Am 16. Januar erschien ein Artikel mit Björn Böhning auf Spiegel-Online (welcher auch in der Print-Ausgabe abgedruckt wurde), in dem man lesen konnte, dass sich die SPD nach der Wahlschlappe wieder die verlorenen Stimmen durch die - nach meiner Meinung miserabelen Entscheidungen im Bereich der Netzpolitik zurückholen wolle.
Die Idee klingt gut: Die Experten aus dem im Vorjahr aufgelösten Online-Beirat der SPD werden sich in einem neuen Arbeitskreis zusammenfinden, welcher nach Möglichkeit nicht nur eine beratende, sondern eine mitbestimmende Funktion hat. Aber dabei wollte es Björn nicht belassen, denn nach seiner Vorstellungen "soll dieser Gesprächskreis sehr offen angelegt sein." Wobei dies aber vollkommen der Parteivorstand zu entscheiden habe, weil das "beschließt letztlich niemand anders."
Und anscheinend hat der Parteivorstand nicht nach der Meinung von Björn gehandelt, oder er meinte es nicht ganz so, wie er es den Medien verklickern zu versuchte. Denn nun haben wir folgende Situation: netzpolitik.vorwärts.de sucht im Auftrag des Parteivorstandes drei weitere Mitglieder für den Arbeitskreis. Was ist denn da los?!
Die Liste der bereits im Arbeitskreis vorhandenen Mitgliedern ist lang und anscheinend nicht zu ändern. Wieso man über diese geschätzen 20 Leute nicht abstimmen kann ist fraglich, vielleicht geplante Strategie?! Denn drei neue Mitglieder haben es schwer gegen mehr als das 5-fache, aber das ist nur reine Spekulation.
Meine Sorge ist nur, dass der neue "Arbeitskreis Netzpolitik" der SPD zu einem Online-Beirat reloaded führt, welcher eigentlich auch offen sein sollte. Die von Björn Böhning ausgesprochenen Forderungen für einen offenen Kreis sind also dahin, die SPD wird sich weiterhin in einem geschlossenen Rahmen über die Zukunft der Partei im Onlinewesen unterhalten. Nach meiner Meinung sollte es JEDEM Mitglied möglich sein diesen Arbeitskreis zu besuchen. Wenn dies den Rahmen sprengen sollte, soll zumindest jeder Ortsverein einen Gesandten schicken können.
Die von Björn in einem Kommentar abgegebene Argumentation dass dies finanziell nicht möglich sei, möchte ich nicht hinnehmen. Der Arbeitskreis kann sich kostenlos in Räumlichkeiten der Partei treffen, für Getränke muss die jeweilige Person selber sorgen, anders ist es beim Internetbeauftragten-Treffen der Berliner SPD auch nicht.
Nun möchte ich noch ein kleines Fazit aus den Geschehnissen der letzten Wochen ziehen: Die Idee klingt gut, die Umsetzung läuft vollkommen falsch. Ein solcher Arbeitskreis sollte offen für jeden sein, welcher sich netzpolitisch in seiner eigenen Partei engagieren will. Ich hoffe, dass sich der Arbeitskreis nicht zu einer Führungsrige der Partei im Bereich "Web 2.0" entwickelt.



Auf beta.vorwaerts.de können Sie sich schon mal die neue Seite von vorwaerts.de anschauen.