Und auch die Braut, Frau Merkel samt CDU, hat auf Druck der bayrischen Verwandtschaft gegen den Rat einiger weniger Honoriger in der Familie ihre nüchterne Physikervernunft beiseite geschoben und ein Festmahl versprochen, für das von vornherein kein Geld da war. Den gängigen Finanzierungsvorbehalt hat man erst nach den Einladungen zur Aufschwungparty in den Ehevertrag geschrieben. Aber wer will eine Hochzeit schon unter Finanzierungsvorbehalt stellen? Es gilt es, den schönen Schein noch ein wenig aufrecht zu erhalten, denn die Verwandtschaft in NRW will auch bald feiern und etwas von dem Abglanz der vorgeblichen Liebesheirat mitnehmen. Außerdem hat sich der stolze Bräutigam schon vor dem Abfeiern der Fete ins Zeug geworfen, und lauthals verkündet, dass alle Versprechen bereits eingehalten worden seien. Also tut man so, als wenn das rauschende Fest weiterhin bevorstehe, auch wenn inzwischen alle wissen, dass es nicht ein mal für ein Katerfrühstück reicht, das zudem allen noch sehr sauer aufstoßen wird.
Dass darüber die Harmonie zwischen den Brautleuten auch schon gelitten hat, soll am allerwenigsten herauskommen, denn immerhin hat man sich im neuen Hausstand schon warm und trocken eingerichtet.
Was also tun?
War da nicht noch die arme Verwandtschaft in Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, die man als Spielverderber vorschieben kann? Frei nach dem Motto: 'Wir hatten alles so schön geplant und nun sagen die das schöne Fest ab.'
Allen voran ist da der Landes-Daddy Peter Harry (-hol-schon-mal-den-Konkursverwalter) Carstensen aus Schleswig-Holstein, der sich die letzten Jahre an sich lieber in der nordfriesischen Dorfgemütlichkeit hinter dem Deich abgeduckt und in Kiel nicht sonderlich vorzeigbare Spuren hinterlassen hat. Aber für irgend etwas muss er am Ende einmal gut sein, wenn schon nicht für ein prosperierendes Bundesland. Also wird ihm flugs die Rolle des grantelnden Verweigerers zugeschrieben, der in Berlin schon mal laut auf den Tisch haut und wirtschaftliche Vernunft anmahnt (nachdem ihm Milliönchen für Manager kranker Banken keine zu große Münze waren). Auch der sonst so smarte Familienangehörige des Bräutigams Kubicki, der sich bei der Planung der kleineren und bescheideneren Hochzeit in Schleswig-Holstein noch als kerniger Macher angedient hatte, will nun von den Versprechungen aus der Zeit vor der Hochzeit nichts mehr wissen und das große Fressen absagen.
Man muss dazu wissen, dass man sich hinterm Deich gern mal hin und wieder einen 'Pharisäer' gönnt. Das ist ein Kaffee mit Rum darin, den man mit einer Sahnehaube abdeckt, damit man den Rum nicht riecht. Also, warum nicht Wasser predigen, wenn man an der Rum-Quelle sitzt? Es muss ja niemand mitkriegen.
Was heißt das nun für Berlin?
Die große Sause auf Pump durchziehen, oder frei nach Karl Valentin ein 'wollen hät' i schon gemocht, aber dürfen hab' i net gekonnt' einem scheinheiligen, abgekarteten Drehbuch folgend, das einen 'Veto-Ruf' aus den Niederungen der armen Bundesländer vorsieht?
Während die Kommentatoren der konservativen Presse in diesem Veto bereits einen Sieg der wirtschaftlichen Vernunft sehen, kann man auch ein großes Fragezeichen hinter diese Charade setzen, denn mit so viel wirtschaftlicher Vernunft schon vor der Wahl und ohne versprochene Wahlgeschenke wären Wahlen in München, Hamburg, Kiel und Berlin wohl nicht gewonnen worden.
Ach ja, wo wir gerade über Wählertäuschung sprechen, war da nicht die Rede von einem 'Sparbuch' (nein, keines mit Spenden) der ehemals freien Demokraten, eines das ungeheure Sparpotentiale für eine Gesundung des Staatshaushaltes ausgemacht hatte? Ein Anfang wäre da schon mal gemacht, wenn Herr Niebel sein Amt obsolet machen würde, denn das war in diesem Sparbuch als einer der Sparposten ausgemacht worden.
Nun vielleicht wird der 'Pharisäer' ja bald als Szenegetränk in den vielen Coffeeshops Berlins neben aufgeklappten Laptops zu finden sein.



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