Seit nunmehr unzähligen Wochen befindet sich der 1. FC Bayern München in einer meisterlichen Form. Doch während sich die ganze Bundesliga ihrem Schicksal ergibt, gibt es ein kleines Dorf, das erbitterten Widerstand leistet. Zugegeben, an diesem Wochenende bedurfte der immer noch verbleibende Tabellenführer aus Leverkusen, der tatkräftigen Unterstützung eines als Torwart verkleideten Karnevalisten, dennoch hält der kleine Verein vom Rhein die Mannschaft aus dem bajuwarischen Königreich weiterhin erfolgreich von der Tabellenspitze fern. Zwar konnten die Bayern immerhin die Tordifferenz um einen weiteren Treffer verkürzen da sie gegen Borussia Dortmund mit 3:1 gewannen, während Leverkusen im Duell der Werksmannschaften "nur" ein 2:1 gegen den VfL Wolfsburg erreichte, trotzdem fehlt den Münchenern immer noch ein Tor um mit Bayer gleichzuziehen.
Doch der Reihe nach. Im Duell des Pharmazieunternehmens "Bayer" gegen den Autohersteller "VW" behielten die Kopfschmerztabletten die Überhand, auch wenn sie dafür eine List anwenden mussten. Nach ausgeglichener erster Hälfte, stand im zweiten Durchgang bei den Wölfen ein verkleideter Karnevalist im Tor, der dem eigentlichen Torwart André Lenz zwar zum Verwechseln ähnlich sah, aber unmöglich dieser gewesen sein kann. Jedenfalls ermöglichte er beide Leverkusener Treffer, erst ließ er eine absolut harmlose Flanke aus den Händen rutschen und legte sie so Bayer-Spieler Stefan Reinartz zum Einschießen ins leere Tor mustergültig auf. Beim zweiten Tor vollendete er einfach selbst, auch wenn er dabei zugegeben ziemlich viel Pech hatte. Ein Kopfball von Eren Derdyok prallte gegen die Latten und den Pfosten und sprang von da an Lenz Schienbein und schließlich ins Tor. Auch der Anschlusstreffer durch Edin Dzeko änderte schließlich nichts mehr an der Wolfsburger Niederlage. Leverkusen bleibt Erster, Wolfsburg spielt in dieser Saison dagegen keine Rolle mehr.
Im Abendspiel des Samstags zogen die Bayern nach Punkten gleich, dazu besiegten sie den BVB aus Dortmund mit 3:1. Im Anschluss an das Spiel bewiesen die Münchener zudem, dass sie auch ohne Uli Hoeneß im rhetorischen Bereich meisterlich sind. Auf die Frage, ob er bei seinem Tor zum 3:1 nicht im Abseits gestanden habe, gab Mario Gomez einem erstaunten ZDF-Reporter die einzig richtige Antwort. "Das ist mir doch egal!" erwiderte er wie aus der Pistole geschossen - 1:0 Gomez würde ich sagen :-) Aber auch Louis van Gaal wollte da nicht zurückstecken. Nachdem er ersteinmal feststellte: "Es ist nicht wichtig heute auf dem ersten Platz zustehen, es ist wichtig am letzten Tag Erster zu sein", beschrieb er sein Verhältnis zum Münchener "Enfant terrible" Franck Ribery so: "Ribery ist mein kleines Herzchen!". Klingt schwer nach Friede, Freue, Eierkuchen an der Isar, zum Glück gibt es wie gesagt ein kleines Dorf, welches dem Münchener Glück noch im Wege steht.
Auch im Tabellenkeller gibt es weise Menschen
Desaströs ist noch eine nettere Beschreibung der Leistung (?) des Teams von Hannover 96 am Wochenende. Gegen den SV Werder Bremen gab es eine saftige 1:5-Klatsche, beim Weg zur Pausenandacht stand es sogar schon 0:4. Dabei hatten es die Bremer den Leverkusenern offensichtlich gleich getan und ebenfalls ein paar Doppelgänger in die 96-Startelf geschleust. Das frühe 0:1 durch Peter Niemeyer ebnete bereits früh den Hannoveraner Untergang. Torwart Florian Fromlowitz stand dabei mehr Spalier, als dass er versucht hätte das harmlose Schüsschen wirklich abzuwehren. Das 0:3 diente dann schon beinahe als Sargnagel und war bezeichnender Weise ein Eigentor des früheren Bremers Leon Andreasson. Trotz des erneuten Rückschlags bezieht man auch in Hannover aus den verschiedenen Weisheiten des Fußballsports die Hoffnung, dass doch noch alles gut werden kann. Denn "wir haben ja noch 12 Spieltage Zeit, noch ist also nichts verloren" weiß 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke.
Auch nicht besser läuft es in Nürnberg. Im Duell gegen Borussia Mönchengladbach gab es für die Franken eine ebenso bittere wie unverdiente Niederlage. Nachdem es lange Zeit 1:1 gestanden hatte, und die Franken mit einem Punktgewinn immerhin mit dem Drittletzten nach Punkten hätten gleichziehen können, erzielte Gladbach kurz vor Ende doch noch den Siegtreffer. Schade nur, dass dieser absolut und eigentlich auch offensichtlich irregulär war, was dem als Schiedsrichter verkleideten Florian Meyer aber nicht weiter aufgefallen war. Trainer Dieter Hecking weiß um die Schwere der nächsten Spiele, hat aber so etwas wie einen Plan: "Der Druck wird immer größer und irgendwann muss man dann Spiele gewinnen, die man nicht gewinnen kann."
Kommen wir nun zum Sorgenkind der Liga, dem Hauptstadtfußballklub aus Berlin. Laut Arne Friedrich wollte die Hertha den FSV Mainz am Samstag auffressen, zur Not mit Trikots und Haaren, um endlich den ersten Heimsieg des Jahres feiern zu können. Dieses Vorhaben gelang nicht ganz, immerhin erzielten die Berliner das erste Heimtor des Jahres, schafften aber im Endeffekt nur ein Remis. Sechs Punkte aus fünf Spielen sind nun wahrlich nicht schlecht, erst recht wenn man sich an die Bilanz der Hinserie erinnert, dennoch reichen sie überhaupt nicht aus um eine "Nicht-Abstiegseuphorie" zu entfachen.
Die vierte Mannschaft im Abstiegsbunde ist der SC Freiburg. Im Breisgau bleibt man seinem Motto treu, wenn die anderen doch wirklich nie gewinnen, warum sollten wir dann? Obwohl im Spiel gegen Eintracht Frankfurt sogar der Frankfurt-Keeper Oka Nikolov alles für einen Freiburger Sieg tat, reichte es am Ende nichtmal für einen Punktgewinn, da Eintracht Neuzugang Halil Altintop kurz vor Schluss das 2:1 erzielte. Frankfurt bleibt eine Wundertüte und Freiburg bleibt bei 18 Punkten, basta!
Der Grund warum sich nur noch vier Mannschaften im akuten Abstiegskreis befinden ist dadurch zu erklären, dass der VfL Bochum am Samstag einen Heimsieg bejubeln durfte. Gegen ganz ganz ganz ganz harmlose Hoffenheimer gab es ein 2:1. Zwar durfte die TSG einen lang ersehnten Treffer von Vedad Ibisevic bejubeln, dennoch verbleiben die Kraichgauer in der größten Krise der zugegebener Maßen noch jungen Vereinsgeschichte. Nach dem Pokal-Aus gegen Bremen folgte in Bochum der nächste Rückschlag. Während sich die Bochumer über diesen "herrlichen" Sieg freuen und auch für das nächste Jahr erstklassig planen dürfen, muss man sich in Hoffenheim bereits jetzt damit abfinden, dass auch in der nächsten Saison in Sinsheim kein internationaler Fußball gespielt wird.
Der Beste kommt zum Schluss
Wenn man die rhetorischen Highlights des Wochenendes analysiert darf man den Hamburger SV nicht außen vor lassen. Sportlich gesehen sorgte der Auftritt von Ruud van Nistelrooy gegen den VfB Stuttgart für Schlagzeilen. Mit seinem Doppelpack zum 3:1 bescherte er seinem Team drei Punkte im Kampf ums internationale Geschäft und rechtfertigte seinen Einkauf nochmals nachhaltig. Sein Erfolgsrezept scheint dabei eben so einfach wie narrensicher. "Der Trainer hat gesagt: Schieß deine Tore. Und dann mache ich das auch:" Offensichtlich sehr leicht im Umgang der Herr van Nistelrooy, was auch ein Blick auf sein Lieblingsgericht belegt. Dieses besteht nämlich in mit Nutella bestrichener Pizza, welche er sich zu Madrider Zeiten sogar direkt in die Kabine liefern ließ. Ist nur zu hoffen, dass es in Hamburg eine Pizzeria gibt, die auch bis in die Kabine liefert, dann dürfte man in Hamburg noch viel Spaß an der holländischen Tormaschine haben. Sehr cool übrigens auch der Kommentar des HSV-Torstehers Frank Rost, als er zu seiner guten Leistung befragt wurde. "Umsonst stehe ich ja auch nicht im Tor." Recht hat er, umsonst spielt bestimmt kaum jemand in der Bundesliga :-)
Noch nicht die Besten aber schon ziemlich gut, sind nach wie vor die Schalker. Am Sonntag servierten die Knappen den Geißböcken aus Köln gleich mal eine "1a-Karnevalstrübung". Ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben wurden die Kölner Gäste abgefertigt. Allerdings erscheint diese Niederlage auch nicht verwunderlich, immerhin haben die angeblichen Stürmer Podolski und Novakovic wieder zusammen im Angriff gewirbelt, die schon in der Hinrunde so manche Abwehrreihe zur Beschäftigungslosigkeit verdammt hatten.



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