie zufolge nicht in der Lage, selbstständig einen Zahnarzttermin zu organisieren und wahrzunehmen. Nahezu ein Drittel kann sich nicht selbst die Zähne putzen oder um die Pflege ihrer Zahnprothesen kümmern.

Herausforderung für Prävention und Therapie

Was nur Wenige wissen: Gerade bei alten und kranken Menschen gibt es einen Zusammenhang zwischen schlechter Mundgesundheit und teils schwerwiegenden Erkrankungen. Der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, nennt als Risiken „Infektanfälligkeit, aber auch die Verschlechterung eines Diabetes oder die Erhöhung des Schlaganfallrisikos.“

Umso wichtiger sei es, dass „künftig ein besonderes Augenmerk der zahnärztlichen Prävention und Therapie auf Menschen mit Pflegebedarf“ gelegt wird, heißt es in der Studie, die das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) im Auftrag von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung erstellt hat. Ein Maßnahmenpaket der zahnärztlichen Institutionen hat hier bereits Verbesserungen gebracht – etwa bei der sogenannten aufsuchenden Betreuung oder im Präventionsmanagement.

Doch auch für Angehörige und Betreuer von Menschen mit Pflegebedarf ist die zahnmedizinische Versorgung eine Herausforderung. Rund 1,3 Millionen und damit etwa die Hälfte von ihnen werden im eigenen Zuhause gepflegt. Als Hilfestellung für die Pflegenden haben die Bundeszahnärztekammer und das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) zwölf Videos herausgegeben. Darin geht es unter anderem um spezielle Zahnbürsten für Senioren oder das richtige Herausnehmen von Prothesen sowie die Pflege von Zahnersatz.