Internationaler Frauentag USA: Gesundheitsreform benachteiligt Frauen

von Elif Beden - 06.03.2010
Gesundheitswesen in den USA: Opfer häuslicher Gewalt werden auf Grund der erlittenen Misshandlungen nicht krankenversichert. Staatlich versicherte Frauen müssen ihre Abtreibungen aus eigener Tasche zahlen.

Auch Zum Weltfrauentag gilt, dass der Kampf um die Gleichberechtigung von Mann und Frau selbst im westlichen Kulturkreis noch nicht ausgefochten ist. In den USA zeigt ein deregulierter Kapitalismus im Gesundheitswesen nicht nur den Frauen sein hässlichstes Gesicht: Das Krankenversicherungswesen besteht dort praktisch nur aus privaten Anbietern, deren einziges Ziel es ist, Profit zu machen. Das System lässt ca. 47 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner ohne jeglichen Versicherungsschutz und bedient sich der wirtschaftlich logischen, aber aus menschlicher Sicht abstoßenden Praxis, kranke Patientinnen und Pateinten wegen höherer Kosten nicht zu versichern.

Vor allem Frauen sind betroffen
Beispiel häusliche Gewalt: Opfer sind zumeist 90 Prozent Frauen, die mehr als einmal von ihrem Partner misshandelt werden. Deshalb wird häusliche Gewalt als so genannte „medizinisch bereits bestehende Kondition“ eingestuft. Durch diese Einstufung werden die Betroffenen zu höheren Preisen oder gar nicht versichert. Diese in mehreren amerikanischen Bundesstaaten legale Praxis von Versicherungsfirmen diskriminiert Frauen systematisch und schreckt sie ab, Anzeige zu erstatten.

Doch nicht nur private Versicherungen, sondern auch das staatliche Versicherungsprogramm „Medicaid“ benachteiligt Frauen. Der US-amerikanische Kongress verbot 1976 auf föderaler Ebene Steuergelder für Abtreibungen auszugeben. Dies bedeutet, dass Medicaid Abtreibungen nur in Notfällen, wie zum Beispiel bei einer aus einer Vergewaltigung hervorgegangenen Schwangerschaft abdecken darf.

Obamas Reform nicht ausreichend
Präsident Obama hat die Reform des Gesundheitssystems zu seiner innenpolitischen Priorität gemacht. Doch nicht alle vorliegenden Gesetzesvorschläge würden die Situation der Frauen verbessern. Nach dem Vorschlag des Repräsentantenhauses sollen private Versicherungen, die Schwangerschaftsabbrüche abdecken, keine staatlichen Beihilfen erhalten, auch wenn die Abtreibungen zu 100 Prozent aus Beiträgen bezahlt würden. Diese Hürde würde es selbst für Frauen der Mittelschicht erschweren, Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu lassen.

Viagra dagegen wird selbst von der staatlichen Versicherung übernommen. Auch wenn Abtreibung und Viagra sicherlich nicht gleichzusetzen sind, stellt sich dennoch die Frage, warum Steuerzahler es Männern ermöglichen sollen, selbst bestimmt über ihre Körper zu verfügen, während Frauen vom Steuerzahler bevormundet werden.

 

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Sehr informativer

Bild von Rürup Rente

Ziemlich guter Blog, werde hier ofters mal vorbei schauen. Unter Lesezeichen gespeichert...

Ammenmärchen

Bild von Anonymous

Es ist im übrigen auch ein feministisches Ammenmärchen, dass 90% der Opfer häuslicher Gewalt Frauen seien. Vielleicht sollten Sie - so als Ausgleich - auch mal feminismuskritische Literatur zu dem Thema lesen. Oder wenigstens die anerkannten Studien zu diesem Thema.

Quellen-Belege bitte. Keine

Bild von Gott

Quellen-Belege bitte. Keine fachterminologischen Nebelbomben werfen!

Ich finde den Beitrag sehr

Bild von Anonymous

Ich finde den Beitrag sehr gelungen ,da es stimmt ,dass die Frauen benachteiligt werden . Auch in deutschland gibt es solche Tendenzen. Durch die Kopfpauschale wird die Macht der privaten Krankenkassen immer größer werden ,da auf die Dauer Risiken zusätzlich abgesichert werden müssen und so Wenigverdienende benachteiligt werden .

Bitte?!

Bild von Anonymous

Es ist ja wohl das Normalste von der Welt, dass der Steuerzahler nicht für eine Abtreibung, bei der kein gewichtiger Grund vorliegt, wie z.B. eine schwere gesundheitliche oder seelische Belastung, zahlen muss. Es ist sogar eine bodenlose Frechheit, das zu fordern. Wenn eine Frau die Entscheidung trifft, ihre Schwangerschaft abzubrechen, kann man ja wohl erwarten, dass sie selbst die Kosten für "ihre" Entscheidung trägt. Ich möchte auch nicht für Abtreibungen bezahlen, weil viele Frauen nicht in der Lage sind, richtig zu verhüten.

Und das mit Viagra zu vergleichen ist ja wohl ein Witz. Viagra betrifft nur den Mann - eine Abtreibung betrifft auch das neu entstandene Leben. Ob man pro oder contra Abtreibung ist - den Eingriff mit Viagra zu vergleichen und zu heulen, wie arm die Frauen dran sind, ist feministischer Bullshit. Dass Opfer häuslicher Gewalt diskriminiert werden, ist in der Tat untragbar. Die Abtreibungs-Sache aber ganz sicher nicht.

Ich denke, niemand möchte

Bild von Elif Beden

Ich denke, niemand möchte dafür zahlen, wenn Frauen UND Männer nicht in der Lage sind zu verhüten.

Allerdings finde ich, dass man in ein sehr kompliziertes Feld kommt, wenn die Frauen (und die dazugehörigen Männer) nachweisen müssen, dass trotz richtiger Verhütung eine Schwangerschaft entstanden ist bzw. wenn man seelische/ körperliche Belastungen oder eine Vergewaltigung nachweisen muss. In Deutschland muss man theoretisch seelische/körperliche Belastungen nachweisen, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Da aber das Nachweisen einer solchen Belastung oft extrem schwierig ist, bekommt in Deutschland in der Praxis jede Frau einen -auch im Zweifelsfall vom Steuerzahler bezahlten- Schwangerschaftsabbruch und das finde ich auch nur richtig.

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