Euro-Vision 2010 - Das ESC-Blog von Marc Schulte und Martin Schmidtner USFO-Vorentscheid, Teil 5: Da waren's nur noch fünf

von Martin Schmidtner - 03.03.2010
Gestern gab es die fünfte Ausgabe des deutschen Vorentscheids "Unser Star für Oslo" - übermorgen läuft dann in der ARD schon das Viertelfinale. Fünf Kanidaten und Kandidatinnen sind noch im Rennen.

Fernsehabend

Gestern Abend durfte ich die fünfte Ausgabe von Unser Star für Oslo zusammen mit einem Freund sehen, der – vorsichtig ausgedrückt – keine innige und herzliche Beziehung zum Eurovision Song Contest pflegt.

Innerlich bereitete ich mich auf eine ausgedehnte Verteidigungsrede meiner musikalischen Leidenschaft vor – aber es kam dann doch anders. Nein – Grand-Prix-Fan wird dieser Freund sicher nie werden, aber anscheinend konnte das Raab’sche USFO ihn doch zumindest überraschen - einen ernsthaften Musikwettbewerb hatte er wohl nicht erwartet.

Sharyhan fand er sehr „sympathisch“ und war beeindruckt davon, dass sie einen eigenen Song präsentierte. Leon fand er, hätte „überhaupt gar keine Ausstrahlung“ gehabt und sein Tipp, wer denn rausflöge, war Jennifer. Von Lena, Dursti und Katrin scheint er ganz überzeugt gewesen zu sein.
Nur warum denn da überhaupt mit einem Casting ein „Star“ gesucht werden würde, wenn der ESC doch eigentlich ein Lieder-Wettbewerb sei – das wollte er nicht so ganz verstehen. Und das ganze Casting-Brimborium fand er „überflüssig“.

Tatsächlich wurde nun nach der fünften Sendung ein Niveau erreicht, das sich absolut sehen lassen kann. Die Vorlieben für den einen oder die andere beim Publikum sind jetzt eigentlich nur noch Geschmackssache – qualitativ ist kaum mehr etwas auszusetzen.
 

USFO und DSDS

Dies spricht sich herum und bekommt auch viel Raum in der Presse. Wenn die Dienstag-Abendsendung  trotz kleiner Verbesserung auch kein Quotenrenner ist, scheint man bei RTL inzwischen nervös zu reagieren. Am vorigen Samstag wurde die Bohlen-Gemeinde  bei Deutschland sucht den Superstar von einem schreienden Moderator darauf eingeschworen, dass DSDS eine „nationale Aufgabe“ sei.

Aber auch bei Unser Star für Oslo hat man sich auf die „nationale Aufgabe“ zurück besonnen. Anscheinend kam dem NDR in den ersten Ausgaben der Eurovisions-Aspekt zu kurz. So forderte der NDR-Blog vergangene Woche, der ESC müsse ein deutlicheres Gewicht bekommen und prompt brachten gestern Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich die Eurovision und Oslo in nahezu jedem Satz unter. Und auch die Kandidaten und Kandidatinnen erzählten brav von ihren Oslo-Träumen.

Gut so – wenn Dursti sich jetzt bei der nächsten Sendung mit der Gitarre ans Mikro setzt und uns seine Version von Alexander Rybaks Fairytale singt – dann hätte er meinen Anruf sicher!


Noch fünf sind im Rennen: von li.: Sheryhan, Jennifer, Christian, Lena und Kerstin | Foto: USFO/Pro Sieben
 

Zurück zu gestern und für alle, die es verpasst haben:

Noch im Rennen:

Kerstin Freking: Die 21jährige Osnabrückerin ist tatsächlich Newcomerin. Außer einem Schulauftritt vor vielen Jahren hat sie keine Bühnenerfahrung. Aber noch nie hat man jemanden so schnell Erfahrung gewinnen sehen. Sie taut immer mehr auf, wirkt immer gelöster und ist mit viel Freude dabei.. Regina Spektors Better hätte niemand besser singen können. Solch ein Lied für Oslo und sie wäre die Traumkandidatin!

Lena Meyer-Landrut: Die 18jährige Abiturientin hat viele Anhänger. 7000 Fans zählt ihre Fan-Site bei Facebook und niemand würde ihr mangelndes Talent bescheinigen.
Für mich ist sie eine der talentiertesten Kandidatinnen – bei ihr können wir eigentlich sicher sein, sie unabhängig vom Abschneiden bei USFO bald wieder zu sehen. Nur ob sie die richtige Wahl für den Song Contest wäre, fragen sich viele. Ob sie denn überhaupt singen könne und ob es nicht immer ein ähnlicher Stil sei?. – Da aber niemand bisher die Songs kennt, die Stefan Raab und die Plattenfirma Universal am 12.März dem Publikum präsentieren werden, sind solche Überlegungen eher uninteressant. Juror Rea Garvey von Reamonn über Lenas Chancen: „Die Briten würden dir in Oslo wahrscheinlich 12 Punkte geben, weil sie denken, dass du eine von ihnen bist.“
New Shoes von Paolo Nutini hat sie gesungen – besser fand ich sie in der vergangenen Woche!

Jennifer Braun sang gestern Ain’t Nobody von Chaka Khan – schwierig, gefährlich und doch klasse gemacht! Persönlich fehlen mir bei Jennifers Bühnenauftritten die Leichtigkeit und die Freude, die die anderen fast immer ausstrahlen. In den Interviews und Filmeinspielungen wirkt sie wesentlich freier als auf der Bühne.

Sharyhan Osman trat wieder mit einem eigenen Song an: In The City. Gewagt, gewagt – es war im Gegensatz zu Feel The Nile ein sehr schwerer und melancholischer Song, der sich nicht wirklich einprägen konnte – trotzdem mochte ich den Auftritt Nur Stefan Raab ließ sie gestern mächtig zittern, deutete gar ein mögliches Azusscheiden an. Den Auftritt fasste er zusammen:: „Der Song hat auf mich den Eindruck einer guten, ayurvedischen Massage gemacht.“
Meine persönliche Meinung: Sharyhan wirkte vom ersten Auftritt an wie für die ESC-Bühne gemacht.
Nach Köln, bzw. Oslo geht Sharyhan übrigens an das Liverpool Institute for Performing Arts , für das sie einen Studienplatz bekommen hat. Paul McCartney unterrichtet dort!

Mando Diaos Dance With Somebody hatte sich Christian Durstewitz ausgesucht. Und wie immer lieferte er sehr individuell und sehr stimmungsgeladen ab.  Jurorin Joy Denalane: „Wie du da hinter deiner Gitarre stehst, erinnerst du mich an Prince. Ganz große Nummer.“
„Dursti“ selbst war glücklich, wieder mit Gitarre auf der Bühne stehen zu können, aber  wie es Ray Garvey perfekt auf den Punkt brachte, war sie ihm gestern ein wenig im Weg. Seine Auftritte ohne Gitarre waren noch mitreißender.
 

Ausgeschieden:

Nicht geschafft hat es gestern Leon Taylor. Seine Version von Eric Claptons Tears in Heaven wirkte nicht sehr authentisch und ließ einen Spannungsbogen vermissen - die Jury bemängelte seinen Ausdruck und seine Performance: „Telemarklandung“ nannte Stefan Raab Leons Haltung am Mikrofonständer.
Schade – Leon hat bei mir leider nie wieder die Wirkung seiner Grönemeyer-Interpretation aus der ersten Sendung wiederholen können.
 

Fortsetzung: Freitag, 5.3., 20:15 h

Am kommenden Freitag geht das USFO-Staffelholz dann an die ARD. Mal sehen, ob dort das Publikum dasselbe sein wird – eines ist fast sicher: wir werden 10 großartige Auftritte 5 großartiger Newcomer erleben! Traurig: es werden am Freitag zwei ausscheiden!

Im Gedanken an Oslo lehne ich mich auf jeden Fall ab jetzt ganz entspannt zurück. Das Fernsehpublikum hat mal wieder bewiesen, dass es intelligent und sachkundig abstimmen kann, wenn ihm nur genügend Qualität geboten wird.
Sicher könnte manches an USFO etwas straffer gehalten und die Sendung vielleicht etwas verkürzt werden, aber das sind Marginalien.

Aber niemand der letzten fünf Kandidatinnen und Kandidaten macht mir Angst – beim richtigen Titel kann ich mir alle in Oslo gut vorstellen.
Deshalb sind meine Favoritinnen auch nur eine völlig unfundierte persönliche Meinung: Ich würde gerne Kerstin, Sharyhan oder Christian in Oslo sehen!

 

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