Auch Zum Weltfrauentag gilt, dass der Kampf um die Gleichberechtigung von Mann und Frau selbst im westlichen Kulturkreis noch nicht ausgefochten ist. In den USA zeigt ein deregulierter Kapitalismus im Gesundheitswesen nicht nur den Frauen sein hässlichstes Gesicht: Das Krankenversicherungswesen besteht dort praktisch nur aus privaten Anbietern, deren einziges Ziel es ist, Profit zu machen. Das System lässt ca. 47 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner ohne jeglichen Versicherungsschutz und bedient sich der wirtschaftlich logischen, aber aus menschlicher Sicht abstoßenden Praxis, kranke Patientinnen und Pateinten wegen höherer Kosten nicht zu versichern.
Vor allem Frauen sind betroffen
Beispiel häusliche Gewalt: Opfer sind zumeist 90 Prozent Frauen, die mehr als einmal von ihrem Partner misshandelt werden. Deshalb wird häusliche Gewalt als so genannte „medizinisch bereits bestehende Kondition“ eingestuft. Durch diese Einstufung werden die Betroffenen zu höheren Preisen oder gar nicht versichert. Diese in mehreren amerikanischen Bundesstaaten legale Praxis von Versicherungsfirmen diskriminiert Frauen systematisch und schreckt sie ab, Anzeige zu erstatten.
Doch nicht nur private Versicherungen, sondern auch das staatliche Versicherungsprogramm „Medicaid“ benachteiligt Frauen. Der US-amerikanische Kongress verbot 1976 auf föderaler Ebene Steuergelder für Abtreibungen auszugeben. Dies bedeutet, dass Medicaid Abtreibungen nur in Notfällen, wie zum Beispiel bei einer aus einer Vergewaltigung hervorgegangenen Schwangerschaft abdecken darf.
Obamas Reform nicht ausreichend
Präsident Obama hat die Reform des Gesundheitssystems zu seiner innenpolitischen Priorität gemacht. Doch nicht alle vorliegenden Gesetzesvorschläge würden die Situation der Frauen verbessern. Nach dem Vorschlag des Repräsentantenhauses sollen private Versicherungen, die Schwangerschaftsabbrüche abdecken, keine staatlichen Beihilfen erhalten, auch wenn die Abtreibungen zu 100 Prozent aus Beiträgen bezahlt würden. Diese Hürde würde es selbst für Frauen der Mittelschicht erschweren, Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu lassen.
Viagra dagegen wird selbst von der staatlichen Versicherung übernommen. Auch wenn Abtreibung und Viagra sicherlich nicht gleichzusetzen sind, stellt sich dennoch die Frage, warum Steuerzahler es Männern ermöglichen sollen, selbst bestimmt über ihre Körper zu verfügen, während Frauen vom Steuerzahler bevormundet werden.



Auf beta.vorwaerts.de können Sie sich schon mal die neue Seite von vorwaerts.de anschauen.