Nicht falsch verstehen, ich finde es grundsätzlich gut, dass die SPD Bundestagsfraktion ihre Position zu den Netzssperren komplett geändert hat. Der innerparteiliche Druck, die gute Arbeit auf dem Bundesparteitag der Netzpolitiker, aber nicht zuletzt das Wahlergebnis der Bundestagswahl und der Erfolg der Piratenpartei haben bei der Parteispitze Einsicht gebracht. Das ist schön!
Ich kann mich auch Christians Äußerung anschließen, dass jeder mal Fehler machen kann. Kein Problem. Aber man kann sich doch nicht hinstellen und sagen: "Wir haben schon in der Großen Koalition alles richtig gemacht und es war nur die böse CDU-Zensursula die uns in der SPD die Netzsperren reingewürgt hat".
Auf dem Bundesparteitag gab es viele Redebeiträge, auch von Sigmar Gabriel, dass man als Partei auch mal Fehler zugeben kann. Wie ist es dann jetzt diese Pressemitteilung der SPD Bundestagsfraktion zu verstehen, die vor Stolz auf die eigenen Taten nur so strotzt? Wen man sich dann mit etwas Abstand das Interview mit Martin Dörrmann durchliest, das wir damals vom vorwärts mit ihm geführt haben, dann fragt man sich schon, wie man so einfach behaupten kann, dass wir damals alles richtig gemacht haben.
Wäre es nicht aufrichtiger gewesen zu sagen, dass:
- die SPD damals innerparteilich versagt hat, weil sie nicht auf ihre Experten wie Björn Böhning, Jan Mönikes, Mathias Groote, den Online-Beirat und viele mehr gehört hat?
- als das Thema auf dem Bundesparteitag diskutiert werden sollte, aus Angst um den Verlust der Wahl die Protagonisten daran gehindert wurden, als Delegierte ihre Rechte wahrzunehmen und das Thema beraten zu lassen?
- die SPD-Spitze damals in Zusammenhang mit der Kinderpornographie-Affäre von Jörg Tauss tierische Angst hatte, von der Springer-Presse an die Wand gestellt und mit Dreck bekübelt zu werden?
- die Netzbewegung und die Piratenpartei von vielen in der Partei vollkommen unterschätzt wurden?
- nur einige Abgeordnete es gewagt haben, damals gegen das jetzt kritisierte Gesetz zu stimmen?
- wir damals auf dem Altar des Koalitionsfriedens die innerparteiliche Diskussion geopfert haben?
Mich ärgert es, dass die Spitze der SPD Bundestagsfraktion keinen einzigen Funken Selbstkritik äußert, wenn es um diese Neu-Positionierung geht. Klar, in der Sache haben sie verstanden, worum es geht.
Aber wir müssen uns jetzt nicht wundern, wenn aus der Piratenpartei und der Netz-Community uns gesagt wird, wir würden unser Fähnchen nur in den Wind stellen. Da wird mal wieder viel zu kurz kommen, dass in der SPD genug Leute gab, die vor dieser falschen Politik damals schon gewarnt haben.
Schade - die SPD Bundestagsfraktion hat eine Gelegenheit verpasst, einen Schritt auf die netzaffinen Wähler zuzugehen.
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