Fußball-Bundesliga Slapstick zum Genießen

von Björn Rosigkeit - 14.12.2009
Am 16. Spieltag geizt die Bundesliga nicht mit Kuriositäten, im Gegensatz zur letzten Woche fallen an diesem Spieltag sogar viele Tore.

Kurios wurde es bereits am Freitag als der Tabellenführer aus Leverkusen zum Schlusslicht nach Berlin reiste. Die neue Herthaner Tormaschine Adrian Ramos brachte den Ligaletzten früh in Führung. Danach zeigte die Hertha eine taktisch gute Leistung a la Friedhelm Funkel, heißt der knappe Vorsprung wurde mit Mann und Maus verteidigt.

Es passt ins Bild, dass aller Einsatz letztendlich nicht ausreichte und Leverkusen erst ausgleichen und dann sogar in der letzten Minute den Führungstreffer erzielen konnte. Das Leverkusener 2:1 war allerdings ein Tor der Marke "Geht-doch-eigentlich gar-nicht". Der noch nicht allzu berühmte Burak Kaplan zieht aus 16 m einfach mal ab, sein harmloser Schuss wird abgefälscht und senkt sich unhaltbar für Berlin-Keeper Drobny ins Netz. Und das quasi mit dem Schlusspfiff, vom Glück ist die Hertha nun wahrlich nicht verfolgt.

Nicht wenige Fans dürften diesen Moment genutzt haben um entweder abzuschalten oder nach Hause zu gehen, da hatten sie aber die Rechnung ohne die Tormaschine gemacht. Sowohl Adrian Ramos als auch der Fußballgott hatten noch ein Ass im Ärmel und so fiel in wirklich allerletzter Sekunde noch der Ausgleich. Der eine Punkt ist zwar immer noch zu wenig für das Schlusslicht aus der Hauptstadt, für die Moral zumindest dürfte er aber Auftrieb geben. Und wer weiß, vielleicht meldet sich der Fußballgott wirklich zurück bei der Hertha, ein Sieg nächste Woche bei den Bayern und man darf auch in Berlin wieder träumen...

... zumal die anderen untenstehenden Teams alles versuchen den Abstand zwischen sich und der Hertha nicht zu groß werden zu lassen. Nürnberg beispielsweise fungiert derzeit als Punktelieferant der Liga. Gegen stark kriselnde Hamburger setzte es im eigenen Stadion eine satte 0:4-Niederlage, Besserung ist im Frankenland nicht in Sicht. Den HSV hat es gefreut, nach fünf sieglosen Spielen endlich wieder ein dreifacher Punktgewinn, damit melden sich die Hanseaten zurück im Titelkampf. In Bochum läuft es auch nicht besser.

Herrlich ist beim VFL nach wie vor nur der Trainer, die Mannschaft blieb bei der völlig verdienten 1:5-Klatsche gegen die zugegeben erstarkten Bayern den Beweis der Ligatauglichkeit schuldig. Höhepunkt des Spiels und erste Slapstickeinlage des Wochenendes war das Eigentor des VfL-Abwehrstrategen Mergim Mavraj - eine eigentlich harmlose Flanke von der linken Seite wollte Mavraj wohl mit voller Wucht aus dem Stadion schießen, leider rutschte ihm der Ball über den Spann und schlug unhaltbar für den eigenen Torwart, der sich bereits auf den Weg gemacht hatte um die Flanke abzufangen, im langen Eck ein.

Den Bayern war es egal, sie erzielten noch vier eigene Treffer und rundeten so eine perfekte Woche ab. Seit langer Zeit leuchtete Uli Hoeneß Gesicht wieder rot vor Glückseligkeit, nach dem 4:1 in Turin und dem 5:1 in Bochum nur allzu verständlich. Freiburg und Köln machen derzeit auch nicht gerade Werbung für einen Ligaverbleib, vor allem die Kölner sorgen bei mir für Fassungslosigkeit. Wieder 0:0, keine Tore, keine Highlights und der Freiburger Kapitän fasste den Verlauf des Spiels nach dem Abpfiff wie folgt zusammen: "Das war eben ein typisches 0.0-Spiel". Immerhin singen mittlerweile sogar die Kölner Fans auf Grund des vierten torlosen Spiels in Serie und der Tatsache, dass der 1. FC an den letzten 9 Spieltagen gerade einmal zwei Tore erzielt hat, dass in ihren Kauwerkzeugen kein Platz mehr ist.

Der ulkige Herr Lehmann

Ein Team sollte im Rahmen des Abstiegskampfs nicht übersehen werden, der VfB Stuttgart. Die Schwaben verweigern nunmehr seit Wochen den ersehnten Befreiungsschlag. Nachdem letzte Woche in Überzahl ein Sieg gegen Bochum noch verschenkt wurde, indem man in der 90. Minute noch den Ausgleich kassierte, gab man auch den schon eingeplanten Dreier gegen den FSV Mainz noch mit dem Schlusspfiff aus der Hand.

Dabei spielt vor allem ein Stuttgarter eine Hauptrolle und bewirbt sich nachhaltig für einen Platz im Kuriositätenkabinett. Es laufen beim Stand von 1:0 für den VfB die letzten Augenblicke der Partie, als Jens Lehmann eine Flanke ohne Probleme abfängt, dann zielsicher auf  FSV-Stürmer Bancé zuläuft ihm auf den Fuß tritt und wegrempelt. Da der Ball noch im Spiel ist, entscheidet der Schiedsrichter zu Recht auf Foul und gibt einen Elfmeter sowie die rote Karte für Lehmann. Dieser schleicht anschließend bedröppelt vom Platz und verpasst den Ausgleich durch Eugen Polanski, der den fälligen Strafstoß sicher verwandelt.

Im Anschluss an das Spiel hatte Jens Lehmann noch weitere Ideen. Mit dem Mannschaftsbus wollte er nicht unbedingt zurückfahren, wahrscheinlich um den vielen unangenehmen Fragen und Blicken der Mannschaftskollegen auszuweichen, also beschloss er sich ein Taxi zu rufen um zurück an den Starnberger See zu reisen. Dass er keine Mitfahrgelegenheit ergattern konnte wird seine Laune wohl so weit getrübt haben, dass er sich im Anschluss mit einem Fan anlegte, dem er kurzzeitig die Brille entwendete, nur um im Endeffekt doch im Mannschaftsbus Platz zu nehmen.

Ein normaler Tag im Leben des Jens Lehmann. Apropos Lehmann, bereits am Mittwoch spielten sich beim Champions League Spiel gegen Unirea Urziceni kuriose Szenen ab. In der 80. Minute huschte Lehmann plötzlich hinter eine Werbebande, um dort einige Augenblick in recht eindeutiger Pose zu verharren und dann erleichtert wirkend ins Tor zurückzukehren. Lehmann wollte diese Szene im Nachhinein schmunzelnd lieber nicht kommentieren, eine Blasenschwäche sei ihm in seinem hohen Alter jedoch verziehen. Was bleibt ist der Ratschlag zu Granufink und die Einsicht, dass es stimmt: "Alter schützt vor Torheit nicht" - und schon gar nicht bei Torhütern :-)

Die Aufsteiger aus dem Westen

Die Mannschaften der Stunde kommen im Moment aus dem Ruhrgebiet. Schalke beendete Bremens Serie und setzte sich im Weserstadion verdient mit 2:0 durch. Damit festigt S04 seine Spitzenposition als Tabellenzweiter ein weiteres Mal und wird die Hinrunde nach dem Abschluss des nächsten Spieltags mindestens auf einem der ersten drei Plätze beenden. 

Fast genauso beeindruckend ist die Bilanz von Borussia Dortmund. Nach dem Auswärtssieg in Hoffenheim wurde nun der nächste Konkurrent auf fremden Platz besiegt. Dabei knöpfte sich der BVB dieses Mal den Deutschen Meister vor und zerlegte die Wölfe aus Wolfsburg mit 3:1. Bereits nach der ersten halben Stunde war das Spiel praktisch entschieden, als der BVB nach einem Barrios-Doppelpack und einem Treffer durch Patrick Owomoyela bereits mit 3:0 in Front lag. Den Dortmundern fehlt noch ein Punkt um auf einem Platz zu überwintern, der für das internationale Geschäft berechtigt und auch zu Bayer Leverkusen sind es nur deren fünf.

Slapstick at its best

Den Höhepunkt des Wochenendes boten zwei Mannschaften von denen man es eigentlich nicht unbedingt erwartet. Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach lieferten sich eine denkwürdige Auseinandersetzung. Nicht weniger als drei Eigentore erzielten die 96er bei der 3:5 Niederlage im Borussia-Park zu Mönchengladbach.

Es begann bereits in der 14. Minute als Keeper Fromlowitz bei einem Klärungsversuch außerhalb des Strafraum seinen eigenen Abwehrspieler Karim Haggui so unglücklich anschoss, dass der Ball uneinholbar ins eigene Tor trudelte. Das 2:0 erzielte Gladbach selbst, beim Anschlusstreffer zum 2:1 trafen die 96er ausnahmsweise das richtige Tor, das 3:1 spottete dann jedoch jeder Beschreibung. Ein langer und absolut harmloser Ball verwirrte Hannovers Constant Djakpa offenbar so sehr, dass dieser kurz die Regeln des Spiels vergaß, jedenfalls "klärte" er den Ball 20 Meter vor dem eigenen Tor stehend mit dem Außenriss wirklich absolut unhaltbar ins eigene Tor - unbegreiflich.

Im Anschluss fielen einige reguläre Tore, dann wurde es noch einmal kurios. Beim Stand von 4:2 eroberte ein Gladbacher Spieler einen Ball im eigenen Strafraum, anstatt ihn nun wegzuschießen stolziert er pfauengleich am eigenen "Fünfmeterraum" entlang, bis Hannovers Christian Schulz angesprungen kommt und den Ball zum Erstaunen aller in Gladbacher Tor grätscht. Unglaublich aber das war immer noch nicht der Höhepunkt des Spiels.

In der Nachspielzeit setzt die Borussia noch einen Konter, ein langer Ball wird in die Hannoversche Hälfte gespielt und während 96-Torwart Fromlowitz dem Ball entgegeneilen will, grätscht Verteidiger Haggui gut 30 Meter vor dem Tor in den Pass. Er spitzelt den Ball mit der Picke in Richtung eigenes Tor, wo ja eigentlich der Torwart warten sollte, eigentlich... Das 5:3, ein Eigentor aus 30 Metern, das dritte im Spiel, das zweite von Haggui. Während selbst die 96-Spieler lachen müssen pfeift der Schiri das Spiel ab - schade eigentlich.

Zum Abschluss noch ein Verweis auf die englische Liga. Maynor Figueroa vom Premier League Club Wigan Athletics hat sich wohl von der Bundesliga inspirieren lassen, wie sonst ist dieser auch noch von Erfolg gekrönter Versuch zu erklären? www.youtube.com/watch

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Also ich muss wirklich

Bild von Flüge USA

Also ich muss wirklich sagen, dieses Wochenende war für jeden Fussballfan was dabei.
Natürlich hat mir als Schalker das Wochenende wahrscheinlich am besten gefallen. Nur noch besser hätte es werden können, wenn die Hamburger ihr Spiel auch noch verloren hätten.
Uns im Revier gehts jedenfalls gut.

Was bei Hannover gegen Gladbach los war, kann ich mir eigentlich nicht erklären. An kuriosität kaum noch zu überbieten.
Da hat der Wettskandal wieder neuen Nährboden gefunde., würde ich mal behaupten.

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