Filmarbeiten - das Berlinale-Blog von Marc Schulte und Martin Schmidtner Shahada, Gay days, Fucking Different und die Berlinale-Trailer

von Marc Schulte - 19.02.2010
Eindrücke von vier verschiedenen Berlinale-Beiträgen: Shahada, ein Film über Religion und Leben; Gay Days - die Geschichte der Rosa Revolution in Israel; der Episodenfilm Fucking Different São Paulo und die beliebten Berlinale-Trailer!

Religion

Die Bedeutung der Religion und der Umgang mit Schicksalsschlägen sind zwei Hauptthemen auf der Berlinale.

Mit seinem Erstlingswerk Shahada (seiner Abschlussarbeit an der Filmakademie Baden-Württemberg) tritt der 30jährige Burhan Qurbani für Deutschland an und begeistert wenn auch nicht das Feuilleton, so doch das Publikum. Shahada ist das islamische Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Gott, eine der fünf Säulen des Islams.


Maryam Zaree | © Berliner Filmfestspiele

Wie lebt einer in einer säkularisierten Welt seinen Glauben, wie bestimmt er die eigenen Entscheidungen? Drei Charaktere suchen ihre Antwort. Während der Polizist Ismail von seinem Sohn lernt, dass das Nachtgebet so wertvoll ist, weil es beim Einschlafen und damit bei der Verarbeitung eines furchtbaren Ereignises helfen kann, kasteit sich die andere mit dem Gedanken, dass sie zu Recht für ihre unaussprechbare Sünde bestraft wird. Ein dritter kann sich nicht zwischen seiner Liebe und seinem Glauben entscheiden. Kann denn nicht beides möglich sein? „Und was sagt die Religion zu Menschen wie uns?“ fragt Daniel seinen Arbeitskollegen Samir und gesteht damit seine Liebe. Jeremias Acheampong und Sergej Moya spielen die beiden jungen Männer auf eine unglaublich einfühlsame Art und Weise. Man leidet mit den Hauptdarstellern mit und versteht ihr Ringen. Die Lösungen erscheinen greifbar nah und sind doch meilenweit entfernt. Drei Geschichten werden parallel erzählt und die Erzählstränge sind miteinander verwoben, ohne ein undurchdringliches Bild zu hinterlassen.

 

Noch einmal am So, 21.2. um 22:00 im Kino International!

Trailer:


 Queer History

„1998 hatte ich das Gefühl wir haben die Tür jetzt endlich geöffnet und die schwul-lesbische Szene war etabliert. Danach wurden wir zur Massenbewegung, und die familiäre Atmosphäre ging verloren – aber das war ja das, was wir wollten?“

Im Film Hazman Havarod (Gay Days) wird die Geschichte der Emanzipation von Schwulen und Lesben in Israel seit 1979 erzählt. Regisseur Yair Qedar, 1969 geboren, berichtet von seiner eigenen Geschichte. Durch die autobiographische Sicht spürt der Zuschauer, mit welcher Leidenschaft gekämpft wurde. Doch so erfolgreich die Geschichte der Rosa Revolution ist, zeigen die einzelnen Episoden doch, wie schwer für einige es war, von ihrer Familie verstoßen und um ihre familiären Bindungen gebracht zu werden.

Yair Qedar, Gianfranco Azzarozini. 1997  | © Berliner FilmfestspieleYair Qedar, Gianfranco Azzarozini. 1997 | © Berliner Filmfestspiele

Als Höhepunkt der Rosa Revolution galt, als es 1998 der „rosanen Mafia im israelischen Fernsehen“ gelungen war, die Transsexuelle Dana International zum Eurovision Song Contest zu schicken – „das ist für Israel wie einen Oscar zu gewinnen oder den Nobelpreis zu bekommen“ -  und sie dort sogar noch gewann. Auf den Straßen von Tel Aviv gab es kein Halten mehr und weil in der gleichen Nacht Fußballfans auch noch den Sieg ihrer Mannschaft in der Meisterschaft feierten, wurde ein nie wieder zu erlebendes euphorisches Freudenfest gefeiert.

   Dana International

  

Channel: Kultur  

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