Sinn und Zweck der Sozialen Netzwerke ist es mit Anderen in Kontakt zu treten, neue Freunde, aber auch Unterstützer zu gewinnen, kurze Statusmeldungen oder Kommentare zu veröffentlichen, aber auch Fotos hochzuladen oder auf kommende Veranstaltungen hinzuweisen.
Die deutsche Version, wobei es falsch ist es so zu betiteln, ist StudiVZ bzw. MeinVZ. Momentan werden diese Plattformen von der Mehrheit der Deutschen noch präferiert. Den direkten Vergleich im Hinblick auf Interaktionsmöglichkeiten gewinnt jedoch Facebook. StudiVZ wird zwar ab Mitte Mai versuchen, die politische Diskussion im Wahlkampf 2009 mit einer eigenen online „Wahlzentrale“ zu beeinflussen, es scheint aber, dass dieses Konzept zu spät ansetzen wird.
Wahlkampf 2.0
Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf hat die Sozialen Netzwerke erstmals direkt in die Kampagnen mit eingebunden. Die Zahl der sogenannten Unterstützer vom jetzigen Präsidenten Obama stieg im Laufe seiner Kampagne kontinuierlich an. Mittlerweile (April 2009) hat Obama 6.239.300 Unterstützer in Facebook. Die deutschen Zahlen sind hingegen eher ernüchternd, wobei immer wieder zu erwähnen ist, dass die Umstände der US-Wahl nicht mit den Bundestagswahlen in Deutschland zu vergleichen sind. Angela Merkel hatte im April 2009 7.961 Unterstützer (ein gewisser Kanzlerinnen-Bonus schwingt mit) und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatte im gleichen Zeitraum 3.174 Unterstützer.
Das Obama Team nutzte Facebook zur Kommunikation und Organisation verschiedener Aktivitäten und Aufrufe. Diese Art der Kommunikation mit Unterstützern erscheint wesentlich einfacher und effizienter, als ein Telefonat oder das direkte Gespräch. Denn es ist möglich in kürzester Zeit - mit geringstem Aufwand - einen großen Kreis an Unterstützern direkt anzusprechen, unterschiedlichste Informationen mitzuteilen und gleichzeitig zu animieren, sich aktiv in die Kampagne einzubringen.
Das richtige Engagement
Natürlich bedarf es seitens der Politiker eines bestimmten Mitarbeiter-Pools um das Profil bzw. die Unterstützerseite kontinuierlich mit aktuellen Informationen versorgen zu können. Immer mehr Deutsche Politiker sind nun auch bei Facebook anzutreffen. Ob sie alle ihre Seiten selbst verwalten scheint sehr fraglich. Man kann aber grundsätzlich davon ausgehen, dass die Statusmeldungen im Profil – vielleicht auch als Twitter-Verknüpfung – selbst vom Handy oder Notebook gepostet werden. Alle weiteren Details, mit Ausnahme von direkten Dialogen, werden sicherlich zum Großteil von Mitarbeitern übernommen.
Soziale Netzwerke ermöglichen es, dass Diskussionen und Kampagnen losgelöst von Parteistrukturen stattfinden können. Die grundlegende Entscheidung, den Usern bzw. Wählern die Möglichkeit zu geben die Diskussionen und Aktivitäten unabhängig gestalten zu können, ist der erste und wichtigste Schritt um peer-produced content zu erhalten. Dies macht die Kampagnen lebendiger, attraktiver aber auch transparenter für Außenstehende. Das sogenannte „Obama-Girl“ oder das Video „Vote Different“ sind dafür die besten Beispiele.
Pro oder Contra
Soziale Netzwerke bieten den Vorteil der direkten Interaktion. Neben Diskussionen kann man die Politiker den Tag über „begleiten“. Die Netzwerke, sofern diese regelmäßig gepflegt werden, machen die poltische Arbeit transparenter. Ein zentraler Punkt, denn in der öffentlichen Wahrnehmung scheint dies stets ein großes Manko zu sein.
Fraglich ist, wie groß die Reichweite der Sozialen Netzwerke wirklich ist? Meistens sind die Politiker lediglich mit „richtigen“ Freunden oder Parteimitgliedern befreundet. Die Diskussionen finden dann zwar online, aber noch immer in einem internen Kreis statt. Insofern sei die Frage gestattet, ob sich der Aufwand lohnt? Oder bieten die Sozialen Netzwerke den Politikern nicht viel mehr die Möglichkeit den Freunden die eigenen Aktivitäten näher zu bringen, um in der (internen) Wahrnehmung noch präsenter zu sein?
Gleichzeitig sollten alle Nutzer, ganz gleich ob Wähler oder Politiker sich stets bewusst darüber sein, dass alle online Aktivitäten archiviert und nachvollziehbar sind. Gerade für Personen des öffentlichen Lebens bieten die Sozialen Netzwerke mehr Angriffsfläche für den poltischen Gegner. Man sollte sich also selbst die Frage stellen, wo für einen die Grenze zwischen Privatsphäre und Beruf verläuft. Es sollte doch keinesfalls so sein, dass Informationen gepostet werden nur um ihrer selbst willen.
Man selbst möchte doch nicht wirklich einen Politiker, der seinen gesamten Tagesablauf stets online postet. Dies würde doch im Umkehrschluss bedeuten, dass eigentlich keine Zeit mehr bleibt, um sich den wesentlichen Dingen widmen zu können. Manchmal und gerade im Wahlkampf scheint weniger dann doch eben mehr zu sein!
Sven Malte Sopha (26), Staatswissenschaftler, schreibt derzeit seine Abschlussarbeit an der Erfurt School of Public Policy zum Thema „Political Campaigning 2.0“.



Auf beta.vorwaerts.de können Sie sich schon mal die neue Seite von vorwaerts.de anschauen.