Im Koalitionsvertrag sind einige liberale Eckpfeiler eingerammt worden, die FDP stellt 5 Minister – darunter neben den „klassischen“ FDP-Ministerien Justiz, Wirtschaft und Äußeres auch Gesundheit und Entwicklung. Die FDP ist an etlichen schwarz-gelben Landesregierungen beteiligt, u.a. in Bayern – Westerwelle ist so mächtig wie noch kein FDP-Vorsitzender vor ihm.
Westerwelle hätte also allen Grund, glücklich und zufrieden zu sein. Aber Westerwelle kann offensichtlich nicht aus seiner Haut. 11 Jahre Wahlkampf haben ihre Spuren hinterlassen. Auf dem FDP-Bundesparteitag, auf dem es eigentlich nur darum ginge, den Koalitionsvertrag abzusegnen, erklärt Westerwelle, das Wahlergebnis sei eine „Kampfansage gegen den Linksrutsch in dieser Republik“. Bei Kritikern der schwarz-gelben Politik lautet seine Diagnose: „Hirnverbranntheit“. Weiter: „Die Ränder haben in Deutschland nichts zu sagen – was für eine gute Nachricht für unser Land.“ Und außerdem stellt der Vorsitzende der „Klientelpartei zum Privilegienschutz“ (FAZ) fest: „Wir sind eine Partei für das ganze Volk und fühlen uns in unserer Arbeit auch dem ganzen Volk verpflichtet.“
Als die Regierung Schröder/Fischer 1998 angetreten ist, galt die Devise: „Wir wollen nicht alles anders, aber vieles besser machen.“ Der politische Gegner wurde als Gegner betrachtet, und nicht als „hirnverbrannt“ diffamiert, als „Rand“ abgetan, kurz: er wurde nicht als Feind betrachtet. Für Westerwelle gilt jedoch: wer nicht für Westerwelle ist, ist gegen Westerwelle. Westerwelle ist der McCarthy Deutschlands. Er kann nicht aus seiner Haut. 11 Jahre Wahlkampf schüttelt man nicht mal eben so ab: wer sich selbst als „Freiheitsstatue“ bezeichnet, der ist nicht mehr in der Lage, Argumente rational zu erfassen und zu begreifen.
Westerwelle scheint noch nicht verstanden zu haben, dass Schwarz-Gelb die Wahl gewonnen hat. Jemand sollte ihm sagen, dass der Wahlkampf jetzt vorbei ist und es nun darum geht, Politik zu machen.



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