Wir geben es zu: die erste Show am letzten Dienstag hat uns noch nicht wirklich vom Hocker gerissen - andere Medien haben sich bereits voir Begeisterung überschlagen, aber wir wollten in den Stefan-Raab-Hype noch nicht so ganz einstimmen. Zwar hatten wir auch lange darauf gewartet, aber mitgerissen hatte uns der erste Dienstag nicht.
Zu zäh lief es am Anfang. Das war sicher auch dem Umstand zu schulden, dass das Privatfernsehen eben sein Geld verdienen will und deshalb lange Werbepausen und ein überlanges Televoting einfach mit zum Programm gehören. Aber Marius Müller-Westernhagen ("Ich bin ja eigentlich ein Gegner von Casting-Shows" - ergänzen möchte man an dieser Stelle: "Aber mich selbst finde ich unglaublich toll") hat gelangweilt und gelangweilt und gelangweilt und gelangweilt. Das war leider ein Fehlstart in der Jury, die den ganzen Abend etwas nervig machte und dem Anspruch der Show, die Künstler und die Musik in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen, etwas zuwider lief.
Dabei stimmten die Rahmenbedingungen: ein großes Studio, mehr als 1000 Zuschauerinnen und Zuschauern, eine richtig große Bühne und mit den Heavytones eine sagenhaft gute Live-Band. Warum hat man beim ESC die Live-Begleitung durch ein Orchester eigentlich abgeschafft?, fragten wir uns immer wieder!
Das Setting war gut gewählt - schließlich geht es nicht darum, einen guten Bar- oder Hinterzimmer-Sänger zu finden, sondern jemanden, der oder die auch vor 20.000 Zuschauern in Oslo die Nerven nicht verlieren wird.
Dass nicht alle Casting-Teilnehmer dies erfüllten, versteht sich eigentlich von selbst.
Und so gab es in der ersten Show am Ende vier Gewinnerinnen und einen Gewinner, aber vor allem im Gedächtnis blieben Lena Meyer-Landrut, die eine mitreißend lockere Show ablieferte und an beste Stefanie-Heinzmann-Tradition anschloss, sowie Cyril Krüger, der mit seiner Version des alten Schmusehits Hotel California der Eagles und mit seinem zweifellos blendenden Aussehen gewiss beim Televoting weit vorne gelandet ist.
Der heutige zweite Abend allerdings lief wesentlich runder und die Auswahl für die fünf besten fiel um einiges schwerer als vergangene Woche.
Auch war das Konzept gestrafft worden und die Jury zeigte, dass man auch mit wenigen Worten und ohne Selbstbeweihräucherung gute unterstützende Arbeit leisten kann.
Mit den fünf Siegerinnen und Siegern wurde eine gute Wahl getroffen: Straßenmusikerin Lisa-Maria Straßburg aus Mecklenburg - sagenhaft gute Stimme, auch wenn sie am Charisma noch arbeiten könnte, Jennifer Braun - mit 18 charmant selbstsicher und ebenfalls mehr als nur stimmsicher, Sharyhan Osman - das Outfit hätte bereits für Oslo gepasst und mit einem extrem angenehmen Timbre und Christian Durstewitz - 20jähriger Emo, der mit Faith schon fast an George Michael heranragte!
Aber dann vor allem Leon Taylor! Sein Auftritt war für uns der Höhepunkt beider Abende. Er war der einzige der einen deutschen Titel sang - darauf hatten wir lange gewartet - und er sang Der Weg einfach sagenhaft gut und trat den Beweis an, dass ein Grönemeyer-Song auch musikalisch und stimmlich perfekt gesungen werden kann und die Textzeilen sogar auf Anhieb verstanden werden können. Sein Startvorteil ist seine Erfahrung: Er war Publikumspreisträger beim John-Lennon-Talent-Award 2009, spielte in Fernsehserien mit und stand im Vorprogramm von Rod Steward auf der Bühne. Sein Vater Ken Taylor ist übrigens der langjährige Bassist von Peter Maffay, der diese Woche mit Sarah Connor und natürlich "Mr President Stefan Raab" die Jury bildete. Aber kein Problem - die Jury berät nur, abgestimmt haben die Fernsehzuschauer.
Gerne hätten wir noch Franziska Weber mit in die nächste Runde genommen, die mit Love Foolosophy von Jamiroquai und platinblonder Perücke einen mitreißenden Auftritt hingelegt hat - gereicht hat es für sie leider nicht!
Nach diesem zweiten Dienstag sind wir nun richtig gespannt auf die Fortsetzung, denn von den Kandidatinnen und Kandidaten kennen wir bislang nur einen Titel - ihre Vielseitigkeit müssen sie erst noch beweisen.
Und schließlich muss in der Finalshow am 12. März auch und vor allem noch ein passendes Lied gefunden werden. Doch wir sind zuversichtlich, dass wir diesmal einen Titel und einen Künstler oder eine Künstlerin nach Oslo schicken, hinter dem wir mehr stehen können als in den vergangenen beiden Jahren.
Stefan Raabs Konzept scheint mal wieder aufzugehen!
Nächste Sendung: Dienstag, 16.2., 20:125 h auf Pro7!
Alle Videos der beiden ersten Shows auf www.unserstarfüroslo.de!

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