Netzsperren Selbstkritik und Demut wären schön!

von Karsten Wenzlaff - 15.12.2009
Ich tue mich schwer damit, die Pressemitteilung der SPD-Bundestagsfraktion rundum gut zu finden. Jeder wird uns jetzt vorwerfen, dass die SPD nur gegen Netzsperren ist, weil sie in der Opposition ist.

Nicht falsch verstehen, ich finde es grundsätzlich gut, dass die SPD Bundestagsfraktion ihre Position zu den Netzssperren komplett geändert hat. Der innerparteiliche Druck, die gute Arbeit auf dem Bundesparteitag der Netzpolitiker, aber nicht zuletzt das Wahlergebnis der Bundestagswahl und der Erfolg der Piratenpartei haben bei der Parteispitze Einsicht gebracht. Das ist schön!

Ich kann mich auch Christians Äußerung anschließen, dass jeder mal Fehler machen kann. Kein Problem. Aber man kann sich doch nicht hinstellen und sagen: "Wir haben schon in der Großen Koalition alles richtig gemacht und es war nur die böse CDU-Zensursula die uns in der SPD die Netzsperren reingewürgt hat".

 

Auf dem Bundesparteitag gab es viele Redebeiträge, auch von Sigmar Gabriel, dass man als Partei auch mal Fehler zugeben kann. Wie ist es dann jetzt diese Pressemitteilung der SPD Bundestagsfraktion zu verstehen, die vor Stolz auf die eigenen Taten nur so strotzt? Wen man sich dann mit etwas Abstand das Interview mit Martin Dörrmann durchliest, das wir damals vom vorwärts mit ihm geführt haben, dann fragt man sich schon, wie man so einfach behaupten kann, dass wir damals alles richtig gemacht haben.

 

Wäre es nicht aufrichtiger gewesen zu sagen, dass:

  • die SPD damals innerparteilich versagt hat, weil sie nicht auf ihre Experten wie Björn Böhning, Jan Mönikes, Mathias Groote, den Online-Beirat und viele mehr gehört hat?
  • als das Thema auf dem Bundesparteitag diskutiert werden sollte, aus Angst um den Verlust der Wahl die Protagonisten daran gehindert wurden, als Delegierte ihre Rechte wahrzunehmen und das Thema beraten zu lassen?
  • die SPD-Spitze damals in Zusammenhang mit der Kinderpornographie-Affäre von Jörg Tauss tierische Angst hatte, von der Springer-Presse an die Wand gestellt und mit Dreck bekübelt zu werden?
  • die Netzbewegung und die Piratenpartei von vielen in der Partei vollkommen unterschätzt wurden?
  • nur einige Abgeordnete es gewagt haben, damals gegen das jetzt kritisierte Gesetz zu stimmen?
  • wir damals auf dem Altar des Koalitionsfriedens die innerparteiliche Diskussion geopfert haben?

 

Mich ärgert es, dass die Spitze der SPD Bundestagsfraktion keinen einzigen Funken Selbstkritik äußert, wenn es um diese Neu-Positionierung geht. Klar, in der Sache haben sie verstanden, worum es geht.

Aber wir müssen uns jetzt nicht wundern, wenn aus der Piratenpartei und der Netz-Community uns gesagt wird, wir würden unser Fähnchen nur in den Wind stellen. Da wird mal wieder viel zu kurz kommen, dass in der SPD genug Leute gab, die vor dieser falschen Politik damals schon gewarnt haben.

Schade - die SPD Bundestagsfraktion hat eine Gelegenheit verpasst, einen Schritt auf die netzaffinen Wähler zuzugehen.

Diese ist die private Meinung des Autors und repräsentiert nicht notwendigerweise die Meinung der vorwärs-Redaktion.

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Expertenrat

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Wo bleibt bei der Aufzählung der Experten, deren Fachwissen die Sozis hätten berücksichtigen müssen, Jörg Tauss?
Genosse Dörrmann und andere haben ihn auf schäbigste Art, unter anderem durch widerliche Auftritte im Bundestag, aus der SPD gemobbt.
Jetzt kennt man, wenn man die Fachleute von damals auflistet, nicht einmal mehr seinen Namen?

Tauss

>Jetzt kennt man, wenn man die Fachleute von damals >auflistet, nicht einmal mehr seinen Namen?

Schau mal zwei Sätze weiter, da steht Jörg Tauss.

Das Interview mit M.

Bild von piercyha

Das Interview mit M. Dörmann http://www.vorwaerts.de/trackback/9407 kann ich ohne vorherige Registrierung nicht kommentieren. Daher poste ich meinen Kommentar hier.

Herr Dörmann,

auf Initiative von Ministerin Zypries ist die Protokollierung sämtlicher IP-Adressen, die auf das Stoppschild gestoßen sind, in den ersten Gesetzesentwurf aufgenommen worden. Beobachter schlossen daraus, dass Zypries noch eine Schippe nachlegen wollte, um im Kampf gegen Kinderpornografie gegenüber von der Leyen zu punkten. Die Ausschussanhörung hatte ergeben, dass jede IP einen Anfangsverdacht begründet hätte, dem das BKA hätte nachgehen müssen. Das hätte die KiPo-Abteilung des BKA lahm gelegt.

Ihre Aussage ist somit falsch.

Gruß
piercyHA

Interview mit Martin Dörmann

Liebe Diskussionsteilnehmer,

danke für die tolle Diskussion - das ist klasse. Ich werde auch versuchen, auf einzelne Punkte zu antworten.

Eure Anmerkungen wurden aufgenommen und zwar im Interview mit Martin Dörmann, dass ich heute mit ihm geführt habe:

http://www.vorwaerts.de/artikel/die-spd-hat-in-der-netzpolitik-einen-nac...

Bitte kommentiert auch dort - es wird gelesen!

Viele Grüße

Karsten

Werter aloa5, ich denke, wie

Bild von Paul Hermann

Werter aloa5,

ich denke, wie der Prozess innerhalb der SPD aussieht die Partei neu aufzustellen, das müssen Sie schon uns überlassen. Als Mitglied einer Ein-Themen-Partei hat man da vielleicht leicht reden, die SPD blickt jedoch auf eine 148-jährige Geschichte zurück, in der man nicht anno 2009 alles über Bord werfen kann. Seien sie versichert, dass sich innerhalb der SPD immer mehr Mitglieder dem Thema Netzpolitik annehmen - es als Heilsbringer zu deklarieren hilft uns allen aber nicht weiter.

Ja, ich bin auch gegen Internetzensur. Ja, ich bin auch gegen Vorratsdatenspeicherung - aber wo schränkt es denn mein und ihr Leben ein? Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, kann die Antwort nur nirgendwo lauten. Sie wissen genauso gut wie ich, dass diejenigen Daten die Unternehmen wie etwa Google über Sie speicheren wohl weitaus bedenklicher sind als jene unter staatlicher Aufsicht.

Massive Bildungsproteste finden in unserem Land statt, Schüler und Studenten müssen mit unbeeinflussbaren Schranken in ihrem persönlichem Werdegang leben. Menschen arbeiten 40 Stunden die Woche und müssen trotzdem Beihilfen vom Staat in Anspruch nehmen. Rentner arbeiten ihr Leben lang und fallen auf den Anspruch eines Arbeitslosengeld II-Empfängers zurück. Es gibt immer noch erlebliche Unterschiede bei der Entlohnung zwischen Mann und Frau, zwischen Ost und West. Unserer Erde steht ein nie dagewesener Klimawandel bevor, der das Leben auf unserem Planeten für nachfolgende Generationen in erheblichem Maße verändern wird. Und Sie erzählen mir, es wäre ein erster Schritt, wenn die SPD sich die Netzpolitik auf oberste Fahnen schreibt?

Tut mir Leid, dieser von Ihrer Partei verbreitete Wahn, die Freiheit sei in erheblichem Maße beschnitten, ist aus meiner Sicht völlig sekundär gegenüber den wirklichen Problemen in unserem Land.

Lieber Herr Schlosser,

Sie stellen hier eine rein technische Betrachtung an. Nur weil ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamts in der Lage wäre, eine Sperre für weitere Webseiten durchzuführen, heißt das noch lange nicht, er würde damit gesetzestreu handeln. Und nein, ich würde dafür nicht meine Hand ins Feuer legen, dass alle Mitarbeiter des BKA allzeit redlich handeln. Nur es gibt weitaus größere Probleme als jenes, dass eine Webseite widerrechtlich für ein paar Tage gesperrt ist. Man kann das Ganze auch künstlich aufblasen, liebe Piraten.

Gruß,
Paul Hermann

Ja, ich bin auch gegen

Bild von aloa5

Ja, ich bin auch gegen Internetzensur. Ja, ich bin auch gegen Vorratsdatenspeicherung - aber wo schränkt es denn mein und ihr Leben ein? Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, kann die Antwort nur nirgendwo lauten.

Oha Herr Hermann. Ich darf Sie auf das Bundesverfassungsgericht bzw. vergangene Urteile u.a. zu G10 und weitere (wie den großen Lauschangriff) verweisen. Dort steht welche Auswirkungen ein totalitärer Staat - Überwachung - hat und warum das untersagt ist. Sie können auch DDR-Oppositionelle fragen welche Auswirkungen permanente Angst beobachtet zu werden hat und haben kann. So etwas fällt nicht irgendwann einfach so vom Himmel.

Sie dürfen im übrigen Fragen welche Parteimitglieder bei Studentenprotesten in vorderster Reihe zu finden waren. Das waren ebenfalls die Piraten. Ich kann mich jedoch nicht erinnern das die Piraten Grund für die Proteste oden in den vergangenen Jahren an der Regierung beteiligt gewesen wären.

Die Welt hat auch *andere* Probleme Herr Hermann. Da sind wir uns sicher einig. Was jedoch nicht der Fall sein wird - und da können Sie sich noch so winden - ein Problem welches existiert wird deshalb nicht verschwinden. Big Brother wird nicht besser wenn man einen Arbeitsplatz und etwas zu essen hat. Man muss Beides haben bzw. verhindern wollen.

Grüße
ALOA

Werter Herr Hermann !

Bild von Siegfried Schlosser

das Versagen der Politik in Sachen Klimawandel streite ich ja gar nicht ab :-) und ich sehe das auch als ein großes Problem an und handele im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten entsprechend.
Hier und jetzt geht es aber nicht um den Klimawandel, sondern um die zunehmende Tendenz der deutschen Politik, anlaßlos die gesamte Bevölkerung zu kontrollieren. Zur Erinnerung: das begann mit dem "Otto-Katalog" Ihres Parteifreundes Otto Schily...

Wenn Sie schreiben: "...ich bin auch gegen Vorratsdatenspeicherung - aber wo schränkt es denn mein und ihr Leben ein? Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, kann die Antwort nur nirgendwo lauten" - dann ist das eine reichlich naive Sicht der Dinge. Warum sprechen sich denn z.B. Rechtsanwälte vehement gegen die VDS aus, oder Journalisten? Oder Ärzte? diese (und andere) Berufsgruppen sehen durchaus, daß das Wissen des Staates um die Information darüber, wer sie wann von wo aus angerufen hat oder eine Email geschickt hat, das Vertrauensverhältnis zwischen den Korrespondenten einschränken kann.

Auch der Vergleich mit Google zieht nicht. Es macht schon einen Unterschied, ob die Datensammlung von einer Firma vorgenommen wird, die damit letztendlich nur Profit erzielen will, oder von einem Staat, der die Daten zur Repression nutzen kann. ich habe im Zuge meiner Diskussion mit Frau Merkel (Petra, nicht Angela :-) ) auch darauf hingewiesen, daß diese Gesetze von einer zukünftigen, sagen wir mal, "radikaleren" Regierung ja durchaus für Zwecke benutzt werden könnten, die die vorige und die jetzige Regierung nicht im Sinne haben. So etwas sollte man m.M.n. immer im Hinterkopf haben...

Ja, ich habe eine rein technische Betrachtung angestellt. Es freut mich, daß Sie die von mir angedeutete Gefahr auch sehen. Im Zuge der Diskussion während der Entstehung dieses Gesetzes hat das aber niemand bei Ihnen sehen wollen, oder?

Ja, Sie haben Recht, es gibt andere Probleme auf dieser Welt. Einige davon haben sicher eine höhere Relevanz als das hier diskutierte. Und ja, wir Piraten sind als Ein-Themen-Partei gestartet. Seitdem haben wir aber schon ein wenig mehr auf der Pfanne, und das wird sich bis zur nächsten Bundestagswahl noch wesentlich ausweiten. ich denke mal, wenn man das Eisenacher Programm mit dem heutigen vergleicht, kann man auch eine Weiterentwicklung und den Einbau neuer Themenfelder finden, oder ?

Ach ja - ich finde nicht, daß die SPD "alles über Bord werfen" soll. Nur hat sie in *einem* Themengebiet, das eben viele junge Menschen ( obwohl, jung - ich bin 54...) interessiert, ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Sollte ich die "Netzpolitik" der SPD benoten müssen, würde ich da eine glatte 6 geben ...

Wenn sich etwas erneuern will, muss das Alte sterben.

Bild von insideX

Hallo Karsten,

was du schreibst ist richtig aber glaubst du, du erreichst damit jemanden in eurem Laden? Aufrichtigkeit und Authentizität ist im politischen Geschäft ... so wie die etablierten Parteien es betreiben ... einem Kalkül der Lüge und der Scheinargumente gewichen. Es sind auch keine späten "neu Erkenntnisse" die dieses Kalkül entkräften, sie bestärken dieses durchschaubare Kalkül und es wird hingenommen. Wollte man, an dem was du schreibst, etwas ändern, bräuchte man Politiker die Leben was sie sagen und bereit sind Konsequenzen zu ziehen, aufrichtige Menschen. Ich erwähne hier mal den Herrn Tauss.

Authentizität wird man durch Worte nicht erreichen, entweder man lebt das oder nicht und da sehe ich in der SPD einfach "schwarz". Willi Brand hat das was er sagte gelebt, er stand für seine Ideale ein aber es gibt niemanden in der SPD der das noch tut. Ich glaube das es für die SPD keinen Ausweg aus diesem Dilemma gibt und finde ein adäquate Reaktion die SPD sterben zu lassen und ich halte das sogar für notwendig und es wäre konsequent.

Wenn sich etwas erneuern will, muss das Alte sterben. Das ist eine Art von Naturgesetz.

insideX (Mitglied der Piratenpartei)

Hinterzimmer Politik

Bild von insideX

Hallo Karsten,

was du schreibst ist richtig aber glaubst du, du erreichst damit jemanden in eurem Laden? Aufrichtigkeit und Authentizität ist im politischen Geschäft ... so wie die etablierten Parteien es betreiben ... einem Kalkül der Lüge und der Scheinargumente gewichen. Es sind auch keine späten "neu Erkenntnisse" die dieses Kalkül entkräften, sie bestärken dieses durchschaubare Kalkül und es wird hingenommen. Wollte man, an dem was du schreibst, etwas ändern, bräuchte man Politiker die Leben was sie sagen und bereit sind Konsequenzen zu ziehen, aufrichtige Menschen. Ich erwähne hier mal den Herrn Tauss.

Authentizität wird man durch Worte nicht erreichen, entweder man lebt das oder nicht und da sehe ich in der SPD einfach "schwarz". Willi Brand hat das was er sagte gelebt, er stand für seine Ideale ein aber es gibt niemanden in der SPD der das noch tut. Ich glaube das es für die SPD keinen Ausweg aus diesem Dilemma gibt und finde ein adäquate Reaktion die SPD sterben zu lassen und ich halte das sogar für notwendig und es wäre konsequent.

Wenn sich etwas erneuern will, muss das Alte sterben. Das ist eine Art von Naturgesetz.

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Hallo Karsten,

was du schreibst ist richtig aber glaubst du, du erreichst damit jemanden in eurem Laden? Aufrichtigkeit und Authentizität ist im politischen Geschäft ... so wie die etablierten Parteien es betreiben ... einem Kalkül der Lüge und der Scheinargumente gewichen. Es sind auch keine späten "neu Erkenntnisse" die dieses Kalkül entkräften, sie bestärken dieses durchschaubare Kalkül und es wird hingenommen. Wollte man, an dem was du schreibst, etwas ändern, bräuchte man Politiker die Leben was sie sagen und bereit sind Konsequenzen zu ziehen, aufrichtige Menschen. Ich erwähne hier mal den Herrn Tauss.

Authentizität wird man durch Worte nicht erreichen, entweder man lebt das oder nicht und da sehe ich in der SPD einfach "schwarz". Willi Brand hat das was er sagte gelebt, er stand für seine Ideale ein aber es gibt niemanden in der SPD der das noch tut. Ich glaube das es für die SPD keinen Ausweg aus diesem Dilemma gibt und finde ein adäquate Reaktion die SPD sterben zu lassen und ich halte das sogar für notwendig und es wäre konsequent.

Wenn sich etwas erneuern will, muss das Alte sterben. Das ist eine Art von Naturgesetz.

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Hinterzimmer Politik

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Hallo Karsten,

was du schreibst ist richtig aber glaubst du, du erreichst damit jemanden in eurem Laden? Aufrichtigkeit und Authentizität ist im politischen Geschäft ... so wie die etablierten Parteien es betreiben ... einem Kalkül der Lüge und der Scheinargumente gewichen. Es sind auch keine späten "neu Erkenntnisse" die dieses Kalkül entkräften, sie bestärken dieses durchschaubare Kalkül und es wird hingenommen. Wollte man, an dem was du schreibst, etwas ändern, bräuchte man Politiker die Leben was sie sagen und bereit sind Konsequenzen zu ziehen, aufrichtige Menschen. Ich erwähne hier mal den Herrn Tauss.

Authentizität wird man durch Worte nicht erreichen, entweder man lebt das oder nicht und da sehe ich in der SPD einfach "schwarz". Willi Brand hat das was er sagte gelebt, er stand für seine Ideale ein aber es gibt niemanden in der SPD der das noch tut. Ich glaube das es für die SPD keinen Ausweg aus diesem Dilemma gibt und finde ein adäquate Reaktion die SPD sterben zu lassen und ich halte das sogar für notwendig und es wäre konsequent.

Wenn sich etwas erneuern will, muss das Alte sterben. Das ist eine Art von Naturgesetz.

insideX (Mitglied der Piratenpartei)

Danke.

Bild von RA

Danke.

Werter Aloa5, ich habe nicht

Bild von Paul Hermann

Werter Aloa5,

ich habe nicht bestritten, dass die SPD im Bezug auf Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren Fehler gemacht hat. Man braucht auch gar nicht darum herumreden, jedoch kaum ein halbes Jahr nach der Abstimmung über Internetsperren im Bundestag plötzlich eine um 180° gedrehte Meinung als Willen der Partei zu verkaufen ist genauso verkehrt.

Die Partei ist in einem Prozess, in dem elf Jahre Regierungszeit aufgearbeitet werden, in dem aufgearbeitet werden muss, wieso man in den vergangenen Jahren 10 Millionen Wählerstimmung und die Hälfte seiner Mitglieder verloren hat. Das schließt das Thema Netzpolitik nicht aus, aber hat wohl gerade bei der internetaffinen Generation noch ganz andere Gründe.

Wenn wir als SPD anfangen uns bei unserem Weg in die modernen Medien weiterhin in diesem Maße mit der Kritik an der verfehlten Netzpolitik zu beschäftigen, dann führen wir zwar eine kritische Auseinandersetzung, erreichen damit aber letzlich nichts, da diejenigen, die ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür haben, eh einer Klientelpartei verfallen ist. Als Volkspartei kannst Du die Extreme, die die Piraten als Ziele verkaufen, nie erlangen - und solltest es auch nicht.

Wir müssen begreifen, dass man uns nicht mehr wählt, weil wir keine sozial gerechte Politik gemacht haben, weil die Sozialdemokratie nicht mehr als sozial wahrgenommen wird. Dieser Prozess muss zunächst aufgearbeitet werden, es muss die Grundlage für Basisdemokratie neu geschaffen werden. Voreilig irgendwelche Positionen öffentlichkeitswirksam zur Netzpolitik der SPD zu verkünden und dies als ersten Schritt der Aufarbeitung der Fehler aus der Regierungszeit zu benutzen, halte ich für vollkommen verfehlt. Es ist lediglich ein Teil eines Weges.

Und sind wir doch mal ehrlich: Bedenken, die die Piraten äußern, sind begründet. Im Augenblick ist es jedoch nicht mehr als bloße Panikmache, insbesondere im Bereich der Internetsperren. Zensur ist zweifelsohne der falsche Weg, aber es wurde nichts zensiert. Und die Behauptung, man könne das Gesetz ohne Weiteres von Kinderpornos auf weitere Seiten ausweiten, bleibt zunächst eine Behauptung.

Grüße,
Paul Hermann

"Und die Behauptung, man könne das Gesetz ohne Weiteres..."

Bild von Siegfried Schlosser

"...Und die Behauptung, man könne das Gesetz ohne Weiteres von Kinderpornos auf weitere Seiten ausweiten, bleibt zunächst eine Behauptung."

Nun - betrachten wir mal die Abläufe, die vom BKA - soweit bekannt - vorgesehen sind/waren.

Da sitzen also Mitarbeiter des BKA vor ihren Computern, um Webseiten zu finden, die ins Raster passen. Die Adressen dieser Webseiten werden in eine Liste aufgenommen, die einmal täglich ohne weitere Kontrolle an die Provider weitergegeben werden.

Was hindert einen dieser Mitarbeiter daran, Seiten, die nicht ins Raster des Gesetzes passen, trotzdem auf die Liste zu bringen?

Nix.

So. Nun werden Sie sagen: "Aber das ist doch unmöglich, das macht im BKA keiner! Da lege ich meine Hand ins Feuer für!"

Nun - die BKA-Mitarbeiter sind auch nur Menschen, mit all ihren Stärken und Schwächen. Und sowas muß ja nicht unbedingt auf eigenen Antrieb passieren - die Leute haben ja auch Vorgesetzte, bis hin zum jeweiligen Innenminister.

Genau deshalb wurde und wird die fehlende richterliche Kontrolle kritisiert.

Also meine Hand wäre mir für so eine Aussage echt zu schade...

S. Schlosser

Sehr geehrter Herr

Bild von aloa5

Sehr geehrter Herr Hermann,
um hinten zu beginnen: die Behauptung stell(t)en vor und nach den Piraten etliche Politiker bereits auf. Allen voran Ihr Innenexperte Herr Wiefelspütz.

Sie haben jedoch ein ganz anderes bzw. grundlegenderes Problem, das ist richtig. Ihr Problem bei der SPD liegt darin begründet das Sie sich überhaupt nicht mehr an Werten orientieren. So wie Sie "Netzpolitik" abhandeln als Klientelpolitik welche so nebenher läuft - also wo es nicht wichtig ist einen Wert zu vertreten bzw. diesen überhaupt zu sehen - so haben sie dies auch bei vielen anderen Dingen getan. Ihnen ist das Grundgerüst für das politische Handeln abhanden gekommen, denn Werte stellen das "Rückrat" für Handlungen dar!

Schauen Sie sich Ihre eigene Art der Argumentation an. Das ist eine Defensiv-Taktik, darauf ausgerichtet zu *reagieren*. "Keine Panik" sagen Sie - wie Ihre 26 (oder24) unterzeichnenden der Zusatzerklärung zur VDS-Entscheidung im Bundestag. Letzteres war die Bankrotterklärung an verantwortlichem Handeln, das verschieben der Kompetenz und der Verantwortlichkeit nach Karlsruhe.
Wann, Herr Hermann, ist es denn angebracht in Panik zu verfallen? Erst wenn die Verfassungsrichter Papier und Hirsch den Regierungsvertreter im Gerichtssaal fragen wo die Grenze der Datensammlungen liegt, ob Büchereien und anderes dazu zählen... und die Antwort "bei 6 Monaten" kommt?

So wie die SPD in diesen Fragen passiv bzw. überhaupt nicht agiert hat sondern lediglich reagiert ebenso verhält sie sich schon seit Jahren auch in sozialen Fragen. Sie gestaltet nicht, sie versprüht nicht einmal den Ansatz eines "vorwärts" und auch keine Entschlossenheit. Bis auf die Entschlossenheit die Agenda 2010, Riester-Rente, Hartz usw. gut zu finden. Selbiges vermutlich aber auch nur aufgrund von TINA - also "There Is No Alternative" - Alternativlosigkeit. Man wusste und weiß in der SPD derzeit vermutlich immer noch nicht wofür man eigentlich sein will, einstehen will. Das Rückrat fehlt wie schon gesagt. Der Faktor hinter dem man sich finden und versammeln kann.

Sie haben recht wenn Sie die Aufgabe der SPD darin sehen dies zu finden. Das können Sie jedoch nur erreichen wenn Sie auch konsequent sind. Wenn Sie weiter herumeiern und sagen "nein, nicht hier - irgendwo anders müssen wir beginnen", dann werden Sie es nicht können. Was die SPD-Mitglieder lernen müssen - was die sog. Basisdemokratie auch ausmacht - ist das einstehen für etwas was man jew. selbst für richtig hält, egal was es ist.

Es (bz. sonst) klopft immer jemand an Ihre Türe und erklärt Ihnen das Sie gerade an dem "falschen" Punkt ansetzen. Egal worum es geht. Eben so wie Sie es hier machen wird es häufig vorgemacht. Jeder erklärt jedem er müsse sich zügeln und erst einmal was anderes beachten oder tun. Und so stirbt jede (auch Basis-) Demokratie. Alle halten den Mund und warten darauf das was - "das richtige" - geschieht, und niemand weiß was es ist. Nur was es nicht ist ....ist komischer Weise jedem bekannt.

Grüße
ALOA

P.S.: Das hat schon fast epische Länge. Ich entschuldige mich dafür.

"..dann doch bitte die

Bild von aloa5

"..dann doch bitte die Wirklichen aus elf Jahren Regierungszeit, nicht dieses Randgruppenthema."

Aber Herr Hermann,

was ist denn das für eine Argumentation?

Entweder hat man Fehler gemacht dann gesteht man diese ein. Maximal geht noch ein "darum herum reden". Was gar nicht geht ist den Fehler zu bestreiten. Ihre Argumentation welche darauf hinaus läuft die Fehler gegeneinander abzuwiegen und nur die größeren zuzugeben (und die anderen zu kaschieren) weil deren Klientel oder Bedeutung vermeintlich größer ist kann ich nicht nachvollziehen.

Sie unterschätzen dabei sowohl Klientel als auch Bedeutung und vor allem unterschätzen Sie Wähler und Mitglieder Ihrer Partei. Man wäre bei der SPD gut beraten einmal Tacheles zu reden und die Karten offen auf den Tisch zu legen. Das verschämte beiseite legen verschiedener unschöner Dinge wird in Zeiten des Internets gnadenlos breitgetreten.

Eine Generation hat die SPD bereits an die Grünen abgegeben, deren Wähler sind nun Ü40. Wir sind nun gut 25 Jahre weiter und sie ist dabei die nächste auch noch zu vergeben. Ich bin nicht darüber informiert woher Sie der Ansicht sind das Stammwähler und Mitglieder kommen. Vielleicht schauen Sie sich einmal im Verlauf die Altersstruktur und Anzahl der Parteimitglieder Ihrer Partei im Vergleich zu Grünen und FDP an:
http://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/forschung/systeme/empsoz/schrifte...

Das ist keine Folge der Demographie sondern eine Folge von verpassten Zügen. Sie können sich das nicht weiter leisten.

Lassen Sie sich das vielleicht trotzdem von einem der ersten "Freaks" sagen.

Grüße
ALOA

Ich bin vollkommen Eurer

Bild von Paul Hermann

Ich bin vollkommen Eurer Meinung, aber wenn ich den Kommentar lese, dann drängt sich mir zum wiederholten Male der Eindruck auf, dass Netzpolitik von denjenigen, die sich für sie interessieren, völlig überschätzt wird. Die mediale Wirkung einen Fehler wie diesen einzugestehen wäre nahezu Null, eher im Gegenteil, wir würden uns wohl eher lächerlich machen. Wenn es darum geht Fehler einzugestehen, dann doch bitte die Wirklichen aus elf Jahren Regierungszeit, nicht dieses Randgruppenthema. Natürlich muss die Netzpolitik eine stärkere Rolle in unserer Partei spielen, natürlich sind Fehler begangen worden, aber wir müssen doch nicht den Piraten nacheifern - und schon gar nicht glauben, wir würden damit irgendwelche Stimmen gewinnen. Wer seine Wahlentscheidung von diesem Thema abhängig macht, wird auch weiterhin "Freakparteien" - sorry für die Wortwahl - wie die Piraten wählen.

Ein volles ACK. Gerade für

Bild von Anonymous

Ein volles ACK. Gerade für die Leute, die sich gegen das Gesetz eingesetzt haben und mit der geballten Inkompetenz eines Herrn Dörmann konfrontiert wurden, ist diese Pressemitteilung ein Schlag ins Gesicht. So wird das auch nichts mit der Glaubwürdigkeit.

Wahre Worte, und ich hoffe

Bild von E.Bissich

Wahre Worte, und ich hoffe sie bleiben nicht lange alleine. Ein ernsthaftes "Ja, wir haben Fehler gemacht" würde deutschlandweit für Eindruck sorgen. Wenn es ehrlich rüberkommt, nicht "wir habe kleine, taktische Fehler gemacht" sondern, "wir haben große und grundsätzliche Fehler gemacht", könnte das wie der kleine Bruder von Willi Brandts Kniefall werden. Es währe ein überzeugender Neuanfang, die Basis für neues Vertrauen darauf, dass der Schutz der Grundrechte bei der SPD gut aufgehoben ist.
Es würde sich eine interessante Konstellation ergeben:
"Innere Sicherheit geht vor Freiheit"
CDU/CSU
"Freiheit geht vor innere Sicherheit"
SPD, Grüne, Linke, FDP, Piraten
Das könnte recht Einsam für die Union werden.
Das setzt aber einen konsequenten Einsatz für Freiheit und Demokratie ein und eine nach aussen transparente innerparteiliche Demokratie ist dazu ein muss.
Ich muss aber ganz ehrlich zugeben, ich traue das weder Sigmar Gabriel, noch jemand anderem von der SPD-Führung zu.
Und damit platzt der schöne Traum ...

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