Es war die Ruhe vor dem Sturm, die den Gäste auf der weißrussischen Party zu Beginn um 20.00 Uhr begegnete. Schließlich waren die meisten anderen Pressevertreter und Fans entweder gerade bei anderen Partys und schon zuvor auf dem isländischen Empfang. Den Ruf jedoch, dass die Länder aus den östlichen Regionen bei ihren Party eher klotzen, statt zu kleckern, wurden die Weißrussen auch dieses Mal wieder gerecht.
Ein Buffet wurde aufgebaut mit Fleischbällchen, ähnlich den Köttbullar in Schweden, und Fischspezialitäten. Natürlich so oft und so viel man wollte. Und auch bei der flüssigen Nahrung ließ sich die Delegation um die weißrussische Gruppe 3+2 nicht lumpen. Hier wurden nicht etwa Gutscheine oder Getränkebons verteilt. Nein, einfach an die Bar gehen und auf den zuständigen Sender BNT anschrieben lassen. So macht feiern doch Spaß. Zum Abschluss wurde dann noch, natürlich auch auf dem Buffet, ein leckerer Apfelkuchen serviert.
Doch nicht nur das liebliche Wohl wurde an diesem Abend im EuroClub gesichert. Zahlreiche Künstler des diesjährigen ESC waren dem Ruf der Weißrussen gefolgt und zeigten ihre Gesangsdarbietungen. Das Ganze erinnerte schon fast an ein Mini-ESC-Konzert, ähnlich dem, welches im April in Amsterdam veranstaltet wurde. Damals waren 14 Länder zusammen in die niederländische Hauptstadt gekommen, um ihre Lieder vor mehreren hundert Fans darzubringen. Ihren großen Auftritt auf der Bühne des EuroClub hatten an diesem Abend außer natürlich den Weißrussen auch Polen, Lettland, die Ukraine, Russland, Armenien, Moldau, Israel und Aserbaidschan.
Komischerweise waren dies genau die gleichen Länder, die zuvor schon bei der mazedonischen Party aufgetreten sein sollen. Denn offiziell scheint es tatsächlich eine Party aus Mazedonien gegeben zu haben, nur 150 Meter vom EuroClub entfernt. Aber ich habe bis heute noch keine Person gesehen, die auch wirklich dort gewesen war. Höchst suspekt.
Auch weitere Delegationen waren ebenfalls in den EuroClub gekommen, wenn auch ohne einen Auftritt auf der Bühne zu bestreiten. So waren Bosnien-Herzegowina, Malta und die Schweiz ebenfalls im Partygetümmel vertreten, womit Thea Garrett hartnäckig ihre Führung bei den meisten EuroClub-Stunden verteidigt. Bei den Malteser merkt man einfach, dass sie in Oslo wirklich einfach Spaß haben wollen. Bei den Männern unangefochten vorne liegt Marcin MroziÅ„ski, der im Namen der polnischen Delegation auch schon seine Länderparty für den 22.Mai angekündigt hat.
Alles in allem kann festgestellt werden, dass diese Party geradezu grandios war, wenn... Ja, wenn die Weißrussen nicht einen übertrieben Hang zur Dramatik hätten. Ist ihr Beitrag “Butterflies” noch knapp unterhalb der Schmerzgrenze zum Kitsch, so schoßen sie während ihrer Feier über das Ziel hinaus, als sich auf offener Bühne eine Verlobung zwischen zwei Bandmitgliedern – da es Weißrussland ist natürlich männlich und weiblich – vollzogen wurde, die jedoch schon seit längerm feststand. Wollen wir hoffen, dass auch auf weißrussisch der Spruch besteht: “In guten wie in schlechten Tagen”. Denn wirklich überzeugend scheint diese Zuneigung nun nicht. Aber immerhin gab es noch von allen auftretenden Delegationen Geschenke für die beiden. Ist doch schon mal was.
Auch nach der offiziellen Beendigung der weißrussischen Party um 22.30 Uhr wurde jedoch noch kräftig weitergefeirt. Unter anderem auch mit “Saellite”, “Wir geben 'ne Party (ESC 1994) und “Dschinghis Khan”. Man spricht also deutsch im EuroClub. Stargast war dabei auch ein Superstar der ESC-Szene: Alexander Rybak besuchte kurz den EuroClub und ließ sich sogar zu einem Auftritt der Bühne überreden, im dem er ein Lied aus seinem Album “Fairytale” sang.
Zum Ende des Abends hatte ich weiterhin noch kurz Gelegenheit mit Christina Chanée, dem weiblichen Part von Dänemarks Vertretern, zu reden. Als konstruktive Kritik gedacht gestand ich ihr meine Bedenken gegen des Auftritt der beiden. Sie nickte mit dem Kopf, sprach aber, sie sei sehr müde und ausgelaugt wegen der Probleme in ihrer ersten Probe. Alles lief nicht so, wie zuvor vorgestellt. Sie versprach aber, dass Dänemark bis zum zweiten Halbfinale hart arbeiten und sich verbessern wird.
Vielleicht wird aus den Urlaubsrentern doch noch ein glaubhaftes Duett.
Immerhin werden die Dänen ja, ohne es selbst zu wissen, die Herzblatt-Trennwand wieder in das deutsche Fernsehen zurückbringen.
Der Probentag Stunden zuvor verlief dabei ohne größere Vorkommnisse. Moldau bringt wieder eine super Opening-Nummer, hinter der die Russen seltsam blass aussehen. Das größte Land der Welt ist dabei nur ein Wackelkandidat für den Finaleinzug.
Estland und seine sechs Interpreten bieten immer noch in der Halle eine Gänzehautatmosphäre, die jedoch nicht auf dem Bildschirm transportiert werden kann. Finale fraglich.
Schlechte Nachrichten auch für die Freunde des slowakischen Beitrages, da dessen Interpretin immer noch nicht zu einer gesanglichen Mindestform gelangt ist. Ist sie nicht ihren 22 Jahren eventuell noch zu nervös für solch eine Veranstaltung?
Erfrischend in Weiß und vor allem gesanglich in guter Form präsentieren sich dahinter die Finnen, die mit ihrer postiven Ausstrahlung auf dem Bildschirm gute Chancen auf das Weiterkommen.
Auch am Auftritt Lettlands hat sich nichts geändert, lediglich die Kleider stehen noch nicht ganz fest.
Serbien kommt mit nun mit drei weißen Säulen im Hintergrund, vor denen zwei in Weiß gekleidete Frauen stehen bzw. tanzen. Milans blauer Anzug hebt sich dabei farblich krass und gut und seiner blonden Frisur ab.
Auch Bosnien und Polen bieten uns auf der Bühne keine Überraschung, wobei der der polnische Vertreter, Marcin MroziÅ„ski, auf der Pressekonferenz plötzlich die Rollen tauschte. Blitzschnell holte er seine Videokamera heraus, um während einer Aufnahme zu erklären, dass er selbst einen ESC-Videoblog habe und wir bald alle auf Youtube zu sehen sein werden. Daher bitte recht schon lächeln und winken! Ein wirksam positiv bekloppter Typ, dieser Marcin, so dass es vielen im Pressezelt schmerzt, ihn wahrscheilich nicht im Finale wiedersehen zu können.
Den Probentag schlossen Belgien und Malta ab, die während der Probe mit einer defekten Kamera zu kämpfen hatten. Belgien scheint dabei aber ein sicherer Finalkandidat, bei Malta scheiden sich die Geister. Aber wenn alles so weiter geht wie bisher, gewinnt Thea ja wenigstens den Wettbewerb der meisten Partybesuche im EuroClub!



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