"Wir haben wahrscheinlich gegen die Bayern nur eine Chance, wenn wir den Mannschaftsbus vor unser Tor stellen", witzelte der Trainer des FSV Mainz, Thomas Tuchel, auf der Pressekonferenz vor dem Spiel seiner Elf gegen den Rekordmeister. Recht hat der Mann, also habe ich mir das Spiel angeschaut, war aber bereits bei der Bekanntgabe der Aufstellungen ein wenig enttäuscht. Kein Mannschaftsbus weit und breit, wahrscheinlich haben sie in Mainz kein Trikot gefunden, was dem Abwehrhünen gepasst hätte. So kam es also, wie es kommen musste und die Bayern gewannen schon wieder und schon wieder souverän. Man muss Heinz Müller, dem Stammtorhüter der Mainzer attestieren, dass er versucht hat den Bus nach Kräften zu ersetzen, sogar einen Elfmeter konnte der Keeper abwehren, am Ende musste er jedoch trotzdem dreimal hinter sich greifen. Bei den Bayern läuft es einfach, sogar so gut, dass Franck Ribery, in der Hinrunde noch der verletzte Heilsbringer, mittlerweile kaum noch Gesprächsthema an der Isar ist.
Wenn auch den Mannschaftsbus nicht mehr hilft...
...dann ist man wahrscheinlich ein Spieler von Werder Bremen. Der SV nähert sich mit riesigen Schritten dem Niveau der Vorsaison. Wenn man auswärts gleich drei Tore schießt und trotzdem noch nicht mal ein Remis ergattern kann, dann muss irgendetwas falsch laufen. Nach der beeindruckenden Serie von über 20 Spielen ohne Niederlage in der Hinrunde, arbeiten die Bremer jetzt offenbar an einem neuen Rekordversuch, genauso viele Spiele ohne eigenen Sieg. Gleich vier Gegentore fing sich der Nordclub in der ersten Halbzeit der Partie gegen Borussia Mönchengladbach und stellte sich dabei, sorry aber es ist so, dümmer an als jede Schülermannschaft, die ich bislang in Aktion gesehen habe. Da hätten sie sogar zwei Mannschaftsbusse vor das eigene Tor stellen können, die Bremer Defensive agierte so zaghaft und ließ den Gladbacher Angreifern soviel Platz, dass selbst eine doppelte Mannschaftsbusabsicherung die Gegentore nicht hätte verhindern können.
Unsanft gestoppt wurde der Höhenflug der Borussia aus Dortmund. Gegen den VfB Stuttgart setzt es eine saftige 4:1-Klatsche. Während der VfB damit zur Mannschaft der Stunde avanciert, muss der BVB nun erstmal wieder kleinere Brötchen backen. Übrigens bei vier Gegentoren hätte der Mannschaftsbus sicher auch nicht als Absicherung geschadet ;-)
Up and Down
Viel höher geht es für Bayer Leverkusen nicht mehr. Nach dem 3:1-Sieg gegen den SC Freiburg bleiben die Leverkusener Tabellenführer und nachdem ich letzte Woche noch bemängelt habe, dass Kießling noch nicht getroffen hat, trifft jetzt sogar der Nationalstürmer in spe wieder. Kurios auch, dass der SC Freiburg immer noch nicht auf einem Abstiegsplatz steht, immerhin haben die Breisgauer aus den letzten sechs Spielen ganze zwei Punkte geholt.
In völlig verschiedene Richtungen entwickeln sich derzeit Schalke und Hoffenheim. Während es für die Königsblauen trotz des kleinen Ausrutschers in Bochum ganz gut läuft und man nach wie vor den dritten Tabellenplatz behauptet, funktioniert bei der TSG nahezu nichts. Auch die Kraichgauer konnten gerade mal zwei Punkte erringen, das allerdings aus den letzten sieben Spielen. Der internationale Zug scheint ohne die TSG abgefahren zu sein, zwar ist der Hopp-Klub sicherlich noch jung, trotzdem schielte man nach der erfolgreichen Premierensaison sicher etwas weiter nach oben. Bleibt abzuwarten, wie lange es ruhig bleibt im beschaulichen Hoffenheim.
Ein Wechselbad der Gefühle erlebten die beiden gut befreundeten Trainer Mirko Slomka und Dieter Hecking im Rahmen des Matches zwischen Nürnberg und Hannover. Nach einer ganz lauen ersten Hälfte, sicherte Albert Bunjaku mit seinem Dreierpack dem Club das dringend benötigte Erfolgserlebnis. Auch Stajners zwischenzeitlicher Anschlusstreffer konnte daran nichts ändern. Während Hecking als Nürnberger Coach wieder Licht am Ende des Tunnels sieht, nun trennen die Franken nur noch drei Punkte von einem Nichtabstiegsplatz, ist der Fehlstart für Slomka als Kapitän der 96er Kogge perfekt. Spätestens jetzt sollte jedem Hannoveraner klar sein, dass es in dieser Saison nur noch gegen den Abstieg geht.
Richtig gut drauf sind bislang die Kölner. Auch an diesem Wochenende konnten die Geißböcke einen Auswärtssieg landen. Dieses Mal mussten die Frankfurter dran glauben, die es durch die Niederlage nicht zum ersten Mal verpasst haben, das graue Mittelfeld zu verlassen. Seit der FC ohne Stürmer spielt (Novakovic und Podolski sind verletzt), treffen die nach belieben. Und selbst wenn es mal nicht so läuft, dann helfen eben die Gegner mit. Mit seinem unhaltbaren Flugkopfballeigentor bescherte Marco Russ den Domstädtern quasi den Sieg, immerhin muss sein Trainer dafür nächste Woche nicht mehr im Anzug auflaufen. Diesen hatte Michael Skibbe nämlich getragen, weil seine Mannschaft ungeschlagen war, so lange er im feinen Zwirn am Spielfeldrand stand, nun kann er wieder zum Trainingsanzug wechseln...
Keinen Sieger fanden die Begegnungen zwischen Berlin und Bochum sowie Hamburg gegen Wolfsburg. Die Hertha bleibt somit Letzter, machte aber immerhin wieder einen Punkt gut und sorgte dafür, dass der VfL nicht enteilt.
Wolfsburg verpasste einmal mehr einen Befreiungsschlag, allerdings bringt das Remis auch den HSV nicht weiter. Um an dieser Stelle den Kreis zu schließen, in der Partie gegen die Hamburger hielt Wölfe-Ersatzkeeper André Lenz wie ein Mannschaftsbus. Nahezu unüberwindbar wehrte er im Alleingang die Angriffsbemühungen der Mannschaft von der Elbe ab, kurz vor Spielschluss wurde er trotzdem zum Depp. Einen ziemlich haltbaren Freistoß aus gut und gerne 25 Metern ließ der Torsteher passieren, zugegeben es war ein so genannter Flatterball, gut ausgesehen hat das ganze jedoch nicht. Nun ja, ein Mensch ist eben kein Bus...
Afrika-Cup
Recht unbemerkt vom Rest der Welt lief in den letzten drei Wochen der Afrika-Cup. Wenn man etwas von dem Turnier mitbekommen hat, dann war es der terroristische Angriff auf den Mannschaftsbus (da ist er wieder) des Nationalteams aus Togo.
Nun mehren sich in letzter Zeit die Stimmen, die vor der WM in Südafrika warnen, aus Sicherheitsgründen. Dem will ich mich nicht anschließen, dafür fehlt mir eindeutig das Hintergrundwissen. Bedenklich stimmen mich mehr die sportlichen Aspekte. Die diesjährige Afrikameisterschaft wurde in Angola ausgespielt. Ich hoffe einfach mal, dass sich Südafrika etwas besser vorbereitet, ich möchte jedenfalls keine Spiele auf schlecht bespielbaren Bolzplätzen sehen. Auch das Zuschaueraufkommen hielt sich trotz aller Begeisterung doch stark in Grenzen und erinnerte eher an die Fraueneuropameisterschaft, als an die EM in Österreich und der Schweiz. Hinzu kommt der aus meiner Sicht gravierenste Mangel, nämlich die Leistungsfähigkeit der Schiedsrichter. Die waren bei diesem Turnier so schlecht, da fehlen mit fast die Worte. Zugegeben, bei der WM reisen Schiedsrichter aus aller Herren Länder an, ich hoffe nur die pfeifen dann auch nach den aktuellen Regeln...
So weit ich es beurteilen kann müssen sich die Favoriten bei der WM eher wenig Sorgen über die afrikanischen Mannschaften machen. Hochklassigen Fußball habe ich eher selten gesehen, so sind in den 8 Spielen der Endrunde in der regulären Spielzeit gerade einmal 14 Tore gefallen (acht davon in zwei Spielen). Mit Ägypten stand am Ende die erfahrenste und cleverste Mannschaft als Turniersieger fest und sicherte sich die Krone zum dritten Mal hintereinander (neuer afrikanischer Rekord) und zum siebten Mal insgesamt (auch afrikanischer Rekord!).



Auf beta.vorwaerts.de können Sie sich schon mal die neue Seite von vorwaerts.de anschauen.