Euro-Vision 2010 - Das ESC-Blog von Marc Schulte und Martin Schmidtner Stefan Raab und die Rettung der deutschen Fernsehunterhaltung

von Marc Schulte - 13.09.2009
Ein historisches Ereignis: zum High-Noon des vergangenen Donnerstag unterbrachen sowohl der öffentlich-rechtliche Nachrichtensender Phoenix als auch der private Sender N24 ihr Programm für die synchrone Übertragung einer Pressekonferenz. Worum ging es? Um das Kanzlerduell? Nein, weit gefehlt! – Worauf die Nation in diesen Zeiten gewartet hat, war die Pressekonferenz von ARD und Pro7 zum deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2010 in Oslo!




Vier Monate sind vergangen seit dem ESC in Moskau. Erst ein Drittel eines langen Jahres zwischen zwei Grand Prix – jedoch schon Halbzeit vor dem Start der neuen Saison, denn bereits im November will Aserbaidschan seinen Song für Oslo vorstellen – und dann geht es wieder Schlag auf Schlag und auch unsere geneigten Leserinnen und Leser werden wieder regelmäßig mit Neuigkeiten versorgt werden.
 
Also allerhöchste Zeit für unsere deutsche Vorauswahl, die sich im vergangenen Jahr in ihrer tiefsten Krise seit langem befand – es fand nämlich de facto keine statt -, der ungeduldig harrenden Fangemeinde wieder einen Funken Hoffnung zu geben.
Bereits im Mai wollte der NDR sein neues Konzept für 2010 vorstellen, nämlich eine Zusammenarbeit mit Stefan Raab und dessen Haussender Pro7, aber Bedenken in der Runde der ARD-Intendanten hatten diesen Plänen zunächst einen Riegel vorgeschoben; Stefan Raab reagierte zickig, ließ verlauten, die geplante Zusammenarbeit werde wegen der Schwerfälligkeit der ARD nicht zustande kommen und stürzte die Fans damit erst mal in Hoffnungslosigkeit.
 
Doch hinter den Kulissen wurde weiter verhandelt – nach weiteren Sondierungs- und Koalitionsgesprächen steht nun das Bündnis für die „nationale Aufgabe“, einen würdigen Vertreter oder eine würdige Vertreterin Deutschlands für den 29.Mai 2010 in Oslo zu finden.
 
 
Natürlich wurde in der Pressekonferenz gestichelt und gewitzelt, über Rundfunkgebühren und Werbeeinnahmen, über Simpsons-Ausstrahlung gegen Kanzlerduell, aber einig waren sich die Damen und Herren der beiden Sender zumindest in ihrem Bestreben, gemeinsam RTL und dessen DSDS (Deutschland sucht den Superstar) das Wasser abzugraben und mit dem eigenen neuen Format des Vorentscheid-Castings etwas beständigeres, dauerhafteres und qualitätsvolleres auf die Beine zu stellen.
 
Bereits ab kommenden Freitag soll das Casting für „Unser Star für Oslo 2010“ beginnen und innerhalb von 8 Wochen abgeschlossen sein. Gesucht werden unbekannte, neue Gesichter und Talente. Die Bewerbung kann ab sofort hier online abgegeben werden.
20 KandidatInnen werden für die 8 Vorrunden ausgewählt, die im Februar und März bei Stefan Raab auf Pro7 laufen werden. Vorbild wird dabei Stefan Raabs bereits erfolgreiches „Stefan sucht den Superstar“ sein, mit dem er 2004 Max Mutzke zum ESC nach Istanbul brachte und im vergangenen Jahr Stafanie Heinzmann zum Erfolg castete. 2005 gab es für dieses Format sogar den Grimme-Preis.
Stefan Raab urteilt als Juryvorsitzender über die 20 KandidatInnen, in jeder Sendung unterstützt von zwei weiteren Juroren aus dem Bereich der Musik oder des Entertainments. Es sind jedoch Urteile ohne Auswirkung – allein die FernsehzuschauerInnen bestimmen, wer in die nächste Runde kommt.
Zum Abschluss wird es dann ein Viertel- und Halbfinale geben, bevor im großen Finale die beiden letzten KandidatInnen das Rennen unter sich ausmachen.
Dabei wird das Fernsehpublikum zunächst unter mehreren Titeln den Song für Moskau wählen und anschließend dann den Kandidaten oder die Kandidatin bestimmen dürfen. Das ist es, was im vergangenen Jahr aus den Reihen der ESC-Fans immer wieder gefordert wurde – dem Song Contest dürfte es innerhalb Deutschlands gewaltigen Auftrieb verschaffen.

 
Übrigens teilen sich die beiden Sender die Kosten für die Bühnenbilder der jeweiligen Shows – alles andere soll aus eigener Tasche bezahlt werden.
Pro7 wird die 8 Vorrunden sowie das Halbfinale übertragen, die ARD das Viertelfinale und das Finale.
Die Zusammenarbeit soll dabei keineswegs auf 2010 beschränkt bleiben.
Damit hat Stefan Raab die Chance, endgültig das Erbe von Ralph Siegel anzutreten. Immerhin ist er bereits der erfolgreichste deutsche Grand-Prix-Teilnehmer seit Nicole – sein Wadde hadde dudde da? ereichte in Stockholm im Jahr 2000 den fünften Platz. Als Texter Alf Igel führte er 1998 Guildo Horn zum 7.Platz in Birmingham und in Istanbul 2004 belegte „sein“ Max Mutzke den achten Platz.
 Ralph Siegel (Foto: Martin Schmidtner)
 
Bei der Pressekonferenz am Donnerstag versprühte er deshalb auch vorsichtigen Optimismus: er würde gerne mit dem „Star für Oslo 2010“ einen Platz unter den Top Ten erreichen.
Doch nicht das Ergebnis in Oslo sei entscheidend, sondern – und das war d a s Wort der Pressekonferenz – die „Emotionalisierung“ des deutschen Publikums.
Wenn das Publikum über zwei Monate und 11 Shows den Casting-Prozess begleitet, dann hat der deutsche Titel eben mehr Rückhalt und Unterstützung beim Publikum, es findet im Gegensatz zum vergangenen Jahr wieder eine Identifizierung mit dem Titel statt – und das wird dem Stellenwert des Eurovision Song Contests in Deutschland generell wieder mehr Aufmerksamkeit und Auftrieb bescheren.

Thomas Schreiber vom NDR (Foto: Martin Schmidtner)
 
Hut ab vor Thomas Schreiber, der als verantwortlicher NDR-Redakteur den Deal mit Stefan Raab eingefädelt und gegen die Widerstände der ARD nun doch unter Dach und Fach gebracht hat!
 
International hat Oslo bereits eine ungleich größere Aufmerksamkeit als Moskau in diesem Jahr. Der Erdrutsch-Sieger von Moskau Alexander Rybak hat wie keiner seiner Vorgänger in den vergangenen Jahren auch nach dem Grand Prix internationalen Chart-Erfolg. Und bereits im Juni gab es kein freies Hotelzimmer in Oslo mehr.
 
Doch wir werden natürlich dabei sein – was wäre der Vorwärts ohne sein ESC-Blog?!

Alexander Rybak bei seinem Sieg für Norwegen in Moskau (Foto: Martin Schmidtner)
 
 

Ausblick

 
Mitte September wird sich übrigens die EBU (European Boradcasting Union) mit dem Verhalten Aserbaidschans während des Moskauer ESCs beschäftigen. Dort war es zu Unregelmäßigkeiten bei der Ausstrahlung sowie zu schweren Vorwürfen zum Televoting gekommen: 43 Anrufer aus Aserbaidschan sollen für Armenien gestimmt haben; diese 43 seien nach einem Bericht der BBC dem Ministerium für Nationale Sicherheit bekannt und zwei von ihnen sollen zu ihrem Abstimmungsverhalten "befragt" worden sein - dies ist nicht nur ein weiteres armseliges Kapitel im Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Region Berg-Karabach, sondern ein in der Geschichte des ESCs unerhörter Vorgang, der eigentlich zu Konsequenzen führen müsste.. Wir werden selbstverständlich auch darüber berichten.
 
 
Alle bisherigen Beiträge unseres Blogs finden sich über den Link:  ESC-Blogs
 
 

 

 

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Genau! "Anne Tricks" ist

Bild von Sabrina_B

Genau! "Anne Tricks" ist echt ein Müll und hat hier nichts zu suchen!

Ansonsten zum Thema: Finde, das man nach dem diesjährigen ESC gesehen hat, dass Lena leider keine "grosse Karriere" bevorsteht. Kurz mal "Taken by a stranger" gesungen und schon ist sie wieder in der Versekung verschwunden. Das zickig-arrogante Interview mit Frank Elstner hat ihr dabei wie ich finde noch den Rest gegeben. Und da wird auch der findige Herr Raab nichts mehr dran ändern können, dass es mit seiner "ESC-Lena" nun vorbei ist...lg, Sabrina

Spam...

Bild von Martin Schmidtner

Danke für den Hinweis. Jedoch werden die Kommentare nicht von uns, sondern von der vorwärts-Redaktion freigeschaltet.

Zu Lenas Karriere: ich bin mir da nicht so sicher. Ich glaube schon, dass man noch von ihr hören wird, allerdings vermute ich, dass sie eher im Schauspielfach als in der Musik weitermachen wird.

MS

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Bild von Marco

Du solltest mal schauen, was für Kommentare Du freischaltest. Der Glückspiel-Quatsch ist reiner Spam.

Stefan Raab...

Bild von David Cortes

Nun, eines kann man dem Herrn Stefan Raab zumindest nicht absprechen: Und das ist sein Gespür für Talent - und wem das zu plakativ ist, dann eben: für den Puls der Zeit. Talent hatten und haben ohne Zweifel ein Max Mutzke oder Chr. Durstewitz, welche erst ihre Künste einer grossen Masse präsentieren konnten, als Raab ihnen eine Bühne gab. Und zum Trend-Phänomen: Dies verkörpert Lena M.-L. in jedem Fall, nur würde ich vorsichtig sein, ihr das Talent abzusprechen...Perfekter Gesang ist nicht alles - das weiss man nicht erst spätestens seit den Zeiten einer Madonna oder - wers aktueller mag - einer Lady Gaga.

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