Die gleichlautenden Versprechungen der Christlichen werden immerhin ein wenig in die Zukunft entrückt und mit einem Hauch von Ehrlichkeit geschönt, indem man auf den alten und noch immer nicht von allen durchschauten Trick des Finanzierungsvorbehaltes zurückgreift. Eine Rattenfängermelodie, der immer noch Heerscharen von Wählern hinterhertanzen.
Damit man wenigstens den Anschein von Wahlkampf erweckt, hat die CDU offenbar eine Werbeagentur verpflichtet, die früher einmal für eine ganz andere Branche tätig gewesen sein muss, denn die schwarzen Wahlkampfstrategen setzen ganz auf das rezessionsbereinigte Lächeln der Kanzlerin, das breite Lachen der Familienministerin und das abschätzend-überheblich wirkende Placebo eines Lächelns des Wirtschaftsministers. Im Kontrast zu soviel Anheimelei werden die Begriffe 'Kraft' und 'Stärke' unkommentiert unters Volk gestreut. Waschmittelwerbung pur!
So inhaltsleer kommt die Kampagne daher, dass sich sogar konservative Kommentatoren in Presse und Fernsehen darüber beschweren, wie wenig ernst man den Wähler nimmt. Denn welche Kraft wird da beschworen? Die Kraft, die durch den Knoten geht? Solcherart Kraftmeierei musste seinerzeit schon die Hersteller der Marke OMO widerrufen. Zum Saubermann-Image würde immerhin passen, dass Frau von der Leyen 'Familien stärken' will. Vielleicht meint sie ja deren Hemden, denn wie sie das anpacken will, sagt sie nicht. Fehlt nur noch das 'Abbügeln von roten Socken', um sprachlich im Bild zu bleiben. Möglicherweise aber ist auch die 'Kraft der zwei Herzen' gemeint. Nicht gar so abwegig, nachdem das Decolleté-Duell von Frau Lengsfeld mit der Kanzlerin tief blicken ließ, mehr als einem genehm war.
Oder sind die scheinbar einfach gestrickten Parolen gar nicht für die Wohlfühlniederungen des Unterbewusstseins gedacht? Werden gar geheime Botschaften transportiert?
'Wir haben die Kraft'. Verschwörungstheoretiker mögen darin einen Hinweis auf Anfang und Ende der Wirtschaft sehen. Aber so Tiefschürfendes wollen wir mit unseren Überlegungen zum Wahlkampf der CDU/CSU nun doch nicht unterstellen.
Am Ende ist gar alles viel einfacher? Ist es die Kraft des Atoms, die gemeint ist? 'Wir haben die Atomkraft' liest sich nicht eben breitenwirksam. Ist andererseits aber auch sehr klein, so ein Atom. Da kann man schon einmal darüber hinweglesen.
Wenn man dieser Lobby jahrzehntelang den Weg geebnet hat, dann muss irgendwann einmal eine Saubermannkampagne her, auch und gerade wenn man nicht weiß, wohin mit diesen kleinen Strahlemännern, die inzwischen Bataillone von schwarz-gelben Fässern füllen. Aber reicht das alter-ego einer Klementine, um das Atomlobbyistenimage porentief rein abzuwaschen, nachdem die Kanzlerin noch als damalige Umweltministerin die sogenannte Versturztechnik - sozusagen der Schleudergang für Atommüll - als umweltverträglich abgesegnet hat? Reichlich Salz aus norddeutschen Salzstöcken darüber! Und schon ist die Weste wieder weiß. Da bekommt das lateinische cum grano salis eine ganz neue Bedeutung.
Ein Herr Glos hat es jedenfalls nicht geschafft, den ganzen vielen Krümmelchen der Republik, den Mega-Perls für CO2-freie Luft, den Persilschein als Klimaretter auszustellen.
In der Hochzeit der Waschmittelwerbung, den Achtzigerjahren, hatte man kurzzeitig auf Aufklärung des Verbrauchers gesetzt. 1983 hat man gar Sachverständige bemüht und um deren richtige Wortwahl nachgesucht, um die Öffentlichkeit zu überzeugen. Dabei wurde allerdings das beim Waschen so wichtige Element Wasser leider nicht hinreichend in Betracht gezogen. Dass Salz wasserlöslich ist, 'hygrophil' hätten die Sachverständigen der Ära Kohl sicherlich formuliert, wenn es der damaligen schwarz-gelben Politik denn recht gewesen wäre, musste erst die absaufende Asse zeigen. Nun ja, damalige Rein-Waschanlagen kannten noch keine 'Aqua-Stopp-Funktion'. Will man daraus etwa einen Vorwurf konstruieren... und Böses unterstellen?
Wenn nun die heute so konturlos beschworene Kraft der Schwarzen Riesen nur zu einer Waschmittelkampagne taugt, die ein Meister-Proper-Image vorgaukelt, während strahlender Dreck unter den Teppich der norddeutschen Tiefebene gekehrt wird, man scheinheilig von einer - leider noch notwendigen - 'Brückentechnologie' redet und aktuell Frau Schavan Gutachten für die Zeit nach der Wahl in Auftrag gibt, dann ja dann ahnt man, wie lange die CDU ihre Hände noch in Unschuld waschen muss, nämlich nur noch bis zum 27.09.2009! Einem Pontius Pilatus will man angesichts dessen kopfschüttelnd das Handtuch reichen und ihm mitleidig auf die Schulter klopfen, Waisenknabe, der er war.



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